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Der Geisterzug

D 1957. R,B: Rainer Wolffhardt. B: Helmut Pigge. K: Fritz Moser. M: Heinrich Feischner. P: Süddeutscher Rundfunk (SDR). D: Karl-Georg Saebisch, Kurt Haars, Otto Stern, Käthe Lindenberg, Günther Neutze, Hans-Walter Clasen, Isolde Bräuner, Manfred Böhm u.a.
60 Min. Pidax film ab 10.9.10

Sp: Deutsch (DD 1.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: keine.

De spooktrein

NL 1939. R: Karel Lamac. B: Kees Bruynse, Nico de Jong. M: Max Tak. K: Otto Heller, Bryan Langley. S: Jan Teunissen. P: Filmex. D: Jan Musch, Fien de la Mar, Louis Borel, Adolphe Engers, Cissy van Bennekom u.a.
70 Min. Nederlands Filmmuseum ab 1.1.07

Sp: Niederländisch (DD 1.0). Ut: keine. Bf: 1:1.33. Ex: Texttafeln zum Film (in Niederländisch).

Bovennatuurlijke krachten

Von Carsten Tritt Arnold Ridley dürfte heute allenfalls noch in seiner Heimat England bekannt sein, wo er ab 1968 neun Jahre lang in der Sitcom Dad’s Army mitspielte. Lange vorher wirkte er allerdings als Autor, vor allem sein 1923 uraufgeführtes Stück »The Ghost Train« war einige Zeit äußerst populär und wurde gleich etliche Male verfilmt: 1923 als Der Geisterzug von Géza von Bolváry, 1931 von Walter Forde, 1933 in Rumänien von Jean Mihail (Trenul fantoma) und mit dem gleichen Drehbuch in Ungarn von Lajos Lázár (Kísértetek vonata), 1934 von René Hervil als Un train dans la nuit, 1937 unter dem Originaltitel als BBC-Fernsehfassung und unter dem Titel Oh, Mr. Porter! als freie Kinoadaption von Marcel Varnel, 1939 als De spooktrein von Karel Lamac, 1941 ein zweites Mal von Walter Forde, 1957 und 1963 jeweils fürs deutsche Fernsehen als Der Geisterzug von Rainer Wolffhardt bzw. Dietrich Haugk, 1958 als Up the Creek von Val Guest (ein Remake von Oh, Mr. Porter!) und 1976 als Spøgelsestoget, von Bent Christensen. Seither, könnte man sagen, ist das Stück allerdings ein wenig in Vergessenheit geraten.

Zwei Fassungen sind als DVD erhältlich: Kürzlich erschienen ist die Fernsehadaption von Rainer Wolffhardt für den Süddeutschen Rundfunk, schon seit längerem ist in den Niederlanden als DVD des Nederlands Filmmuseum die Fassung von Karel Lamac erschienen, leider nur im niederländischen Original ohne Untertitel.

Die Wolffhardtsche Fassung ist dabei nicht herausragend, aber doch einigermaßen gelungen geworden, was allerdings mehr der Kamera von Fritz Moser und dem schönen Bühnenbild von Karl Wägele geschuldet scheint. Wolffhardt führt seine Schauspieler zu gemütlich und mit zu wenig Gespür für Timing, was leider die Wirkung als Gruselstück stark beeinträchtigt, und zudem auch keinerlei Suspense entstehen läßt, wenn der vermeintliche Geist des getöteten Bahnwärters Ben Isaac zu unmittelbar nach der ersten Erwähnung seines Namens gleich durchs Fenster hineinlugen muß. Moser zeigt sich in seiner Kamera deutlich experimentierfreudiger als sein Regisseur, spielt mit dem Bühnenbild und Kamerawinkeln und sucht stets, seine Bilder durch Wägeles Aufbauten und die Requisiten brechen zu lassen. Das Ergebnis ist visuell spannend, inhaltlich leider bieder und somit nur ein halbes Vergnügen.

Die 14 Jahre ältere Fassung hat daher die Zeit besser überlebt, und der Tscheche Karel Lamac, 1939 aus Deutschland zunächst in die Niederlande, später nach Frankreich und Großbritannien emigriert, gibt gleich von Anfang an Vollgas. Schon im Vorspann läßt er den titelgebenden Zug hinter brennenden Lettern Richtung Kamera rasen, wirft reißerische Schrifttitel auf die Leinwand um danach die Charaktere im Stile amerikanischer Serials in Einzelbildern mit jeweiligem Erklärungstext vorzustellen: »U denkt van U zelf misschien dat U niet aan GEESTEN gelooft? – Daaraan geloofden de passagiers van de SNELTREIN 429 eerst ook niet! Maar…… door de VERSCHRIKKELIJKE BELEVENISSEN in den nacht van 24 Juli was het geen wonder (…) De stationschef van Valkenrade zal U zeker in geesten doen gelooven, wanneer hij U vertelt: het verhaal van DE SPOOKTREIN«. Und auch im weiteren drosselt Lamac sein Tempo nicht, und steigert sich vor allem in der Exposition teilweise in absurde Komik: Wo etwa bei Wolffhardt in einer wesentlichen Szene nur ein Hut aus dem Zugfenster fliegt, streiten sich bei Lamac ein Raucher und eine Papageienbesitzerin über den gesundheitsschädlichen Einfluß von Tabakqualm auf Vögel, worauf zuerst die Zigarre und anschließend der Papagei aus dem Fester geworfen wird. Obwohl seine Figuren deutlich extrovertierter sind, ist der Spannungsaufbau präziser und geglückter, die Bilder werden expressionistischer, um den Film zum Schluß in einem immensen Gebrauch von Schusswaffen fast schon explodieren zu lassen. Wer hier der niederländischen Sprache nicht ausreichend mächtig ist, hat somit einen weiteren Grund, sich die deutsche Fernsehfassung anzuschauen, um sich somit anschließend umso mehr von Lamac Version packen zu lassen. 2011-01-31 13:08

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