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Black Dynamite

USA 2009. R,B: Scott Sanders. B: Michael Jai White, Byron Minns. K: Shawn Maurer. S,M: Adrian Younge. P: ARS Nova, Destination Films u.a. D: Michael Jai White, Arsenio Hall, Tommy Davidson, Miguel A. Nunez Jr., Kevin Chapman u.a.
90 Min. Universum Film ab 2.7.10

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, Making of, Deleted Scenes, Featurettes.

Can you dig it?

Von Nils Bothmann Anfang der 1970er boomte das Genre des Blaxploitationfilms und lief sich innerhalb weniger Jahre tot, doch Filme wie Shaft, Superfly oder Dolemite wurden zu Kultobjekten. In liebevoller Verehrung und Verhohnepiepelung dieser teilweise oft recht kruden und trashigen Ausdrücke schwarzen Selbstbewußtseins, stemmte Kampfsport-As und B-Actionstar Michael Jai White als Drehbuchautor und Hauptdarsteller sein Herzensprojekt Black Dynamite, dem zwar eine größere Kinoauswertung verwehrt bliebt, das aber auf Festivals zum Erfolg wurde – unter anderem gewann der Film auf dem Seattle Film Festival den Golden Space Needle Award.

Es ist die Fachkenntnis des Genres, die White und sein Regisseur Scott Sanders dem Projekt haben angedeihen lassen, welche Black Dynamite so vergnüglich macht, der Blick für die Details. Die hier exzessiv benutzte Phrase »Can you dig it?« fiel schon im Blaxploitationfilm der 1970er häufiger, der »schwarze« Martial Arts Film wurde vor allem von Jim Kelly salonfähig gemacht, dessen Black Belt Jones sicher zu den Hauptinspirationen von Black Dynamite zählt. Der Gaga-Plot um eine Verschwörung, der auch der Bruder von Titelfigur Black Dynamite zum Opfer fällt, ist auch nur geringfügig absurder als der von Genrekuriositäten wie Three the Hard Way. Doch vor allem auf filmtechnischer Ebene bemerkt man die Hommage an die oft billig zusammengeschusterten Originale: Hoffnungslos schlechte Rückprojektionen, unvorteilhaft gewählte Bildkadrierungen, plötzliche Unschärfen, unmotivierte Zooms und exzessiv ins Bild hängende Mikros bietet die Palette der gewollten Produktionsmängel – der körnige Retro-Look des Ganzen ist Ehrensache. Im Gegensatz zu manchem Vorbildfilm waren bei den Kampfszenen hier echte Könner am Werke, neben Michael Jai White unter anderem Roger Yuan, Jeff Pruitt und Simon Rhee. Jedoch selbst hier vergißt Black Dynamite seine parodistische Intention nicht, nimmt das Kampfgeschrei diverser Martial Arts Filme ebenso auf die Schippe wie schlecht getrickste Filmverwundungen.

Gerade mal 80 Minuten dauert die respektlose Parodie und die Kürze ist ihre Stärke, denn gegen Ende machen sich leichte Abnutzungserscheinungen bemerkbar, doch Black Dynamite endet, bevor er zu ermüden beginnt. Originalton ist beim Genuß natürlich Pflicht, aber den bietet die DVD von Universum, ebenso wie erstklassiges Bonusmaterial. 2010-07-02 15:07

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #59.

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