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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Scott Pilgrim vs. the World. USA 2010. R,B: Edgar Wright. B: Michael Bacall. K: Bill Pope. S: Jonathan Amos, Paul Machliss. M: Nigel Godrich. P: Big Talk Productions, Closed on Mondays Entertainment, Marc Platt Productions. D: Michael Cera, Mary Elizabeth Winstead, Kieran Culkin, Chris Evans, Anna Kendrick, Alison Pill, Brandon Routh, Gideon Graves u.a.
107 Min. Universal Pictures ab 24.2.11

Sp: Deutsch, Englisch, Türkisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Türkisch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Unveröffentlichte Szenen inklusive alternatives Ende, Scott Pilgrim vs. die Verpatzen Szenen, Wissenswertes: Filmkommentar mit Regisseur und Koautor u.a.

Der Siegeszug der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne

Von Heiko Martens Es ist eine der grundsätzlichen Thesen der Kulturpessimisten, daß die Fähigkeit, einem wie auch immer gearteten Text längere Zeit zu folgen, mit den sogenannten Neuen Medien rapide abnehme. Je nach Mentalität werden zu diesen Medien auch schon Kino und TV gezählt. Der Untergang des Abendlandes wird mit Comic und Videospiel dann endgültig eingeleitet. Himmel, was werden diese Menschen Scott Pilgrim hassen.

Die Realfilmadaption der Comicserie von Bryan Lee O’Malley unter der Regie von Edgar Wright wird den Befürchtungen vollends gerecht. Schon eine Zusammenfassung der Handlung deutet an, daß hier das große Drama des Erwachsenwerdens durch den Durchlauferhitzer der Popkultur gejagt wurde. Scott Pilgrim ist Bassist in einer Garagenrockband im kanadischen Toronto. Um mit seiner großen Liebe Ramona Flowers zusammenzukommen, muß Scott die sieben Bösen Exfreunde Ramonas besiegen, die alles daran setzen, das junge Glück zu zerstören. Zu Scotts neuen Feinden zählen von nun an ein durchgedrehter Bollywood-Inder, ein Skateboarder, ein veganer Rockstar, eine Lesbe, japanische Zwillinge und ein Musikmanager. Nacheinander muß er sie in fein übertrieben choreographierten Kämpfen zerlegen, um Ramona zu halten, aber auch, um sich für den Boss Fight zu wappnen, der am Ende des Prozesses stehen wird.

Auf diesem Weg werden Punkte gesammelt, die sich irgendwann zu einem Bonus-Leben addieren, und wer innerhalb des Countdowns kein Geld nachschmeißt, beendet das Spiel. Dabei wird nicht viel Zeit verloren und wer im Rausch der Geschichte nicht alles mitbekommt, dessen Gedächtnis wird mit eingeblendeten Schriftzügen und graphischem Witz auf die Sprünge geholfen. In kurzen Rückblenden wird der Comic-Vorlage O‘Malleys eins zu eins gehuldigt. Die Sequenzen verbinden sich mit dem Realfilm in stimmigem Fluß. Das liegt vor allem auch daran, daß mit Edgar Wright ein Regisseur die Zügel in den Händen hält, der die Gesetze visuellen Erzählens mit der Muttermilch aufgesogen zu haben scheint – vor allem die Szenenübergänge sind mitunter ein Zauber.

Die Figuren des Films gehören mehrheitlich der Generation 20+ an und leben Probleme aus, die man schon von einem jüngeren Cast präsentiert bekommen hat, angesichts einer zunehmenden Ausdehnung der Postadoleszenz aber auch schon von deutlich Älteren. Das Schauspielerensemble ist eine erfrischende Mischung aus Stars, vielleicht kommenden Stars und einigen, die relativ unbekannt sind und es vermutlich auch bleiben werden. Michael Cera in der Hauptrolle spielt (einmal wieder) den Unbeholfenen, lediglich aufgemöbelt durch ein paar akrobatische Kampfszenen. Der Figur des Scott wird kaum zusätzliche Tiefe zugestanden. Meist muß es schnell weitergehen. In der Rolle des Nerds wird Cera irgendwann nerven – hoffentlich schafft er den Absprung.

Wer sich von dem Beschriebenen nicht abgeschreckt fühlt, wird gut und erfrischend unterhalten. Wie es sich für einen Film mit einem Bassisten in der Hauptrolle gehört, fetzt auch der Soundtrack ordentlich. Frank Black, Broken Social Scene und Beck geben sich hier die Ehre, neben denen die Filmband Sex Bob-omb eindrucksvoll mithält. Der kürzeste Song des Soundtracks (»I’m so sad, so very, very sad«) dauert inklusive An- und Absage 13 Sekunden – das Sahnehäubchen für die Kulturpessimisten. 2011-03-25 09:45

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