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Breaking Bad – Season 2

USA 2009. R: Bryan Cranston, Charles Haid, Terry McDonough u.a. B: Vince Gilligan u.a. K: Michael Slovis. S: Skip MacDonald, Lynne Willingham u.a. M: Dave Porter. P: Albuquerque Studios. D: Bryan Cranston, Anna Gunn, Aaron Paul, Dean Norris, Betsy Brandt, RJ Mitte u.a.
590 Min. Sony Pictures ab 25.2.2010

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Türkisch u.a. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Interviews, Entfallene Szenen, diverse Featurettes, Galerien, Bloopers, u.a.
Breaking Bad – moralischer Seiltanz mit hohem Erzähltempo

Dr. Heisenberg & Mr. White

Von Sebastian Gosmann Sieben Jahre lang gab Bryan Cranston in der US-Sitcom Malcolm in the middle den kauzigen Familienvater Hal und hat damit sein komödiantisches Talent unter Beweis gestellt. In der famosen Dramaserie Breaking Bad kann Cranston nun endlich zeigen, was noch so in ihm steckt. Kongenial verkörpert er den biederen Walter White, einen klugen Kopf mit akademischer Vergangenheit, dessen berechtigte Hoffnungen auf den Nobelpreis sich zerschlugen, als ein ruhmsüchtiger Forscherkollege die Früchte seines Erfolges erntete.

Heute fristet Walter sein Dasein als schlecht bezahlter Chemielehrer an einer High School in Albuquerque. Die Diagnose Lungenkrebs markiert den Auftakt zu einer unfaßbar schmutzigen Gangstergeschichte. Wenn Walter das traute Heim verläßt, streift er seine bürgerliche Existenz ab und fährt mit einem zum Drogenlabor umfunktionierten Wohnmobil weit hinaus in die Wüste, um das reinste Crystal Meth in ganz New Mexico herzustellen. Der Todgeweihte verwendet sämtliche ihm verbliebenen Kräfte, um seiner Familie nach seinem Ableben eine schuldenfreie Existenz zu ermöglichen. Walter muß also schnell an viel Geld kommen. Und das unbemerkt von Familie, Freunden und natürlich der Polizei. Das Ziel ist gesteckt, die Zeit knapp – und das Erzähltempo dementsprechend hoch. In jeder einzelnen Folge scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen. Ständig fragt man sich: »Kann es noch schlimmer kommen?« Und die Antwort lautet jedes Mal wieder: »Ja, es kann.«

Die der Serie zugrunde liegende Dramaturgie erinnert stark an die Filme der Coen-Brüder, mit dem Unterschied, daß bei ihnen das Elend schon nach maximal zwei Stunden sein – wenn auch zumeist blutiges – Ende findet. Daß selbst nach zwei Staffeln Breaking Bad jeder noch so unvorhersehbaren Wendung, jeder noch so haarsträubenden Begebenheit die notwendige Glaubwürdigkeit innewohnt, ist erstaunlich. Dies mag in erster Linie mit den ausnahmslos sorgfältig ausgearbeiteten Figuren zu erklären sein. Zudem sorgt die realitätsnahe, nicht selten zutiefst anrührende Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder für eine gewisse Erdung des Geschehens.

Daß Walter in eigentlich ausweglosen Situationen gerne mal mit einer auf chemischen Prozessen und Reaktionen beruhenden Lösung aufzutrumpfen weiß, gehört zum Konzept der Serie. In seinen Händen wird totes Wissen zur tödlichen Waffe. Dieser Umstand wird auch dramaturgisch geschickt genutzt, denn auf diese Weise verschafft sich der blitzgescheite Lehrer letztlich – ganz nebenbei – den nötigen Respekt innerhalb der Drogenszene. Bald spricht man nur noch vom ebenso mysteriösen wie unberechenbaren »Heisenberg«. Doch auf die Gedankenlosigkeit und Pflichtvergessenheit von Walters unfreiwilligem Partner, Meth-Head Jesse Pinkman, ist immer Verlaß. Und eben diese Eigenschaften können beim Experimentieren mit ätzenden Säuren und anderen ungesunden Substanzen schnell zu unwiderruflichem Unheil führen.

Breaking Bad ist ein einziger moralischer Seiltanz, nicht nur für Walter. Kann sein selbstloser Plan die Verbreitung einer derart üblen Droge rechtfertigen? Dies ist die vergleichsweise harmlose Ausgangsfrage, die im Laufe der ersten beiden Staffeln regelmäßig neu formuliert wird, und vom Betrachter immer wieder aufs neue beantwortet werden muß. Eine Aufgabe, die sich mit fortschreitender Laufzeit zunehmend schwierig gestaltet. In der zweiten Staffel ist vom anfangs so präsenten rabenschwarzen Humor irgendwann nicht mehr allzu viel zu spüren. Der Ton wird rauher, Maß und Intensität der dargestellten Gewalt nehmen noch einmal zu. Zum Lachen ist das alles nicht mehr. Und trotzdem verliert die Serie nichts von ihrer Sogwirkung.

Ob das Finale von Breaking Bad schlußendlich ähnlich gewaltsam ausfällt wie etwa jenes von Fargo, bleibt abzuwarten. Derzeit läuft die dritte Staffel auf dem US-Kabelsender AMC, wie viele es insgesamt geben wird, ist noch nicht entschieden. Bis die dreizehn neuen Folgen hierzulande auf DVD erhältlich sein werden, bleibt also noch genügend Zeit, sich mittels der bereits erschienenen zwanzig Folgen der ersten beiden Staffeln von den Qualitäten dieser einmaligen Serie zu überzeugen. 2010-05-13 09:47

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