— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Schande

Disgrace. AUS/ZA 2008. R: Steve Jacobs. B: Anna Maria Monticelli. K: Steve Arnold. S: Alexandre Franceschi. M: Anthony Partos, Graeme Koehne. P: Disgrace Pay Ltd. D: John Malkovich, Natalie Becker, Antoinette Engel, Antonio Fisher, Isabella De Villiers, Cindy Mkaza, Liezel De Kock, Charles Tertiens u.a.
114 Min. Al!ive ab 26.3.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Trailer, Interviews, Behind the Scenes, B-roll (insges. ca. 56 Min.).

Wohlüberlegte Zurückhaltung

Von Gerd Naumann Es ist erstaunlich, daß die Verfilmung des weltweiten Buchbestsellers Schande im Kino etwas unterging. Dabei wird Steve Jacobs Adaption des Bestellers von J.M. Coetzee dem Buch nicht nur gerecht, sondern überzeugt durch ihre von der literarischen Vorlage losgelöste filmische Eigenständigkeit. Jacobs findet für das Buch des Nobelpreisträgers beeindruckende Bilder, die noch lange im Gedächtnis haften bleiben.

Südafrika kurz nach dem Ende der Apartheid: Der Literaturdozent David Lurie wird wegen der Beziehung zu einer Studentin entlassen. Daraufhin sucht er Zuflucht bei seiner Tochter Lucy, die eine abgelegene Farm auf dem Land bewirtschaftet. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist dabei aus verschiedenen Gründen nicht das Beste, zu unterschiedlich sind sie in ihrem Charakter und ihrer Weltanschauung. Beide werden mehr und mehr Zeuge der sich verändernden gesellschaftlichen Situation. Der allgegenwärtigen Bedrohung fällt letztendlich auch Lucy zum Opfer. Das tragische Schicksal seiner Tochter stellt Lurie vor eine moralische Zerreißprobe. Lucy sucht dahingegen Versöhnung in einer Welt, die auf Haß zwischen den Ethnien abzielt.

Schande ist ein bewegender Film, der eine tiefe moralische Botschaft transportiert. Dabei ist die dezente, in ruhigen Bildern gehaltene Inszenierung ein wahrer Segen für das Verständnis der emotional aufwühlenden Geschichte. Während weniger versierte Regisseure der großen Geste den Vorzug gegeben hätten, übt Steve Jacobs wohlüberlegte Zurückhaltung. Er vertraut ganz auf das Spiel der Darsteller John Malkovich und Jessica Haines. Gerade Malkovich überzeugt in der zweischneidigen Rolle des amourösen Dozenten und des innerlich zerrissenen Vaters. Ohne Zweifel bietet der Mime in Schande eine der besten darstellerischen Leistungen seiner Karriere. Auch das wird dazu beigetragen haben, daß der Film 2008 den »International Critics Award« auf dem »Toronto Film Festival« gewonnen hat.

Die nun über Alamode erschienene gelungene DVD bietet Gelegenheit, sich dem aufwühlenden Film zu nähern. Die Interviews geben dazu einen guten Einblick in die Herangehensweise der Filmemacher und Darsteller. 2010-08-20 10:31

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap