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Battle in Seattle

USA 2007. R,B: Stuart Townsend. K: Barry Ackroyd. S: Fernando Villena. M: Robert Del Naja, Neil Davidge. P: Insight Film & Paradiem Pictures, Hyde Park Prods. D: Martin Henderson, Charlize Theron, Ray Liotta, Michelle Rodriguez, Woody Harrelson, Jennifer Carpenter, Channing Tatum, Connie Nielsen u.a.
95 Min. KSM ab 12.7.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Trailer, Bildergalerie.

Zwischen den Fronten

Von Carsten Happe In der Historie der Auseinandersetzungen zwischen der Staatsmacht und demonstrierenden Aktivisten nimmt der sogenannte »Battle in Seattle« lediglich eine marginale Position ein. Jeder 1. Mai in Kreuzberg ist schlimmer. Die Protestaktivitäten anläßlich der dritten Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der Welthandelsorganisation WTO Ende 1999 in Seattle hatten allerdings eine immense mediale Aufmerksamkeit zufolge, die einerseits in einem beachtlichen Zulauf der Globalisierungsgegner resultierte, und auf der anderen Seite bedingte, daß ähnlich gelagerte zukünftige Treffen wie etwa der G8-Gipfel oftmals in vermeintlich unzugänglicherem Gelände stattfinden.

Sich dieses Themas anzunehmen, noch dazu als Sujet seines Regiedebüts, nötigt einem schon grundsätzlich Respekt für den irischen Schauspieler Stuart Townsend ab. Obendrein verfaßte er auch das Drehbuch zu diesem Ensemble-Drama, das aus verschiedenen Perspektiven die Ereignisse zwischen dem 29. November und 2. Dezember 1999 in Seattle nachzuzeichnen versucht. Indem Townsend sowohl den Demonstranten als auch der Polizei ein Gesicht gibt, indem er hinter die Kulissen der Organisatoren in der Stadtverwaltung und der Bericht erstattenden Medien blickt, bemüht er sich um ein möglichst differenziertes, umfassendes Bild. Dennoch wird unmißverständlich deutlich, wem seine Sympathien gelten, aber das ist im Rahmen seiner Inszenierung durchaus nachvollziehbar und legitim, mehr noch, es stellt die Geschehnisse in einen größeren Kontext und leistet Aufklärungsarbeit, ohne jemals in Demagogie zu verfallen.

Mit seinem krisenerprobten Kameramann Barry Ackroyd, der für die meisten Ken Loach-Filme und zuletzt Kathryn Bigelows The Hurt Locker verantwortlich zeichnete, gelingt Townsend eine unaufgeregte und geschickt verwobene Chronologie der Ereignisse, die natürlich mancherorts dramaturgisch überhöht wird – schließlich ist es keine Dokumentation, wenngleich dokumentarisches Material nahtlos eingeflochten wird – sich jedoch nie zu aufgesetzten Sentimentalitäten oder hysterischen Aussetzern hinreißen läßt. Insbesondere Ray Liottas vielschichtiges Portrait des Bürgermeisters, der im Angesicht der eskalierenden Lage seine Sicherheitsstrategie in Frage stellen muß, verdient besondere Beachtung für den weithin unterschätzten Darsteller – und spiegelt, nebenbei bemerkt, in einigen Momenten gewisse Aspekte der Loveparade-Katastrophe in Duisburg wider.

Leider hat die DVD außer des Trailers und einer Bildergalerie keine Extras zu bieten – gerade bei dem komplexen Hintergrund des Themas wäre weiteres Material durchaus wünschenswert gewesen. Der Film allerdings vermag auch für sich alleine zu sprechen. 2010-08-23 12:53

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