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Burke & Hare

GB 2010. R: John Landis. B: Piers Ashworth, Nick Moorcroft. K: John Mathieson. S: Mark Everson. M: Joby Talbot. P: Ealing Studios. D: Simon Pegg, Andy Serkis, Isla Fisher, Tom Wilkinson, Tim Curry, David Schofield, Christopher Lee, Hugh Bonneville u.a.
92 min. Ascot Elite ab 10.5.11

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Beim Dreh, Interviews, Deleted Scenes, Originaltrailer und Trailershow.

Schmal abgespult

Von Carsten Happe Blues Brothers. American Werewolf. Animal House. Das »Thriller«-Video von Michael Jackson. Die Glücksritter, Kopfüber in die Nacht, Drei Amigos – es schien, als könne John Landis nichts falsch machen in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Komödien- und Horrorkomödienklassiker am laufenden Band, gespickt mit popkulturellen und filmhistorischen Zitaten und Anspielungen, immer nahe am Camp und mit großer Sympathie für den guten schlechten Geschmack. Dann kam der ganz große kommerzielle Erfolg mit dem Prinz von Zamunda, fehlkalkulierte Starvehikel für Sylvester Stallone und wieder Eddie Murphy, und schließlich der lange, bestürzende Abstieg in den 1990er- und Nuller-Jahren. Filme wie Die Again mit einer völlig indisponierten Nastassja Kinski und leider auch das Blues Brothers-Sequel waren auf ganzer Linie gescheitert und ließen insbesondere jegliches dramaturgisches Gespür vermissen.

Burke & Hare, Landis’ erste Filmregie nach zwölf Jahren und zahlreichen TV-Engagements, sollte sein großes Comeback werden. Die Sympathien für den ausgewiesenen Kenner und profunden Kommentator der B-Movie-Szene sind schließlich nach wie vor sehr groß; das zeigt auch der freundliche Applaus zur Deutschlandpremiere, die in den Bonus Features dokumentiert wird. Das anschließende Interview, in dem auch Landis’ gesamte Karriere angesprochen wird, macht ebenfalls großen Spaß. Sein neuer Film hingegen ist leider einmal mehr verunglückt und trotz bester Intentionen ein ziemlich schmales Vergnügen. Die Besetzungsliste ist zwar einmal mehr bis in die kleinsten Nebenrollen prominent besetzt, obendrein gibt es die fast obligatorischen Gastauftritte prominenter Regiekollegen, die immer wieder das Charmepotential des Films andeuten, bevor Landis mit dem nächsten dramaturgischen Haken die Story entgleitet oder ins Klamaukige abdriftet.

Die Mär von den beiden Leichenhändlern, die im Edinburgh der 1820er Jahre ihrer Auftragslage eigenhändig nachhelfen und schließlich auch nicht vor drastischen Maßnahmen zurückschrecken, findet nie einen echten Zugang zum Kern der Geschichte, sondern hetzt atemlos durch die pittoresken Settings und die schlampig etablierten Nebenplots. Die Cinemascope-Bilder von John Mathieson – Ridley Scotts Kameramann, wie Landis im Interview ein wenig stolz erwähnt – sind durchaus edel und wohltemperiert ausgeleuchtet, doch die ganze technische Finesse nützt letztlich wenig, wenn das Drehbuch und die Inszenierung die Geschichte derart uninspiriert runterspulen. So bleiben momentan nur die Erinnerungen an frühere glorreiche Zeiten und Filme sowie die Hoffnung, daß John Landis’ Talent im Laufe der Jahre nicht vollkommen verschütt gegangen ist und mit dem nächsten Film sein respektables Alterswerk beginnt. 2011-07-04 09:30

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