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Resident Evil: Afterlife

GB/D/USA 2010. R,B: Paul W.S. Anderson. K: Glen MacPherson. S: Niven Howie. M: tomandandy. P: Constantin Film Produktion, Impact Pictures. D: Milla Jovovich, Ali Larter, Wentworth Miller, Shawn Roberts, Boris Kodjoe, Kim Coates, Spencer Locke, Kacey Barnfield u.a.
97 Min. Paramount ab 10.3.11

Sp: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.40:1 anamorph. Ex: Audiokommentar mit Paul W.S. Anderson, Jeremy Bolt, Robert Kulzer, Blick hinter die Kulissen, Die Action von Afterlife, Interview mit Milla Jovovich, Trailer und Teaser, Darsteller-Infos.

Mein Name ist Alice, ich kaufe hier ein

Von Christian Simon Alles muß im Überfluß und in 3D vorhanden sein. Was aber, wenn man diese Filme – wie jüngst Step-Up 3D und Resident Evil: Afterlife – nicht mehr im Kino anschaut, sondern in 2D zuhause auf dem Sofa? Die kurze Antwort: Es sieht noch immer gut aus, was allerdings die Leere, die diese Filme im Grunde ausmacht, nicht kompensiert. Vielmehr fallen hier die unzähligen Zeitlupen und langsamen Schwenks, durch die auf der großen Leinwand der Effekt der Dreidimensionalität erst möglich wird, zunehmend unangenehm auf. Was im Kino jedoch funktioniert und den Blick der Zuschauer in den vermeintlichen Tiefen des Bildes einfängt, wirkt ohne diesen Effekt nur mehr fremd und verweist lediglich auf die Lücke, die das weggefallene 3D hinterlassen hat.

Man muß lange suchen, will man hinter den visuellen Effekten von Resident Evil: Afterlife einen Film finden. Paul W.S. Anderson, der alle vier Teile der Resident-Evil-Reihe geschrieben und bereits den ersten selbst inszeniert hat, entfernt sich wieder von dem Stil, mit dem Regisseur Russell Mulcahy im vorangegangenen Resident Evil: Extinction überraschte. Dieser dritte Teil war ein staubiger Endzeit-Western, der es schaffte, technisch ähnlich digitalisiert wie Resident Evil: Afterlife, nur ohne 3D, ein weitgehend organisches Bildgefühl zu vermitteln. Dieser vierte Teil dagegen ist kalt, stilisiert, wirkt nur in wenigen Momenten lebendig. Was zum einen an Paul W.S. Andersons Idee von guter Regiearbeit liegen mag, zum anderen der Tatsache geschuldet ist, daß sich das Geschehen zu einem Großteil in animierten Räumen abspielt, die künstlich und virtuell aussehen sollen.

Einen guten Griff tat Anderson als Autor allerdings damit, Hauptfigur Alice (Milla Jovovich) zu Filmbeginn all ihrer erworbenen Superkräfte zu berauben, was die Ausgangslage ein wenig interessanter gestaltet. Wenn sie gegen einen allmächtigen Gegner wie den Mr.-Smith-Klon Wesker (Shawn Roberts) antritt, schon richtig, dann sollte sie selbst um der Spannung und dramaturgischen Fallhöhe wegen nicht auch noch allmächtig sein. In einer Filmreihe jedoch, die in erster Linie von einem aussichtslosen Kampf gegen einen stets die Oberhand behaltenden Gegner geprägt war, stellt sich im Handlungsverlauf recht bald die Frage, warum Alice ausgerechnet jetzt, da sie wieder Mensch wurde und damit schwächer denn je, erstmals tatsächlich eine Chance hat, aus dem Duell gegen die Umbrella Corporation als Sieger hervorzugehen. Andersons dramaturgische Logik umfährt die Beantwortung dieser wie anderer grundlegender Fragen recht großräumig. So muß als erzählerischer Rahmen und Motivation der Figuren erneut die Suche nach »Arcadia« herhalten; nach dem Ort, der mutmaßlich von der Pandemie verschont blieb. Daß Alice und ihre Gefährten unterwegs in einem von Zombies umzingelten (und glücklicherweise vom Militär als Waffendepot genutzten) Gefängnis stranden, ist nur ein Beispiel für den Einfallsreichtum, der hier in Storyfragen an den Tag gelegt wurde.

Resident Evil: Afterlife ist kein Film für Leute, die an die grundsätzliche Vereinbarkeit von Unterhaltung und Anspruch im großen US-Kino glauben. Es ist genau genommen sogar ein Film, der einen von dem Glauben an diese grundsätzlich wünschenswerte Möglichkeit abfallen läßt. Da Resident Evil: Afterlife zudem die Dreistigkeit besitzt, die mit zunehmender Spielzeit entstehende Leere in den Köpfen seines Publikums nicht mit ausreichend Spaß und Kurzweil zu füllen, taugt der Film in 2D leider nicht mal zur Befriedigung eines der grundlegenden Bedürfnisse des US-Kinos, der Zerstreuung. Es muß ja nicht immer Shaun of the Dead oder Zombieland sein. Doch alles, was hier zumindest als rettende Ironie hätte verkauft werden können – oder: müssen, um wenigstens den Unterhaltungsfaktor aufrecht zu halten – bleibt Paul W.S. Andersons bitterer, nichts als filmische Belanglosigkeit enttarnender Ernst.

Der jüngste Spross der Resident Evil-Reihe gehört einer neuen Generation des kommerziellen Popcornkinos an, die im Grunde von nichts erzählen und von nichts überzeugen will, denn ihr Ziel scheint von vornherein erreicht und ist ihnen letztlich sogar aufs Cover geschrieben: 3D. Vom Zuschauer erwarten sie nur angestarrt und angestaunt zu werden, was das Problem dieser Art Film schmerzlich offenlegt. Allein daß sich alle Extras der DVD um eben jenes 3D und damit um einen Effekt drehen, der gar nicht auf der DVD vorhanden ist, spricht Bände für den Rest des Films. Immerhin ist es in Zeiten der neuen Herrlichkeit des Heimkinos ein kleiner Trost, daß Filme und DVDs wie diese letztlich ein Argument für das Kino sind. Wenn auch ein schwaches. 2011-06-20 11:37

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