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Nostalghia

I 1983. R,B: Andrej Tarkowski. B: Tonino Guerra. K: Giuseppe Lanci. S: Erminia Marani, Amedeo Salfa. P: Opera Film Produzione. D: Milena Vukotic, Livio Galassi, Rate Furlan, Raffaele Di Mario, Patrizia Terreno, Laura De Marchi, Piero Vida, Elena Magoia u.a.
120 Min. Al!ve ab 30.4.10

Sp: Deutsch, Italienisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.66:1 anamorph. Ex: Dokumentarfilm Meeting Andrei Tarkovsky von Dmitry Trakovsky.

Tarkowskijs Vermächtnis

Von Gerd Naumann Der 1983 entstandene Nostalghia ist vielleicht der persönlichste Film Andrej Tarkowskijs. Der russische Regisseur hatte in seiner Heimat einen schweren Stand. Obwohl seine Filme im Ausland große Beachtung fanden, wurden sie in Rußland nur widerwillig veröffentlicht. Jedem seiner Filme gingen zudem zähe Behördenkämpfe um ein angemessenes Budget voraus. Nostalghia entstand daher in Italien. Tarkowskij kehrte nach Abschluß der Dreharbeiten nie wieder nach Rußland zurück.

Die Parallelen von Film und Biographie sind erstaunlich. In Nostalghia geht es um den russischen Schriftsteller Andrej Gortschakow, der in Italien nach Informationen über einen Komponisten sucht. Die Annäherungen der ihn begleitenden Dolmetscherin lehnt er ab. Ohnehin belastet Gortschakow die lähmende Erinnerung an seine Heimat Rußland, der er sich nicht entziehen kann.

Für Tarkowskij war die »Nostalghia« eine »lebensgefährliche Krankheit«. Für diese aber fand der Regisseur poetische Bilder, die durch eine beinahe märchenhafte Farbgebung noch unwirklicher scheinen. Zurecht wurde ihm dafür in Cannes der Preis für die beste Regie zugesprochen. Allerdings ist Nostalghia auch ein Film, der, wie jeder Tarkowskij, die Ruhe als Erzählform zum Stilprinzip macht. Tarkowskij blieben nach seiner Emigration nicht mehr viele Lebensjahre. Mit dem in Schweden entstandenen Opfer drehte er nur noch einen Film. Das macht den autobiographischen Nostalghia zu einem Vermächtnis. Der Regisseur vermerkte nach erstmaliger Sichtung des Filmmaterials, daß ihn die Dunkelheit der Bilder überrascht habe. Insofern übertrug sich der seelische Zustand des Filmemachers unmittelbar auf die Ästhetik seiner Arbeit.

Der selten gezeigte Film liegt nun in einer würdigen DVD-Veröffentlichung vor. Hervorgehoben werden muß hier die exzellente Synchronfassung, die für den damaligen Kinoeinsatz entstand. Auf der DVD findet sich weiterhin die neunzigminütige Dokumentation Meeting Andrei Tarkovsky, in der unter anderem auch der Schauspieler Erland Josephson zu Wort kommt. 2010-09-10 12:36

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