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Jonah Hex

USA 2010. R: Jimmy Hayward. B: Mark Neveldine, Brian Taylor. K: Mitchell Amundsen. S: Kent Beyda, Daniel P. Hanley, Tom Lewis, Fernando Villena. M: Marco Beltrami, Mastodon. P: Warner Bros. Pictures, Legendary Pictures, Mad Chance, Weed Road Pictures u.a. D: Josh Brolin, John Malkovich, Megan Fox, Michael Fassbender, Will Arnett, John Gallagher Jr., Tom Wopat, Michael Shannon u.a.
78 Min. Warner ab 4.2.11

Sp: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: keine.

Häuslebaue

Von Frederik König Blöde Vergleiche führen manchmal zu den einfachsten Erkenntnissen. Beginnen wir also mit einem blöden Vergleich: Ein gelungener Film ist wie ein Haus: Wie bei einem Haus braucht auch ein Film zunächst einmal ein gutes Fundament, sprich ein Drehbuch mit ausgereifter Handlung, Figuren und Dialogen, und anschließend gute Trägerbalken oder Stahlträger, die die Wände, Decken und das Dach stützen. Fehlen einem Haus oder einem Film diese grundlegenden Eigenschaften einer gesunden Statik, dann helfen die allerschönsten Möbel nichts: Das Haus fällt in sich zusammen und begräbt unter sich all die Antiquitäten und auserlesenen Stücke, mit denen man den Pfusch am Bau zu retuschieren versucht hat.

In unserem Fall heißt das Haus Jonah Hex und sein Architekt Jimmy Hayward, der ehemals Animator bei Pixar war. Das Haus ist bis oben hin vollgestopft mit reichlich schönem Kleinod: Da wären John Malcovich als Oberbösewicht, Josh Brolin als titelgebender Held Jonah Hex, Michael Fassbender als fieser Handlanger und als absoluter Augenschmaus das Juwel unter den derzeitigen Sexbomben-Porzellan-Figürchen: Das zum Leben erwachte Super-Pin-Up Megan Fox! Und auch die Fassade des Ganzen glänzt auf den ersten Blick wie der Hintern vom Buckingham Palace: Jonah Hex ist eigentlich eine Comicfigur aus dem Hause DC-Comics. Er ist ein von den Toten zurückgekehrter Südstaaten-Colonel, der mit Rachegelüsten hinter dem Mörder seiner Familie her ist, der seinerseits die junge amerikanische post-Bürgerkriegsnation und ihren Frieden bedroht. Aus der persönlichen Rache Jonahs wird somit ein edleres amerikanisch-national-patriotistisches Motiv, das leider auch bis zum Schluß ungebrochen durchgezogen und abgehandelt wird…

Eigentlich hat dieser Film also alle Elemente, um eine wirklich schöne kleine Genrevariation im Hollywood-Action-Mantel abzuliefern. Natürlich hat Jonah Hex auf seinem bereits erwähnten Kurztrip in die Hölle ein paar Fertigkeiten mitgebracht, die einen zunächst noch Hoffnung schöpfen lassen, daß hier eventuell sogar dem Genre des Western über die Durchmischung mit Elementen des Horrors oder Fantasys endlich mal wieder eine Schönheitskur verpasst wird. Um bei den blöden Vergleichen zu bleiben: Das ganze könnte eine wunderschöne kleine Südstaatenvilla ergeben, die mit ihrer klassisch ausladenden Veranda dazu einlädt sich in die »Hollywood«-Schaukel zu betten und Jonah zuzugucken, wie er in den Sonnenuntergang reitet während er »I’m a poor lonesome cowboy, and a long way from home« singt.

Leider scheint Monsieur Hayward etwas Entscheidendes vergessen zu haben: Man baut erst das Haus, bevor man die Möbel kauft. Nicht andersherum. Denn ein Haus, das man um die Möbel herumbasteln muß, ist am Ende krumm und schief, fällt zusammen und bleibt ein teurer, wenn auch schöner Trümmerhaufen. Man backt ja schließlich auch erst eine Torte, bevor man den Stripper hineinsteckt und nicht andersherum. Sonst hat man am Ende die Schweinerei mit der Leiche. Aber kommen wir zurück zum Film: Ein klassischer Western würde die Hintergrundgeschichte von Jonah, das Motiv seiner Rache und die Gründe für seine übernatürlichen Kräfte erst Stück für Stück verraten, um über diese Offenbarung den Zuschauer, seine Neugierde und das Interesse an der Hauptfigur möglichst lange am Leben zu erhalten. In Jonah Hex wird dieses erzählerische Potential gleich zu Beginn in einer fünfminütigen Raffer mit Hilfe von schlechten Comicanimationen und Off-Erzählung verpulvert, so daß sich der Film für die restlichen achtzig Minuten der Aneinanderreihung von Action, Action und nochmals Action widmen kann. Da denkt man sich: Bei soviel Action muß die Hütte ja irgendwann zusammenbrechen, und das tut sie dann auch. Was bleibt ist eine Menge Action, die mit dem Genre Western nicht vielmehr gemein hat als die Colts und die Cowboyhüte. John Ford würde wahrscheinlich endlose Pirouetten des Zorns in seinem Sarg drehen, wüßte er von diesem grandiosen Pfusch am Bau. Man(n) wünscht sich nur das Porzellanpüppchen Megan Fox aus dieser Bruchbude retten zu können – aber das ist eine andere Geschichte. 2011-04-25 09:14

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