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Schulmädchen – Season 1

D 2003. R: Axel Sand, Christian Ditter, Christian Pötschke. B: Bora Dagtekin, Moritz Netenjakob, Tobias Saalfeld, Christian Pötschke. K: Valentin Kurz, Axel Sand, Dieter Goerke. S: Andreas Althoff, Cornelie Strecker, Anja Feikes. P: Hoffmann & Voges. D: Birthe Wolter, Simone Hanselmann, Laura Osswald, Saskia de Lando, Marie Rönnebeck, Arzu Bazman, Thomas Limpinsel, Constantin Gastmann u.a.
195 Min. Universum ab 25.4.05

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: Deutsch für Hörgeschädigte. Bf: 1.33:1. Ex: Audiokommentar bei allen Episoden mit den vier Hauptdarstellerinnen, dem Regisseur und dem Drehbuchautor, Bilder Galerie.

Schulmädchen – Season 2

D 2005. R: Axel Sand, Christian Ditter, Christian Pötschke. B: Bora Dagtekin, Moritz Netenjakob, Tobias Saalfeld, Christian Pötschke. K: Valentin Kurz, Axel Sand, Dieter Goerke. S: Andreas Althoff, Cornelie Strecker, Anja Feikes. P: Hoffmann & Voges. D: Birthe Wolter, Simone Hanselmann, Laura Osswald, Saskia de Lando, Marie Rönnebeck, Arzu Bazman, Thomas Limpinsel, Constantin Gastmann u.a.
200 Min. Universum ab 24.4.06

Sp: Deutsch (DD 2.0/DS). Ut: keine. Bf: 1.33:1. Ex: Audiokommentar, Exklusiv-Interviews mit den Schauspielerinnen, Themensong »Hook me up«.

»Was Eltern nicht für möglich halten«

Von Carsten Tritt Nachdem die beiden DVD-Boxen zu Schulmädchen, eine kurzlebige Fernsehserie, die man grob als American Pie aus weiblicher Sicht charakterisieren könnte, nun als Neuauflage für das Niedrigpreissegment erschienen sind, wird es langsam einmal Zeit für ein paar klarstellende Worte. Denn kaum eine Serie hat vom Feuilleton anläßlich ihrer Erstausstrahlung soviel Häme abbekommen wie diese Produktion für RTL. Beispielhaft sei auf den links verlinkten Interviewbeitrag der Süddeutschen verwiesen, der freilich mehr über den Zustand der deutschen Fernsehkritik aussagt als über die eigentliche Serie.

Der Hauptvorwurf war seinerzeit, daß Schulmädchen keinen realistischen Blick auf die Probleme der heutigen Schülergeneration bietet – und es ist nicht zu leugnen, daß dieser Vorwurf trifft, übrigens genauso, wie sich die Die nackte Kanone-Filme sagen lassen müssen, daß sie ein völlig verfälschtes Bild des Polizeialltags in Los Angeles wiedergeben.

Nun kann man tatsächlich einige Kritikpunkte finden, etwa, daß fast jedes mal derselbe Establishing Shot für das fiktive Franz-Josef-Strauß-Gymnasium zu München verwendet wurde, offenbar, weil man sich den dort stets parkenden Ferrari nur für einen Drehtag leisten konnte, oder auch, daß der offenbar enge Drehplan den ein oder anderen bösen Beleuchtungs-faux-pas verschuldet hat. Allerdings beeinträchtigt sowas nicht ernsthaft den Seriengenuß, und lenkt auch nicht davon ab, daß Schulmädchen eine der bestgeschriebensten Serien der letzten Jahre ist.

