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Ein Wiedersehen mit Cary Grant

Ein Hauch von Nerz (USA 1962), Verdacht (USA 1941).
189 Min. Kinowelt ab 19.8.10

Sp: Deutsch (DD 1.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1, 2.35:1 anamorph. Ex: keine.

Ein Wiedersehen mit Marlon Brando

Desiree (USA 1954), Die Männer (USA 1950).
189 Min. Kinowelt ab 19.8.10

Sp: Deutsch (DD 1.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1, 2.55:1 anamorph. Ex: keine.

Ein Wiedersehen mit Kirk Douglas

Kennwort: Schweres Wasser (GB 1965), Stadt ohne Mitleid (USA 1960).
223 Min. Kinowelt ab 19.8.10

Sp: Deutsch (DD 1.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1, 2.55:1 anamorph. Ex: keine.

Manchmal kommen sie wieder

Von Gerd Naumann Die von Kinowelt veröffentlichte Edition »Ein Wiedersehen mit…« war bisher für deutsche Filmklassiker bekannt. Mit der aktuellen Staffel weitet sich das Angebot nun auch auf klassische Filme und Stars der Hollywoodära aus. Jede Edition besteht aus zwei Filmen, gepackt in ein Doppel-DVD-Set, das einem bestimmten Star zugeordnet ist.

Als Anmerkung sei hier gestattet, daß der Werbeslogan »Die DVD-Reihe für die besten Jahre« doch etwas lächerlich wirkt. Viele der in dieser Edition zusammengefaßten Filme sind auch noch Jahrzehnte nach ihrer Erstaufführung frischer als manche der heutigen Produktionen. Vor allem sind sie eines – zeitlos! Da die neue Reihe sich in Form und Aufmachung vor allem an ein »gediegeneres« Publikum wendet, paßt sich auch die Ausstattung diesem Anliegen an. Es fehlen sowohl Bonusmaterial (nicht einmal ein Trailer) wie auch der Originalton. Das ist unverzeihlich, da Erstauflagen der hier zusammengefaßten Filme diesen immer an Bord hatten, jedoch sind die Synchronfassungen durchweg hochwertig.

Ein Wiedersehen mit Cary Grant

Auch die Zusammenstellung der Titel weiß zu überzeugen. So finden sich auf »Ein Wiedersehen mit Cary Grant« gleich zwei Filmklassiker. Der bekanntere ist sicherlich Hitchcocks Verdacht. Der 1941 entstandene frühe Hollywoodfilm des britischen Suspense-Meisters ist eine Verfilmung der Buchvorlage von Francis Iles. Cary Grant spielt eine ambivalente Rolle, bei der bis zum Schluß unklar ist, ob er nun ein liebender Ehemann oder ein Verbrecher mit mörderischer Absicht ist. Als Suspicion fertiggestellt war, stieß der Film damals nicht auf Gegenliebe des Studios, das eigenmächtig eine radikal gekürzte Fassung erstellte, in der sämtliche Momente geschnitten wurden, die Publikumsliebling Grant einem »Verdacht« aussetzen könnten. Hitchcock intervenierte zwar und konnte seine Fassung weitestgehend wieder herstellen, doch war er mit dem »neuen« Ende nie zufrieden. Was bleibt ist trotzdem ein Meisterwerk des Spannungskinos, das allein von einem immer vorhanden Gefühl der Bedrohung lebt. Zu Recht erhielt die Hauptdarstellerin Joan Fontaine den Oscar für ihre Spielleistung.

Der zweite Film dieser Edition ist die lockere Doris Day Komödie Ein Hauch von Nerz, in der Cary Grant einen Industriemagnaten spielt. Dieser kommt auf abenteuerlichem Wege, angefangen mit einem verdreckten Regenmantel, mit der arbeitssuchenden Sekretärin Cathy zusammen. Die von Doris Day gespielte Dame ist, wie so viele Ihrer Rollen, eine charmante bis freche Frau, die das Talent hat, turbulente Situationen geradezu anzuziehen. Neben Rock Hudson war Cary Grant einer der beliebtesten Spielpartner von Doris Day, was sich immer wieder in den Einspielergebnissen zeigte. Der 1962 entstandene Ein Hauch von Nerz war einer der erfolgreichsten Grant Filme überhaupt.

Alles in allem ist diese Ausgabe von »Ein Wiedersehen mit…« empfehlenswert. Wer auf den englischen Originalton verzichten kann, der erhält hier zu einem sehr günstigen Preis gleich zwei Filmklassiker.

