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Possession

F/D 1981. R,B,M: Andrzej Zulawski.
K: Bruno Nuytten. S: Marie-Sophie Dubus, Suzanne Lang-Willar. P: Marianne Productions. D: Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Johanna Hofer, Carl Duering, Shaun Lawton, Michael Hogben u.a.
119 Min. Bildstörung (Al!ve) ab 6.11.09

Sp: Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.66:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, Interviews, Booklet.

Zulawski in Berlin

Von Gerd Naumann Warum es Andrzej Zulawskis 1981 entstandenes Schlüsselwerk Possession bis zu dieser DVD-Edition nicht zu einer offiziellen Veröffentlichung in Deutschland geschafft hat, wird wohl auf ewig ein Rätsel der Verleihgötter bleiben. Im Gesamtschaffen des Regisseurs nimmt der Film eine besondere Stellung ein, da er verschiedene autobiographische Züge trägt. Nicht nur ist dieser Film ein künstlerischer Neubeginn, nachdem Zulawski die kommunistisch-geistige Enge seines Heimatlandes Polen verlassen hatte. Vor allem ist Possession auch eine mutige, weil radikale Auseinandersetzung mit seiner kurz davor gescheiterten Ehe. Dabei ist der Film viel mehr als das, denn er vereint Beziehungs-, Horror- und Science-Fictionelemente zu einem wilden, nicht minder harmonischen Ganzen.

Insofern kann Possession durchaus als einer der künstlerisch bedeutungsvollsten Meriten der 1980er Jahre gewertet werden. Umso wichtiger ist es, daß dieser Film immer und immer wieder neu entdeckt wird, da er von seiner emotionalen Wucht auch fast dreißig Jahre später nichts eingebüßt hat. Zulawskis Film ist ein Lehrstück unabhängiger europäischer Filmkunst und Filmsprache, die heute nur allzu gern zugunsten mainstreamorientierter Erzählformen vernachlässigt wird. Daß es im Kino und in der Kunst aber auch Erzählformen gibt, die sich nicht zwangsläufig an einer Filmhochschule vermitteln lassen, die nicht unbedingt die breitest mögliche Masse befriedigen sollen, das ist eine unbestreitbare Tatsache. Wer sich noch immer den Sinn für das Ungewöhnliche und die Lust am Schauen, die Lust am scheinbar Bizarren bewahrt hat, der wird von Possession mitten ins Herz getroffen. Für diese Zuschauer kann er nicht nur eine ästhetische Bereicherung sein, denn im besten Falle ist er eine wahre Offenbarung.

Das intensive Spiel des Filmpaares Isabelle Adjani und Sam Neill bringt die Leinwand zum Beben und gewinnt nochmals durch den besonderen Drehort – die Aufnahmen fanden mitten im geteilten Berlin und nahe der Berliner Mauer statt. Wenn nach etwa vierzig Minuten der Film erstmals das vertraut wirkende Terrain der urbanen Großstadt verläßt und die Geschichte mit phantastischen Elementen angereichert wird, ist die Zeit wie im Flug vergangen.

Die Qualität der DVD-Edition ist herausragend. Zu erwähnen ist, daß von Possession nie eine deutsche Synchronfassung existierte, weshalb der Film hier im englischen Originalton mit optionalen Untertiteln präsentiert wird. Dieser hat es aber in sich, denn es ist eine wahre Freude, den emotionalen Ausbrüchen der Adjani im Original zu lauschen. Auch die Zusatzausstattung ist vielschichtig. Neben einem ausführlichen Booklet, unter anderem mit einem Grußwort von Andrzej Zulawski und einem Text von Jörg Buttgereit, findet sich ein Audiokommentar des Regisseurs. Ein besonderes Extra ist eine aktuelle, fast einstündige Dokumentation. Hier kommen neben Zulawski unter anderem auch die Produzentin Marie-Laure Reyre und der Koautor Frederic Tuten zu Wort. Der immense Aufwand dieser Dokumentation allein schon rechtfertigt den Kauf der DVD, da hier tatsächlich erhellende, der Interpretation des Films dienende Fakten geliefert und Fragen aufgeworfen werden. 2009-12-16 12:05

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