— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Geißel des Fleisches

A 1965. R,B: Eddy Saller. K: Hanns König, Edgar Osterberg. S: Helga Zeiner. M: Gerhard Heinz. P: Commerz Film. D: Herbert Fux, Hermann Laforet, Hans Obonya, Peter Janisch, Josef Loibl, Thomas Hörbiger, Hans Baldauf, Johannes Ferigo u.a.
81 Min. Donau Film ab 23.10.09

Sp: Deutsch (DD 1.0). Bf: 1.33:1. Ex: Interviews.

Schamlos

A 1968. R,B: Eddy Saller. B: Theodor Ottawa, Karl Hans Koizar, E. Neumayr. K: Walter Partsch. M: Gerhard Heinz. S: Dagmar Koschu. P: Commerz Film. D: Thomas Astor, Gino Baldini, Rolf Eden, Richard Kowalski, Herbert Kersten, Udo Kier, Vladimir Medar, Marina Paal, Joe Palt u.a.
74 Min. Donau Film ab 23.10.09

Sp: Deutsch (DD 1.0). Bf: 1.33:1. Ex: Interviews.

Schmieriger Gruß an die Moral

Von Gerd Naumann Der österreichische Regisseur Eddy Saller legte mit Schamlos und Geißel des Fleisches zwei für die Popkultur der 1960er Jahre typischen Werke vor. Dank des Labels Donau Film sind beide Filme nach weit über vier Jahrzehnten neu aufgelegt worden. Gedreht in schmissigem Schwarz-Weiß wirken Sallers Arbeiten auch heute noch erstaunlich frisch und unverbraucht.

Schamlos deckt die ganze Bandbreite der in den Sechzigern als provokant empfundenen Themen ab – halbstarke und kriminelle Jugendliche, sexuell offenherzige Studentinnen, Drogenmißbrauch, homosexuelle Schauspieler und zwielichtige Etablissements in denen freizügige Mädels zu Beatmusik tanzen. Aus diesen Zutaten mixt Saller einen sehr unterhaltsamen, sich im Grunde nie zu ernst nehmenden Zeitgeistfilm. Vor allem ist es ein Film, dessen Figuren derart überzeichnet sind, daß ihnen alles zuzutrauen ist. Die Darsteller, allen voran Udo Kier und der Nachtclubinhaber Rolf Eden, geben dem wilden Treiben angemessene schauspielerische Ernsthaftigkeit. Der Zuschauer muß sich auf rasante Szenenwechsel und wilde Handlungssprünge einstellen. Eine kongeniale Entsprechung findet der Film in der beatlastigen Musik von Gerhard Heinz.

Herbert Fux wiederum spielt die Hauptrolle in Geißel des Fleisches. Er gibt den Frauenmörder Alexander Jablonsky, dem vor einem Gericht der Prozeß gemacht wird. In Rückblenden erzählt Eddy Saller nun, wie es zur Verhaftung kam. Schlußendlich dingfest gemacht wird Jablonsky infolge einer verdeckten Ermittlung der Polizei, die ihren Anfang in einem Nachtclub nimmt, in dem der heruntergekommene Künstler als Barpianist auftritt. Wiederum untermalt von einer Musik von Gerhard Heinz, diesmal bewußt jazzig gehalten, gerät der Film zu einer herrlichen Kolportage moralischer Werte und Entrüstungen der frühen 1960er Jahre. Wunderbar schmierig ist das alles anzusehen. Vor allem bereitet es eine diebische Freude, Herbert Fux in einer großen Rolle zu sehen, die ihm wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint.

Beide DVDs sind einzeln erhältlich und besitzen identisches Zusatzmaterial. Neben dem obligatorischen Trailer findet sich eine umfangreiche Dokumentation, in der unter anderem Regisseur Saller und Darsteller Herbert Fux zu Wort kommen. Schön ist auch die Bildqualität, die von der gefühlten Authentizität der alten Kinorollen sehr profitiert. Als Fazit bleibt die Erkenntnis, daß der österreichische Film der 1960er Jahre es gelegentlich faustdick hinter den Ohren hatte, dabei aber am Puls der Zeit blieb und somit filmgeschichtlich hochinteressant ist. 2010-04-15 13:26

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap