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Middle Men

USA 2009. R,B: George Gallo. B: Andy Weiss. K: Lukas Ettlin. S: Malcolm Campbell. M: Brian Tyler. P: Paramount Pictures, Mallick Media, Oxymoron Entertainment u.a. D: Luke Wilson, Giovanni Ribisi, Gabriel Macht, James Caan, Jacinda Barrett, Laura Ramsey, Kevin Pollak, Terry Crews u.a.
108 Min. Paramount ab 21.7.11

Sp: Deutsch, Englisch, Türkisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch u.a. Bf: 2.40:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, entfallene Szenen, Outtakes, Slap Montage.

Ficken und Geficktwerden

Von Nils Bothmann Wenn es um die Verbreitung und Ausreizung eines Mediums geht, so sind es anfangs weniger die Künstler, sondern die Unternehmer, welche nach Möglichkeiten der Ausschöpfung des Mediums suchen. Dabei gilt als Devise: »Sex sells«. Bereits 1896, ein Jahr nach Erfindung des Films, wurde mit Le Coucher de la Marie der älteste erhaltene Erotikfilm, eine Stripdarstellung, vorgeführt. Ebenso wie Pornographie die Entwicklung eines Mediums vorantreiben kann, so kann die Medientechnologie umgekehrt das Gesicht der Pornographie verändern: Paul Thomas Andersons’ Boogie Nights erzählt vom Ende einer Ära, als das privatere Konkurrenzmedium Video zum Aussterben des pornographischen Kinofilms führte. Middle Men ist sich derartiger Wechselwirkungen bewußt, montiert bereits in seiner Creditsequenz erotische Darstellungen aus verschiedenen Epochen und Medien, wirbt mit dem Spruch »the guys who brought the XXX to the www«. Tatsächlich stellt Off-Erzähler und Protagonist Jack Harris schon im ersten Drittel klar, daß die von zwei arbeitsunwilligen Querköpfen erfundene Technologie, mit Hilfe derer zahlungswillige Kunden Zugang zu pornographischen Inhalten im Internet bekommen, Grundlage des Systems ist, mit dem heutzutage Kreditkartenzahlungen und ähnliche Transaktionen im Netz abgewickelt werden.

Im Gegensatz zu Boogie Nights ist Middle Men allerdings kein »period piece« über eine pornographische Epoche, sondern behandelt die Pornoindustrie nur am Rande – es geht, wie der Titel schon sagt, um die Mittelsmänner. Hier liegt allerdings das Problem von George Gallos zwischen Komödie und Drama schwankendem Film, dem nach einem glänzenden Auftakt kaum noch etwas einfallen will: Zu uninteressant und beliebig ist das Geschäft der Mittelsmänner, in das der Nachtclubbesitzer und erfahrene Manager Jack einsteigt, zu sattsam bekannt aus vergleichbaren Filmen ist der weitere Verlauf der Geschichte, in der Jack sich in ein Netz aus kriminellen Machenschaften verstrickt. Daß es am Ende des Films, nach kurzem Leben am Rande der Industrie und einer Affäre mit einem Pornostarlett, wieder stockkonservativ in den Schoß der eigenen Familie zurückgeht, wiegt dabei als Kritikpunkt weniger schwer als die vollkommene Beliebigkeit des Ganzen: Im Grunde könnte die Geschichte auch in einem anderen Milieu spielen und mit anderen Figuren besetzt sein, denn im Grund gibt es nur halbseidene bis kriminelle Halunken, die einander bei ihren Geschäften »ficken« wollen – im Gegensatz zu den vertriebenen Angeboten allerdings nur im übertragenen Sinne.

Noch dazu ist Middle Men in seiner Komik oft nicht pointiert genug, muß gelegentlich überdeutlich und platt werden. Als Beispiel sei hier die an sich sehr witzige Szene genannt, in der Jack einem Staatsanwalt, der Jack wegen seiner Geschäfte eins auswischen will, dessen Kreditkartenabrechung vorliest und dabei verdeutlicht, daß dieser einer von Harris’ besten Kunden ist. Würde dieser hämische Moment, der Bigotterie und Doppelmoral in den USA, gerade was Sex angeht, wunderbar thematisiert, an sich ein gelungenes Schlaglicht sein, so muß Regisseur und Drehbuchautor George Gallo dem Ganzen eine vollkommen unnötige Szene vorrauschicken, in welcher der Anwalt kurz vor Jacks Eintreffen noch Pornos auf seinem Laptop schaut. Dies unterminiert nicht nur den Witz des Folgenden, sondern versucht den gleichen Punkt zweimal zu machen. Das ist schade, denn stellenweise ist Middle Men wirklich amüsant, z.B. in jenen Szenen, in denen der US-Geheimdienst Jacks Dienste in Anspruch nimmt, um Terroristen über ihren Internetpornokonsum zu orten, doch es bleiben gelungene Einzelmomente in einem schön gefilmten, gleichzeitig aber auch recht belanglosen und austauschbaren Film. 2011-08-22 11:25

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