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Lila, Lila

D 2009. R: Alain Gsponer B: Alexander Buresch. K:  Matthias Fleischer. S: Barbara Gies. M: Max Richter. P: Film1, Falcom Investment AG. D: Daniel Brühl, Hannah Herzsprung, Henry Hübchen, Kirsten Block, Alexander Khuon, Godehard Giese, Stefan Ruppe, Henriette Müller u.a.
108 Min. Warner Home Video ab 27.8.10

Sp: Deutsch (DD 5.1). Ut: Deutsch (für Hörgeschädigte). Bf: 1.78:1. Ex: Interviews, Kino-Trailer, Making Of, Music Video, TV Spot.

Sie steht auf Schriftsteller

Von Christian Simon Zu einer guten Parodie braucht es oft nicht mehr, als das Offensichtliche festzuhalten. Manchmal aber reicht das nicht. Alain Gsponers Lila, Lila ist so ein Fall. Möglicherweise liegt das daran, daß sich der Film auf die Aussage beschränkt, im Literaturbetrieb gehe es immer nur um das liebe Geld und den Menschen, die diese Branche bevölkern, lediglich um den eigenen Vorteil. Jaja, die Welt ist böse. Die Geschichte, die auf Martin Suters gleichnamigem Bestseller basiert, macht es sich dadurch selbst nicht leicht. Wie soll man diesen David mögen, der sich für den Autor eines Liebesromans ausgibt, nur um einer Frau zu gefallen? Wie soll man diese Marie mögen, die David erst wahrnimmt, als er ein guter Autor ist? Wie soll man eine Beziehung schützen wollen, die damit steht und fällt, daß der Mann gut schreiben kann? Und was bitte soll man von einem Protagonisten halten, der sich seine erlesene Traumfrau genau so wünscht? Es ist fast unmöglich, diesen Figuren – und seien sie noch so wohlwollend gespielt von Daniel Brühl und Hannah Herzsprung – empathische Gefühle entgegenzubringen.

Das Dilemma des Films entspringt zudem einem Widerspruch im Selbstverständnis. Die Erzählung bedient sich, auch dank der stereotypen Charakterisierung ihrer Helden, der Sprache der klassischen Parodie. Die Charakterschablonen errichten ein Kartenhaus aus witzigen Figuren und Witzfiguren, das nur darauf wartet, zum entlarvenden Einsturz gebracht zu werden. Der Handlungsverlauf jedoch, der mit dem Auftauchen von Henry Hübchen als wahrem Autor von Davids Liebesroman an Fahrt aufnimmt, möchte in eine andere Richtung. Unterstützt von der zur Hauptfigur gehörenden Off-Stimme, die reineren Herzens nicht sein könnte, singt Lila, Lila immer deutlicher ein Lied von der wahren Liebe, doch mit Beteiligten, die dem nicht entsprechen wollen. Schließlich werden die Liebenden, die unwissend sich selbst und einander betrügen, aus der Parodie in eine windschiefe romantische Komödie zu überführen versucht, was nicht nur am Widerspruch der Genres scheitert.

Dabei stirbt der Film in Schönheit, wenigstens ein bißchen. Regisseur Gsponer packt viel Belangloses in sehenswerte Einstellungen, in denen auch das Set-Design, das in Anlehnung an die fünfziger Jahre auf die Handlungszeit des bejubelten Liebesromans anspielt, zu gefallen weiß. Das sieht solide aus, scheint durchaus überlegt und vernünftig arrangiert. Am Bild scheitert es nicht. Doch was nützt die ansprechende Form, wenn der Inhalt über die eigenen Füße stolpert. Lila, Lila bemüht sich, Klischees der Liebe und der Schreiberei zu enttarnen, und bedient sich an diesen im Verlauf dann ohne jedes Augenzwinkern selbst. So wirklich überzeugend wirken letztlich weder die parodistischen Aspekte, noch die der romantischen Komödie. Der Eindruck der Formelhaftigkeit wird auch durch die farblosen PR-Interviews im Rahmen der DVD-Extras nicht gerade ins Gegenteil korrigiert. Am Ende riecht es nach publikumsverträglicher Schonkost, nach sentimentaler Versöhnlichkeit und – das ist wohl das Traurigste – nach Liebe um der Konvention Willen. Denn, jaja, auch die Filmwelt ist böse. 2010-09-13 11:31

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