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Patrik 1,5

S 2008. R,B: Ella Lemhagen. K: Marek Wieser. S: Thomas Lagerman. M: Fredrik Emilson. P: Filmlance International AB. D: Gustaf Skarsgård, Torkel Petersson, Thomas Ljungman, Annika Hallin, Amanda Davin, Jacob Ericksson, Anette Sevreus, Mirja Burlin u.a.
97 Min. Salzgeber ab 4.10.10

Sp: Schwedisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: keine.

Tippfehler mit Folgen

Von Jens Dehn Göran und Sven sind neu in dem schwedischen Vorort. Die Reihenhaussiedlung, in die die beiden ziehen, ist so sauber und adrett wie aus einem Buch von Astrid Lindgren. Die Nachbarn sind höflich und zuvorkommend. Zum vollkommenen Glück fehlt den beiden nur noch ein Kind. Was die Natur nicht vorgesehen hat, soll der Staat richten: Göran und Sven stellen einen Antrag auf Adoption. Schon bald erhalten sie per Einschreiben die frohe Botschaft, daß der eineinhalbjährige Patrik ihre Familie komplettieren wird. Das Kinderzimmer ist bereits eingerichtet, das Wiegenbett aufgebaut, da folgt die Ernüchterung auf den Fuß: Patrik ist nicht 1,5 Jahre alt, sondern 15. Außerdem schwer erziehbar, gewalttätig und homophob.

Natürlich sind die Verwicklungen, die sich fortan aus dem Tippfehler ergeben, frühzeitig abzusehen und nicht sonderlich überraschend, doch das stört nicht weiter. Mit Patrik 1,5, das wird schon in den ersten fünf Minuten des Films offensichtlich, will Regisseurin Ella Lemhagen gute Laune verbreiten. Die Farbgebung ist so bunt und satt wie in einem Technicolor-Musical aus den 1950ern, die Figuren – vor allem der von Gustaf Skarsgård gespielte Göran – so toffelig-sympathisch, daß man keiner von ihnen etwas Schlechtes gönnt. Patrik 1,5 gehört zu der Sorte Film, die man mögen will und für die man auch bereit ist, über die eine oder andere Unzulänglichkeit hinwegzusehen. So werden Konflikte und aufkeimende Schwulenfeindlichkeit in Nebenhandlungen zwar angerissen, lösen sich letztlich aber in Wohlgefallen auf. Geschenkt.

Unter anderer Intention hätte aus einem Film über Schwulenehe und ein schwererziehbares Heimkind auch ein gedankenschwangeres Sozialdrama werden können. Ella Lemhagen macht daraus eine leichte, aber nie alberne Komödie, bei der die Patchworkfamilie genau das bekommt, was man ihr wünscht: ein Happy End. Patrik 1,5 war Publikumsliebling auf mehreren schwullesbischen Filmfesten. Man kann verstehen, warum. 2010-10-20 13:01

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