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Documentaries 1962-2005 – Werner Herzog Dvd Edition II

Herakles (1962), Die beispiellose Verteidigung der Festung Deutschkreuz (1966), Letzte Worte (1967), Maßnahmen gegen Fanatiker (1969), Fata Morgana (1970), Land des Schweigens und der Dunkelheit (1971), Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner (1973), How Much Wood Would a Woodchuck Chuck (1976), La Soufrière (1977), Was ich bin, sind meine Filme (1978), Huie ́s Predigt (1980), God ́s Angry Man (1980), Gasherbrum – Der leuchtende Berg (1984), Ballade vom kleinen Soldaten (1984), Wodaabe - Hirten der Sonne (1989), Bis ans Ende… und dann noch weiter (1989), Echos aus einem düsteren Reich (1990), Lektionen in Fin- sternis (1992), Glocken aus der Tiefe (1993), Gesualdo - Tod für fünf Stimmen (1995), Little Dieter Needs to Fly (1997), Julianes Sturz in den Dschungel (1999), Rad der Zeit (2003), The White Diamond (2004), The Wild Blue Yonder (2005), Was ich bin, sind meine Filme – Teil 2 (2010)
1470 Min. Goethe Institut / Werner Herzog Film ab 4.10.10

Sp: Deutsch, Englisch u.a. (DD 2.0 Mono, DD 2.0 Stereo, DD Surround). Ut: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Chinesisch, Arabisch, Italienisch, Türkisch. Bf: 4:3 Vollbild, 1.78:1 anamorph. Ex: Dreisprachige Monographie »Ecstasy and Truth« (Deutsch, Englisch, Italienisch) von Grazia Paganelli, ca. 240 Seiten.
Zwei, die die Glocken aus der Tiefe hören (Werner Herzog, 1995; © Werner Herzog Film)

In Wahrheit – die Poesie

Von Werner Busch Was für einen Wert hat ein Dokumentarfilm über Aberglauben in Rußland, wenn einige der am eindrücklichsten gezeigten Formen von Aberglauben eine bloße Erfindung des Regisseurs sind? In Herzogs Glocken aus der Tiefe sehen wir zwei Pilger auf einem zugefrorenen See, die bäuchlings über die Fläche kriechen. Einer von ihnen liegt schließlich still, die Hände vor dem Gesicht gefaltet, wie in tiefer Trance scheint er den Glocken aus der Tiefe des Sees zu lauschen, in dem sich der Legende nach eine versunkene Stadt befinden soll. Tatsächlich waren diese Männer auf dem Eis keine Pilger, sondern zwei aufgelesene Betrunkene, die als Statisten eine Szene nachstellen, die sich in der Realität auf diesem See nie abgespielt haben dürfte. Der scheinbar in Trance befindliche Mann war lediglich eingeschlafen.

Herzog hat in seinen dokumentarischen Arbeiten nie ein reines Interesse an der bloßen Faktenlage. Er sucht eine tiefere Wahrheit hinter den Fakten, indem er die vorhandenen stark stilisiert oder sogar selbst herstellt. Erst Imagination führe zur Illumination, er nennt es die »ekstatische Wahrheit«, eine poetische Wahrheit. Ein Wetterbericht über einen Sturm in den Alpen 1802 ist faktisch wahr, aber erst ein Gedicht darüber, sagen wir von Hölderlin, ist wahrhaftig.

»Wahrheit entsteht nicht durch Fakten. Es gibt eine tiefere Schicht an Wahrheit, die nichts mehr mit dem rein Faktischen zu tun hat, sondern mit Imagination, mit kollektiven Träumen, auf das müssen wir hinarbeiten, wenn wir etwas machen wollen, das auf längere Zeit Bestand haben soll.« So formuliert es Herzog in dem exklusiv in dieser DVD-Kollektion befindlichen Interviewfilm Was ich bin, sind meine Filme – Teil 2 von Christian Weisenborn, der trotz der spürbaren Verbundenheit der beiden Filmemacher auch kritische Töne gegenüber Herzogs Wahrheitsfindungsmethode anschlägt. Im Vergleich zum ebenfalls enthaltenen ersten Teil des Films aus dem Jahr 1979 erleben wir einen deutlich gewandelten Herzog, der heute ungleich offener und freudvoller über seine Arbeit spricht und dabei die große Kunst der Anekdote wie kein zweiter beherrscht. Das dreisprachige, in der Box enthaltene Buch »Ecstasy and Truth« der Filmhistorikerin Grazia Paganelli gibt einen vertiefenden Einblick in die Materie.

Das Filmmaterial wurde neu remastered und mit nicht weniger als zehn Untertitelspuren versehen. Bemerkenswert ist die Auswahl, die in die dokumentarischen Arbeiten auch Herzogs Kurzfilme aufnimmt.

Die ausdrückliche Anwesenheit des Filmemachers, der mitunter selbst zur zentralen Figur neben oder in seinem Gegenstand wird, ist einer der weiteren besonderen Vorzüge der Filme und gleichzeitig auch ein schwerwiegender Kritikpunkt. Die betonte Art der subjektiven Gestaltung und Herangehensweise in Form und Inhalt machen schmerzhaft deutlich, daß Objektivität im dokumentarischen Film eine Illusion ist und das Verschleiern dieser Tatsache, die Herzog dem Cinéma Vérité attestiert, der eigentliche Betrug am Publikum ist. Und nicht der Statist auf dem Eis, der seinen Rausch ausschläft. Seine Poesie der Bilder findet Herzog dabei nicht nur im Extremen, etwa zusammen mit Reinhold Messner im Himalaya, sondern auch im Kleinen und Unscheinbaren, in sehr menschlichen und einfühlsamen Geschichten wie die der taubstummen Fini Straubinger in Land des Schweigens und der Dunkelheit. Oder in ungenutzten Archivaufnahmen einer Spaceshuttle-Mission, die Herzog zu einem wunderbar-versponnenen eigenen Film machte, der Science-Fiction-Doku The Wild Blue Yonder: »We thank NASA for its sense of poetry« heißt es im Abspann. 2011-02-02 10:09

Info

Die Box ist ausschließlich über die offizielle Seite des Regisseurs zu beziehen.

Abdruck

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