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Halloween II

USA 2009. R,B: Rob Zombie. K: Brandon Trost. S: Glenn Garland, Joel T. Pashby. M: Tyler Bates. P: Dimension Films, Spectacle Entertainment Group, Trancas International Films. D: Sheri Moon Zombie, Chase Wright Vanek, Scout Taylor-Compton, Brad Dourif, Caroline Williams, Malcolm McDowell, Tyler Mane, Dayton Callie u.a.
111 Min. Sunfilm ab 12.3.10

Sp: Deutsch (dts, DD 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Deleted Scenes, Outtakes, Coffins Stand up Routines, Premieren Footage, Interview Rob Zombie, Audiokommentar Rob Zombie u.a.

Ein Mythos in Trümmern

Von Gerd Naumann Neuauflagen von Filmklassikern haben gemeinhin mit dem Vorurteil zu kämpfen, sie seien gegenüber dem Original minderwertiger. Angesichts einer wahren Wiederverfilmungsflut legendärer Horrorfilme in den letzten Jahren, scheint sich dieses Vorurteil zu bestätigen. Kaum ein Remake, daß das Original aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängen konnte, zumal verschiedene Versuche künstlerisch bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt waren. So auch Rob Zombies 2007 in den Kinos gelaufene Neuinterpretation von John Carpenters Meilenstein Halloween.

Groß war die Enttäuschung unter Genrefans. Während Carpenter 1978 auf subtilen Schrecken vertraute, bearbeitete der Rockmusiker Rob Zombie fröhlich die filmische Blutwurst. Während Carpenter seine Figuren liebte, allen voran den einfühlsam von Donald Pleasence gespielten Dr. Sam Loomis, verkamen die Darsteller bei Zombie zu Karikaturen ihrer selbst. Die psychologische Ungenauigkeit, bisweilen fahrlässige Beliebigkeit in Zombies Charakterzeichnungen ist auch im Nachfolgeremake Halloween II das größte Manko. Während dem Regisseur die Zeichnung der männlichen Darsteller gelungen ist, ist sie ihm bei den Darstellerinnen völlig entglitten. Vorweg: Brad Dourif liefert als alleinerziehender Sheriff eine erstaunliche und sehr glaubwürdige schauspielerische Leistung. Warum dieser so liebevolle Vater allerdings eine regelrechte Furie als Tochter haben mußte, das kann wohl nur der Regisseur und Drehbuchautor beantworten. Auch die Darstellung der weiblichen Hauptrolle vermag nicht zu überzeugen. Rob Zombies Laurie Strode ist eine ständig fluchende, »head-bangende« Rockerbraut mit einer atemberaubenden Schimpfwörterfrequenz pro Minute.

In Zombies Kunstwelt sind Frauen allesamt verrohte Klischeebilder, während die Männer sich von ihnen permanent beschimpfen lassen müssen. Es mag sein, daß es in verschiedenen Milieus solche Konversationen gibt, doch will sich beim besten Willen keine Identifikation mit den Figuren einstellen. Mehr noch: Weil Zombie die Schauspielführung nicht beherrscht, verkommt der Schrecken zum Treppenwitz. Deswegen wirken die wenigen brutalen Momente umso abstumpfender. Auch, und das ist das schwerwiegendste, scheitert der Regisseur am wesentlichen Kern eines Genrefilms – er erzeugt durch die Inszenierung keine Spannung. Es dominieren einfallslose Nah- und Halbtotalaufnahmen ohne Esprit, es wabern die Kunstnebel einzig zu dem Zweck, ein schönes Bild zu komponieren. Schöne Bilder allein aber haben noch kaum einen spannenden Film gemacht. Zudem beherrscht Zombie nicht im geringsten den sinnvollen Einsatz von Sounddesign und Filmmusik.

Der Film rauscht seine fast zweistündige Spielzeit am Zuschauer vorbei, ohne daß sich emotionale Anteilnahme am Geschehen aufbaut. Ein Großteil der oft beschworenen Gewalthaltigkeit des Remakenachfolgers ist somit nicht auf die graphische Darstellung von Michael Myers' Tötungen zurückzuführen. Zombies nachlässige Inszenierung fordert die emotionale Teilnahmslosigkeit der Zuschauer geradezu heraus. Dieser Eindruck wird im hierzulande veröffentlichen »Director's Cut« etwas gemildert. Michael Myers wird hier ein esoterisch verquaster Anstrich, inklusive alberner Traumsequenzen, gegeben. Wenn am Ende Myers sogar die berühmte Maske fallen läßt und darunter ein bärtiger Eremit zum Vorschein kommt, dann hat Zombie den Mythos einer der großen langlebigen Horrorserien zertrümmert. In diesem Zusammenhang wirkt der süßliche Abspannsong »Love hurts« fast schon wieder passend…

Dennoch wird der Film seine Zuschauer finden, vor allem auch wegen der zugkräftigen Marke Halloween. Daß der neueste Aufguß meilenweit von der subtilen Sprengkraft entfernt ist, mit der Altmeister John Carpenter einst das Genre revolutionierte, schmerzt. Es wirft kein allzu gutes Licht auf das gegenwärtige Genrekino, das leider viel zu sehr auf schnelle Schnitte und grelle Effekte setzt. Im Zweifelsfall aber sollte sich jeder selber ein Bild machen. Die Doppel-DVD-Special-Edition von »Sunfilm« ist hervorragend produziert. Die Bonusmaterialien eignen sich ideal, um einen Zugang zum Gedankenkosmos von Rob Zombie zu finden. Neben Interviews und Produktionsvideos finden sich zahlreiche Outtakes und gelöschte Szenen. 2010-06-22 15:11

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