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DVD 1: Cocl & Seff

Der Bauernschreck (A 1913), Cocl als Hausherr (A 1913), Seff als Boy (A 1920), Seff kostet 24,50 Dollar (A 1920), Cocl und Seff im Tingl-Tangl (A 1921), Seff als Athlet (A 1923), Seff im Arrest (A 1923), Seff auf dem Wege zur Kraft und Schönheit (A 1926), Wie aus Cocl Asta Pilsen wurde (A 1913), Cocl und Seff am Strandpicknick (A 1921), Wenn »Goetz« befiehlt (A 1929).
150 Min. Filmarchiv Austria ab ??.?.??

Bf: X.XX:1. Ex: XXX.

DVD 2: Länglich, Francis, Dandy

Länglich als Wunderknabe! (A 1921), Meisterschaftsligakampf zwischen Fußballklub »Fliegengigerl« und Sportklub »Haudaneben« (A 1922), Tutankhamen (A 1923).
74 Min. Filmarchiv Austria ab ??.?.??

Bf: X.XX:1. Ex: XXX.

Cocl & Seff

Günter Krenn, Nikolaus Wostry (Hg.): Cocl & Seff. Die österreichischen Serienkomiker der Stummfilmzeit. Wien 2010. Filmarchiv Austria, 190 S., DVD & Buch im Schuber 28,90 Euro

Österreich, wie es schweigt und lacht

Von Michael Wedel Das schönste Bonus Feature einer DVD ist immer noch ein Buch. Vor allem, wenn es so kenntnisreich getextet und liebevoll farbig illustriert ist, wie der Begleitband zur DVD-Ausgabe mit Titeln österreichischer Stummfilmkomiker, die das Filmarchiv Austria im mittlerweile schon 11. Paket ihrer Reihe »Edition Film + Text« vorlegt. Das Prinzip der wechselseitigen Erhellung funktioniert auch hier wieder mustergültig: Die Filme verleihen den Aufsätzen den Mehrwert der unmittelbaren Anschauung des Materials, die im Buch versammelten Texte erschließen historische Zusammenhänge und biographische Hintergründe. Die DVD selbst enthält kurze, unverbindlich zwischen Schwank und Slapstick marodierende Stummfilmkomödien aus verschiedenen Komikerserien, die sämtlich fast ein Jahrhundert lang vollständig vergessen waren, bevor sie in den letzten Jahren entdeckt und restauriert und nun schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Und die darf sich freuen: Teil 1 der DVD versammelt Filme, darunter auch Fragmente, zwischen 4 und 33 Minuten Laufzeit, in denen das in den 1910er und frühen 1920er Jahren vor allem, aber keineswegs ausschließlich in Österreich beliebte Komikerduo Cocl (Rudolf Walter) und Seff (Josef Holub) zum Zuge kommt. Als österreichische Variante des klassischen Pat-und-Patachon- bzw. Laurel-Hardy-Prinzips besticht das Paar vor allem durch deftige Situations- und akrobatische Körperkomik, bei der zuweilen der gute Geschmack, selten aber einmal die gespielte Pointe auf der Strecke bleibt. Die frühesten Beispiele, Der Bauernschreck und Cocl als Hausherr, stammen aus dem Jahre 1913, die spätesten von 1926 (die Kulturfilm-Parodie Seff auf dem Wege zur Kraft und Schönheit) bzw. 1929 (das Fragment Wenn »Goetz« befiehlt). Von besonderem Interesse für alle Liebhaber der etwas höheren Kunst des Stummfilms dürfte der ebenfalls leider nur fragmentarisch überlieferte Streifen Wie aus Cocl Asta Pilsen wurde (1913) sein, eine nicht uncharmante Verballhornung des frühen Ruhmes der dänischen Stummfilmdiva Asta Nielsen. Überhaupt, und darauf weisen auch die Texte im Begleitband mit Nachdruck immer wieder hin, haben für zahlreiche Sujets wie für die Protagonisten der Filme internationale Vorbilder Pate gestanden: Fatty Arbuckle für den beleibten Cocl, Harold Lloyd für den schlaksigen Hornbrillenträger Seff; weitere Anspielungen und Zitate zielen auf Chaplin und Keaton sowie auf die zahlreiche Inspirationen liefernde Produktion Mack Sennetts.

Der zweite Teil bietet Kostproben anderer Serienkomiker des österreichischen Stummfilms: Länglich als Wunderknabe (1921) stellt die leptosome Serienfigur Longinus Länglich (Karl Keitner) vor, deren äußere Anmutung und Bewegungskomik stark an Karl Valentin gemahnt. Fußballfreunde kommen mit der Francis-Figur in einem 12-Minüter von 1921 auf ihre Kosten, der mit dem schönem Archivtitel versehen ist: Meisterschaftsligakampf zwischen Fußballklub »Fliegengigerl« und Sportklub »Haudaneben«. Als heiteres Dokument der von archäologischen Funden befeuerten Ägyptenbegeisterung jener Zeit kann Tutankhamen (1923) gelten, in dem der aus Frankreich stammende Komiker Raymond Dandy (eigentlich Raymond Frau) seine Verwirrungs- und Verführungskünste vor in reizend viragierter Form wiedergegebener morgenländischer Kulisse ausüben darf.

Nicht alles, was man zu sehen bekommt, wird man heute noch unmittelbar lustig finden. Skurril und filmhistorisch aufschlußreich sind die hier gebotenen Wiederentdeckungen allemal, weisen sie doch auf eine sogar im südlichen Nachbarland munter florierende internationale Tradition der grotesken Stummfilmkomik hin, die, läßt man Karl Valentin einmal beiseite, beispielsweise dem deutschen Film jener Jahre nahezu vollständig abging.
© 2012, Schnitt Online

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