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Nur Wolken bewegen die Sterne

Bare skyer beveger stjernene. N 1998. R,B: Torun Lian. K: Svein Krøvel. S: Trygve Hagen. M: Jørn Christensen. P: Filmkameratene A/S, Norsk Film. D: Andrine Saether, Jorgen Langhelle, Bjorn Jenseg, Kari Simonsen, Eindride Eidsvold, Anneke von der Lippe, Jan Tore Kristoffersen, Helge Jordal u.a.
93 Min. absolut Medien ab 9.10.09

Sp: Deutsch, Norwegisch (DD 2.0). Bf: 2.35:1. Ex: Booklet, Trailer.

Wo Wasser ist, wird Leben sein

Von Gerrit Booms Das übliche »Ja, Ja« und »Nein, Nein« ist der Ausgangspunkt dieser einfühlsamen skandinavischen Geschichte. Nach dem Tod ihres kleinen Bruders gerät für die 11-jährige Maria das komplette Leben ins Wanken. Die Trauer ihrer Eltern, die unbeholfenen Nachfragen ihrer Schulkameraden, das kurzweilige Verständnis der entfernten Bekannten – alles kommt für Maria zu plötzlich, zu unerwartet, als daß sie ihre wahren Gefühle zeigen könnte. Sie fühlt sich ungeliebt, ausgetrocknet und abgeschoben. Bei ihren Großeltern soll sie in den Ferien auf andere Gedanken kommen, würde jene aber am liebsten vergrämt in einer trockenen Nische im Treppenhaus verbringen. Immer tiefer verkriecht sie sich in sich selbst, zweifelt an Gott und verbittert gegenüber ihrem Umfeld. Mädchen haben es im Leben einfach schwerer als Jungs, sind weniger wert. Doch dann sitzt da plötzlich Lockenkopf Jakob. Der schenkt ihr pinke Kaugummis, springt in jeden noch so kalten Springbrunnen und provoziert sie so lange, bis die beiden sprichwörtlich mit den Köpfen aneinander schlagen. Vor allem aber findet er die Welt echt schön. Stück für Stück lässt sich Maria auf dieses Gedankenexperiment ein. Vielleicht muss man ja einfach nur mal gehörig den Kopf unter Wasser tauchen…

Torun Lian hat ihr eigenes Kinderbuch verfilmt und dabei sehr genau auf die Perspektive geachtet. Die kleine Maria ist hier nicht nur die Protagonistin, der man folgt. Lian setzt auf einen empathischen Aspekt, der weiter geht, als man es gewohnt ist. Maria ist in diesem Film vielmehr die Position, die man selbst einnimmt. Der innere Monolog wird ganz behutsam von der Figur auf den Zuschauer transponiert. So wird jedes noch so kleine Lächeln zu einer Art Selbstdispens. Wie einfach das Leben sein könnte, wenn es darin nur Kinder gäbe! Diese Perspektive ist gekoppelt an eine stringente, klassische Erzählstruktur. Der inhaltlich wichtigen Wasser- und Himmelthematik weiß Torun Lian warme, wohlige Farben entgegenzusetzen: ein mit Melancholie überzogenes Sommerende. Die verschiedenen Gradstufen der Einsamkeit beschreibt sie mit beeindruckend poetischen Bildern, die ihre Hauptdarsteller Thea Sofie Rusten und Jan Tore Kristoffersen voll und ganz zu füllen wissen. Zwei absolute Entdeckungen!

Insgesamt beweist die Autorin und Regisseurin mit der Übersetzung ihres erfolgreichen Kinderbuchs in diesen sehenswerten Kinofilm eindrucksvoll ihre vielseitige Begabung. Durch ihr sensibles Handwerk wird Nur die Wolken bewegen die Sterne, wie jeder gute Kinderfilm, zu einer Parabel für Jung und Alt, zu einer kleinen, aber feinen Perle, die es sich lohnt, vom Meeresgrund zu holen. Die DVD verzichtet auf Bonusmaterial, dafür ist jedem ein Blick ins Booklet zu empfehlen. Darin klären die jungen Journalisten der Berlinale die wichtigen, inhaltlichen Fragen des Films: Melancholie, Traumdeutung, Trauerhilfe. 2010-03-25 13:00

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