Drei Männer im Schnee

A 1955. R: Kurt Hoffmann. B: Erich Kästner. K: Richard Angst. S: Paula Dvorak. M: Sándor Slatinay. P: Ring-Film. D: Margarete Haagen, Richard Eybner, Nicole Heesters, Franz Muxeneder, Peter W. Staub, Claus Biederstaedt, Alma Seidler, Paul Dahlke u.a.
89 Min. Universum Film ab 3.12.10

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: Trailershow.

Der Bamberger Reiter

Von Carsten Tritt Im Gegensatz zum Film, der sich auf ein einziges, wenn auch sogar vom Autoren selber gesprochenes Vorwort beschränkt, hat der Roman derer sogar gleich zwei. Im ersten Vorwort sinniert Kästner über die Bedeutung des Millionärs in der heutigen Zeit, und läßt sich hierbei auch nicht dadurch aus der Ruhe bringen, daß dieses Heutige bei erscheinen des Buches ein ganz anderes war als 21 Jahre später anläßlich der Verfilmung. Im zweiten, nur dem Leser vorbehaltenen Vorwort erklärt er hingegen, wie er zu seiner Geschichte fand. Ein Geflügelhändler mit Gallensteinen hat sie ihm nämlich erzählt, auf einer sich ansonsten als nutzlos herausstellenden Reise nach Bamberg, die Erich Kästner mit seinem Freund Robert unternahm. Kästner weiß: »Eigene Einfälle sind so selten.« Und so beschließen die drei Männer im Zug, die Geschichte redlich unter einander zu teilen: Erich Kästner darf sie zu einem Roman verarbeiten, Robert mach daraus ein Theaterstück und dem Herrn mit den Gallensteinen bleibt gestattet, sie weiterhin auf Bahnreisen zu erzählen.

Dieses Vorwort – wie gesagt, es wird dem reinen Filmgucker leider verborgen bleiben, aber vielleicht findet sich ja auch für diesen die Gelegenheit, sich auch über das DVD-Einlegen hinaus mit Kästners Werken zu beschäftigen – also dieses Vorwort liefert auch eine Erklärung, warum die Buchverfilmungen von Kästner in der Regel besonders gelangen. Zumindest jene, an denen Kästner selbst mitgewirkt hat, und insbesondere jene, die er zusammen mit dem Regisseur Kurt Hoffmann gestaltete: Das fliegende Klassenzimmer (1954), Drei Männer im Schnee (1955), Salzburger Geschichten (1957); außerdem sei noch ihre Theaterverfilmung Liebe will gelernt sein (1963) erwähnt.

Kästner hat ein feines Gespür dafür, daß ein anderes Medium eine andere Herangehensweise an eine Geschichte verlangt. Zwar sind zahlreiche seiner Dialoge mit solch präziser Leichtigkeit geschrieben, daß es geradezu eine Sünde wäre, sie nicht auch wortgetreu ins Drehbuch zu überführen. Andererseits hat Kästner auch keine Scheu, einen Handlungsstrang brutal wegzuhacken und stattdessen mit feinem Geschick Neues zu konstruieren, wenn es gespielt nicht so funktioniert wie gelesen.

In der Tat erschien noch im selben Jahr wie der Roman Drei Männer im Schnee das dazugehörige Theaterstück, von Kästner mit dem Titel »Das lebenslängliche Kind« versehen und unter einem seiner Pseudonyme, Robert Neuner, veröffentlicht. Die ersten Verfilmungen folgten nur wenige Jahre später; die amerikanische Version Drei Männer im Paradies (1938) unter der Regie von Edward Buzzell dürfte wohl die Bekannteste sein, denn sie läuft in schöner Regelmäßigkeit in den dritten Programmen. Sie kann mit der Hoffmannschen Variante von 1955 allerdings nicht mithalten, denn den Figuren fehlt die sympathische Menschlichkeit, mit der sie in allen Kästner-Fassungen durch die Handlung treiben. Umso erstaunlicher ist, wie es nie gekünstelt wirkt wenn hier eine Geschichte um einen Millionär und einen arbeitslosen Akademiker, die augenscheinlich doch durch die Weltwirtschaftskrise inspiriert ist, ohne Verlust nicht nur ins Wirtschaftswunderland übertragen wird, sondern auch beim erneuten zu Gemüte führen weder in der Buch- noch in der Filmfassung bis heute an Reiz und vor allem Witz verloren hat.

Abschließend noch einige Worte zur auf DVD vorliegenden Fassung: Bild und Ton sind an sich ordentlich; zwar sind noch Reste von Laufstreifen und Verschmutzungen gelegentlich ersichtlich. Diese sind aber eher dezent und dürften, wenn man nicht gezielt hiernach sucht, kaum ins Auge fallen, und eigentlich ist es sogar gut, daß sie da sind, denn wenigstens hat man so den Film nicht zu Tode gefiltert, wie es gelegentlich auch schon mal vorkommt. Ein böser faux pas ist allerdings die Veröffentlichung im Format 1:1,33, obwohl der Film ganz offensichtlich Breitwand 1:1,67 gedreht wurde. Zwar ist die Veröffentlichung »Open Matte«, d. h. es fehlt rechts und links nichts an den Rändern. Dafür gibt es aber gelegentlich über den Köpfen viel Kronleuchter und unter den Füßen viel Teppich zu sehen. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Die von Richard Angst, immerhin einem der besten Kameramänner der Nachkriegszeit, gewählte Kadrierung findet nicht mehr statt. Besitzern moderner Breitbildfernsehgeräte sei empfohlen, durch Anwählen des 16:9-Formates Schadensminderung zu betreiben. 2011-05-11 09:40

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