Ein Wiedersehen mit Marlon Brando

Die Ausgabe »Ein Wiedersehen mit Marlon Brando« beinhaltet zwei heutzutage weniger bekannte Filme des Schauspieltitanen. Beide stammen aus dem Anfang der 1950er Jahre und haben aus verschiedenen Gründen filmhistorischen Wert. Brandos Darstellung des jungen Napoleon im 1954 aufgeführten Historienfilm Desirée sorgte für Kontroversen. Während die einen der Überzeugung waren, der Darsteller würde sich aus der Rolle einen Spaß machen, hielten die anderen seine Leistung für außerordentlich. In der Tat läßt sich darüber auch heute noch streiten. In manchen Szenen wirkt Brando nahezu wie die Parodie eines Feldherren, in anderen wiederum gelingt ihm eine brillante Darstellung eines machtbesessenen Despoten. An seiner Seite spielt Jean Simmons, die die Rolle der titelgebenden Désirée Clary übernimmt. Der auf dem Buch von Annemarie Selinko basierende Film bietet insgesamt Unterhaltung auf hohem Niveau.

Fred Zinnemanns Die Männer ist der zweite Film dieser Edition. Für einen 1950 gedrehten Film ist die Geschichte sehr gewagt. Es geht um den jungen Soldaten Bud Wilozek, der vor dem Krieg sportlich sehr aktiv war. Während des Weltkriegs verletzt und nun im Rollstuhl sitzend, muß er sich damit abfinden, daß seine Träume und Wünsche der Vergangenheit angehören. Der im Lazarett liegende Wilozek schottet sich ab und sorgt für Eklats. In Gestalt der jungen Ellen, die sich in ihn verliebt, taucht ein Hoffnungsschimmer auf, aber er ist zu verbittert, um sich darauf einzulassen. Die Männer ist das Leinwanddebüt Brandos, das sofort für Aufsehen sorgte. Leider fiel der Start des Films mit dem Beginn des Korea-Kriegs zusammen, was dem Einspielergebnis nicht zuträglich war.

»Ein Wiedersehen mit Marlon Brando« ist eine schöne Zusammenstellung zweier sehr früher Brando-Filme. Gerade in Die Männer ist das kraftvolle, körperbetonte Spiel des Darstellers bereits zu sehen. Wenn auch der Originalton nicht dabei ist, so ist die Edition doch eine sinnvolle Anschaffung für jeden Filmliebhaber und Brando-Fan.

Ein Wiedersehen mit Kirk Douglas

In »Ein Wiedersehen mit Kirk Douglas« sind die Filme Kennwort: Schweres Wasser und Stadt ohne Mitleid. Die amerikanisch-britische Koproduktion Kennwort: Schweres Wasser, entstanden 1965, basiert auf einer wahren Geschichte aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Kirk Douglas agiert in der Rolle des Osloer Wissenschaftlers Dr. Rolf Pedersen, der gemeinsam mit Major Straud, einprägsam gespielt von Richard Harris, die Produktion von schwerem Wasserstoff der Deutschen sabotiert. Damit verhindern sie den Bau einer deutschen Atombombe. Der vorletzte Film des Hollywood-Veteranen Anthony Mann ist durchweg spannend und aufwendig inszeniert, wenn er es auch manchmal mit der historischen Exaktheit nicht allzu genau nimmt.

Die amerikanisch-schweizerisch-deutsche Koproduktion Stadt ohne Mitleid ist da wiederum um ein vielfaches kontroverser. Der 1961 von Gottfried Reinhardt inszenierte Film ist zweifellos ein filmhistorisch bisher chronisch unterschätztes Werk. Handlungszeit ist das von den Alliierten besetzte Deutschland der Nachkriegsjahre. Vier betrunkene amerikanische GIs überfallen die Tochter des Bürgermeisters und vergehen sich an ihr. Die Militärpolizei nimmt sich des Falls an, wobei hier auch die Bestrafung durch den Tod im Raum steht. Allerdings verweigert das Mädchen die Aussage, entgegen dem Beharren ihrer Eltern. Der Staatsanwalt Steve Garrett, gespielt von Kirk Douglas, versucht daraufhin im Gerichtsprozeß die Glaubwürdigkeit des Mädchens zu erschüttern. Dieses begeht daraufhin Selbstmord, was den Tätern die Verurteilung erspart. Was Stadt ohne Mitleid zu etwas Besonderem macht ist die vielschichtige Charakter- und Motivationszeichnung. Während der Anwalt Garrett zwar einerseits die Todesstrafe entschieden ablehnt, nimmt er andererseits die psychische Zerstörung des Opfers in Kauf. Darüber hinaus ist der Film auch ein zeitgeschichtliches Dokument der Lebensumstände im Nachkriegsdeutschland.

Die Edition »Ein Wiedersehen mit Kirk Douglas« besteht aus einem reißerischem Kriegsthriller und einem aufwühlenden Gerichtsdrama. Wer auf Extras verzichten kann, der kann hier zugreifen. 2010-11-26 09:54

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