Neben dem Headautor der ersten Staffel Mathias Dinter dürfte hierfür vor allem Bora Dagtekin, wesentlicher Autor der ersten und Headautor der zweiten Staffel verantwortlich sein. Dagtekin ist inzwischen auch allgemein als hervorragender Serienschreiber anerkannt, seit seinem Kritikererfolg mit Türkisch für Anfänger, einer ebenfalls ordentlichen, aber etwas gemächlicheren Serie, die im Gegensatz zu Schulmädchen freilich das Gütesiegel öffentlich-rechtlich festgestellter gesellschaftlicher Relevanz tragen darf.

Die Folgen der RTL-Serie beinhalten dabei regelmäßig, wie es seit einigen Jahren für Sitcoms üblich ist, einen A- und B-Plot, wobei die Bücher allerdings im Gegensatz zur amerikanischen Konkurrenz nie den Eindruck erwecken, der B-Plot sei nur Nothilfe, um auf die ausreichende Laufzeit zu kommen. Die Bücher sind dermaßen dicht und erzeugen ein solches Tempo, daß es in den anderen Formaten wohl gleich für zwei Folgen ausgereicht hätte. Hinzu kommen großartig geschriebene Dialoge, die, wenn man davon absieht, daß gelegentlich tatsächlich schlimme Wörter wie »Ficken« oder »Penis« verwendet werden, mit ihrem konstant intelligentem Witz in bester Screwball-Tradition stehen.

Wesentlich zu nennen sind freilich auch die hervorragenden Hauptdarstellerinnen, allesamt damals Mitte Zwanzig, die übrigens konsequent darauf verzichten, auch nur den Anschein zu erwecken, ernsthaft Teenager darstellen zu wollen. Neben Simone Hanselmann, die mit ihrer Verkörperung einer Heile-Welt-Hölle im Stile von I Love Lucy die Folge »Geiz ist geil« zum Komischsten macht, was seit langem in deutschen Fernsehserien zu sehen war, ist hier vor allen Birthe Wolter zu nennen. Schien Wolter noch im ausgesprochen lustlos inszenierten und gegenüber der eigentlichen Serie deutlich abfallenden Pilotfilm (hinter dem dort verwendeten Regisseurspseudonym »Alan Smithee« soll, so behauptet die IMDb, Martin Walz stecken) fast fehlbesetzt, gewinnt sie bereits ab der ersten Staffel ein fantastisches komödiantisches Gespür und Timing, durch welches sie nicht nur jede eigene Pointe nochmals optimiert, sondern ebenso grandios agiert, wenn es darum geht, als Stichwortgeberin ihre Mitspielerinnen in Szene zu setzen. Die von ihr verkörperte Hauptfigur Laura agiert dabei regelmäßig geradezu bescheuert und bleibt dennoch konsequent ein äußerst sympathischer und funktionierender Charakter.

Die Protagonistinnen des Franz-Josef-Strauß-Gymnasiums leben dabei allesamt stets in einer satirisch verzerrten Scheinwelt, in der ausschließlich der eigene gesellschaftliche Status und ein tief verinnerlichter Hedonismus Triebfeder des Handelns der erstaunlich lernresistenten Schülerinnen ist. Herrlich ist hier zum Beispiel der Schluß der allerletzten Folge »Sexdiät«, die auf ein stilvoll-charmantes Ende hinläuft, nur um plötzlich im infantilsten aller möglichen Gags zu enden. Gleichzeitig ist es dann beachtlich, wie vor allem in der gegenüber der ersten noch einmal besseren zweiten Staffel gelegentlich doch die »gesellschaftliche Relevanz« Einzug in die Serienfiktionalität hält, etwa in der Folge »Schulmutti« eine überforderte Mitschülerin mit Kleinkind. Dies gelingt Dagtekin und Regisseur Christian Ditter völlig unaufdringlich, ohne billige Witze, und wird trotz der Ernsthaftigkeit völlig in den Unterhaltungscharakter ihrer Comedyhandlung integriert. Es ist nicht zuletzt eine solche Widersprüchlichkeit, mit der Schulmädchen ein seltener Glücksgriff des hiesigen Fernsehens bleibt. 2010-09-06 12:08

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