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Greta

According to Greta. USA 2009. R: Nancy Bardawil. B: Michael Gilvary. K: Michael Lohmann. S: Michelle Botticelli. P: Greta Productions, Rafter H Entertainment, Whitewater Films. D: Hilary Duff, Ellen Burstyn, Melissa Leo, Evan Ross, Michael Murphy, Tsianina Joelson, Oren Skoog, Maury Ginsberg u.a.
88 Min. Al!ve ab 12.3.10

Sp: Englisch, Deutsch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1:2,35 anamorph. Ex: Entfallene Szenen, Making of, Alternatives Ende, Trailer.

Abgründe ohne Abgrund

Von Carsten Happe Als zu Beginn der ansonsten so famosen Serie Dawson's Creek der von Michelle Williams dargestellte neue Charakter eingeführt wurde, die ach so verdorbene Jen aus New York, die so viel gesehen und erlebt haben soll, dachten wir alle: Ja klar, träumt weiter, das Mädel ist sechzehn, vielleicht nicht unbedingt die Unschuld vom Lande, aber sonst? Eine ziemlich ähnliche Figur verkörpert Hilary Duff in und als Greta – von der überforderten und mit dem neuen Lover ausgelasteten Mutter für den Sommer zu den Großeltern in ein Ostküstenkaff geschickt, ein sarkastisches und irgendwie abgründiges Mädchen, schließlich listet sie präferierte Selbstmordarten in ihrem Tagebuch auf. Sie ist genervt von sich selbst, der Situation und der Welt im Allgemeinen, ein typisch pubertierender Teenager halt. The Duffster spielt das rotzig herunter, aber immer wieder gewinnt das Süße, Niedliche, Kleinmädchenhafte an ihr die Oberhand, das sie zum Disney-Star machte.

Die Figur Greta erhält durch diese nicht intendierten Brüche und Widersprüchlichkeiten weit mehr Kontur, als ihr das schematische Drehbuch zugestehen mag – es bleibt allerdings das Einzige an diesem weitgehend routinierten Selbstfindungsdrama, was besonders bemerkenswert wäre. Ellen Burstyn und Michael Murphy legen ihre Großeltern-Rollen mit der üblichen Mischung aus Kratzbürstig- und Liebenswürdigkeit an, die sachte Romanze mit einem vorbestraften, aber geläuterten Aushilfskoch plätschert ohne großes Feuer vor sich hin, und zum Ende gibt es ein familientherapeutisch entscheidendes Wiedersehen mit der egomanischen Mutter, das völlig hilflos inszeniert wurde und der im Vorjahr für Frozen River oscarnominierten Melissa Leo einen hysterischen Tiefpunkt ihrer Schauspielkarriere beschert. In bester Degeto-Manier lösen sich alle welteinstürzenden Probleme nach 88 Minuten in Wohlgefallen auf, die Selbstmordliste wird als jugendliche Verwirrtheit abgehakt und im Meer versenkt.

Für die nicht untalentierte Hilary Duff ist Greta in darstellerischer Hinsicht durchaus ein Schritt nach vorne, die alten Lizzie McGuire-Fans lockt sie damit allerdings kaum hervor, die allzu schlichte Geschichte erobert wohl wenig Neue. Aber keine Bange, für ein fünftes Standbein scheint gesorgt: Nach zahlreichen Alben und Singles, Modelaufträgen, Mode- und Parfüm-Kollektionen stellte sie jüngst ihren ersten Roman vor. Was ehemalige Kinderstars eben alles machen, um im Geschäft zu bleiben… 2010-05-18 10:22

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