— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

When in Rome – Fünf Männer sind vier zuviel

When in Rome. USA 2010. R: Mark Steven Johnson. B: David Diamond, David Weissman. K: John Bailey. S: Ryan Folsey, Andrew Marcus. M: Christopher Young. P: Touchstone Pictures, Krasnoff Foster Productions. D: Kristen Bell, Josh Duhamel, Danny DeVito, Jon Heder, Dax Shepard, Will Arnett, Don Johnson, Anjelica Huston, Alexis Dziena u.a.
87 Min. Touchstone ab 14.10.10

Sp: Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch (DD 5.1) u.a. Ut: Deutsch, Englisch, Estnisch, Hebräisch u.a. Bf: 2,35:1 anamorph. Ex: Verpatzte Szenen, Entfallene Szenen, 2 Musikvideos.

Kleingeld oder Liebe

Von Nils Bothmann Disneyfilme werden oft zu Unrecht als fiese Konfektionsware abgetan, die übelste Klischees bedient, keinem wehtun will, auf simpelsten Humor setzt und bei der die omnipräsente Riege lustiger Nebenfiguren andauernd singt und tanzt. Natürlich ist das faktisch falsch, aber Werke wie der von Disney nun verliehene When in Rome sind dazu geeignet derartige Vorurteile zu schüren.

Beth ist Kuratorin, erfolgreich im Job und vernachlässigt dafür ihr Privatleben. Im Museum stehen ihr gleich drei verspulte Nebenfigurspacken zur Seite, deren Hauptaufgabe es ist, möglichst viel falsch zu machen, damit genug Konfliktstoff für gerade mal 87 Minuten Film da ist. Ihr Arbeitseifer hat Beth bereits den Freund gekostet, denn sie ist quasi mit ihrer Arbeit verheiratet – was das Drehbuch sie auch noch einmal expressis verbis sagen läßt, falls die ganz besonders Begriffsstutzigen im Publikum das noch nicht so schnell kapiert haben. Bei der Hochzeit ihrer kleinen Schwester in Rom lernt sie smarten Trauzeugen Nick kennen, der scheint jedoch Gefühle für eine andere zu haben, also klettert Beth angetrunken in jenen Brunnen, in den Leute Münzen werfen, um sich Glück in der Liebe zu wünschen. Als Beth trotzig fünf davon klaut, hat Amor, das Schicksal oder eine andere höhere Macht, die Faxen dicke und hetzt ihr die nun in sie verliebten Münzwerfer auf den Hals.

Da es sich dabei fast ausnahmslos um Volldeppen handelt und die Drehbuchautoren David Diamond und David Weissman es wohl für die Krone zeitgenössischen Humors hielten, wenn Leute in Gruben fallen, sich den Kopf stoßen oder Grünzeug zwischen den Zähnen hängen haben, beginnt eine Peinlichkeitsorgie, die man wohlwollend als Slapstick bezeichnen könnte, würden Regie und Schnitt irgendein Gespür für Timing mitbringen, doch When in Rome ist zielsicher an beinahe jedweder Pointe vorbeiinszeniert. Einzig und allein Jon Heder als verpeilter Straßenmagier (inklusive Gastauftritt seines Napoleon Dynamite-Kumpels Pedro) ist da noch für den einen oder anderen ansatzweise brauchbaren Gag zu haben. Nebenher bedient der Film haltlos jedes Klischee: Die Italiener haben alle nur Amore im Kopf und fahren lächerlich kleine Autos, Models sind eingebildete Vollidioten und bei der Autofahrt durch Rom kommt man natürlich nur an Sehenswürdigkeiten vorbei.

Durch die Bank weg werden mehr oder minder talentierte Darsteller verheizt, gerade die Riege der liebeskranken Verehrer (unter anderem Danny DeVito in einer peinlichen Rolle) wird auf Wegwerfgags reduziert. Den Hauptdarstellern ergeht es kaum besser: Kristen Bell war in Veronica Mars wunderbar und Josh Duhamel beim Ausknipsen fieser Autobots in den Transformers-Filmen recht sympathisch, hier müssen sie hölzern aalglatte Scherenschnittfiguren verkörpern. Anjelica Huston in der Hätschelvariante von Meryl Streeps Der Teufel trägt Prada-Rolle kommt gar nicht zur Geltung, Don Johnson bewahrt in seiner Gastrolle noch am ehesten Würde. Am Ende des Films fallen sich Beth und Nick dann natürlich in die Arme, natürlich aufgrund von wahrer Liebe und nicht eines faulen Zaubers wegen, und den Abspann untermalt eine fröhliche Tanzeinlage. Und natürlich waren die freakigen Verzauberten dann im Endeffekt doch echt okay, was Beth jedem von ihnen in einer widerlich pathetischen Rede noch mal genau erläutern mußte, man will ja bloß keinen vor den Kopf stoßen. Wer angesichts von viel klebrig-süßem Edelkitsch noch keinen Zuckerschock erhalten hat, der ist dann nur froh, daß die Riege der ach so lustigen Nebenfiguren wenigstens das Singen unterlassen hat. 2010-11-12 09:55

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap