— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Push

USA 2009. R: Paul McGuigan. B: David Bourla. K: Peter Sova. S: Nicolas Trembasiewicz. M: Neil Davidge. P: Summit Entertainment. D: Chris Evans, Dakota Fanning, Camilla Belle, Djimon Hounsou, Cliff Curtis, Maggie Siff, Scott Michael Campbell, Hal Yamanouchi u.a. 107 Min.
Universum Film ab 2.10.09

Unausgegorenes Gemisch

Von Carsten Happe Die entscheidenden Tendenzen im Actionfilm der letzten zehn, fünfzehn Jahre: Stakkato-Montagen und rauer Realismus der Bourne-Trilogie, von James Bond und anderen hemmungslos adaptiert, Comic-Helden mit übernatürlichen Fähigkeiten und psychischem Knacks, siehe X-Men oder dunkler Ritter, sowie die Ästhetik des Hongkong-Actioners, bluttriefend und stylish bis zum Kunstkino. Push schnappt sich Ingredienzien von alledem, schüttelt sie kräftig in der Gegend herum – und gebiert ein unausgegorenes Gemisch, dem man seine Vorbilder nur allzu deutlich anmerkt und letztlich nachtrauert.

Dabei beginnt alles durchaus verheißungsvoll: In kristallklaren Bildern taucht die Kamera in das Farben-, Sprachen- und Kulturengewirr Hongkongs ein, ein ferner Widerhall von Blade Runner liegt in der Luft. Mysteriöse Gestalten gruppieren sich um die Protagonisten, den »Mover« Nick, der mit Gedankenkraft Menschen und Gegenstände bewegen kann, und der jungen Cassie, die als »Watcher« Fetzen der Zukunft erahnen kann. Sie geraten an Kira, die als »Pusher« andere Menschen telekinetisch manipulieren kann. Ihnen auf den Fersen sind sogenannte »Bleeders«, »Sniffs« und »Wipers«, und allein diese ermüdende Aufzählung deutet an, welche Probleme dem Film innewohnen: Er bürdet sich ein Korsett von Hintergrundinformationen und Regeln auf, die er kaum schlüssig entwickeln kann, da ihm immer wieder eine Actionszene dazwischenfunkt. Die Zerrissenheit der Figuren wird dabei nur so lange angedeutet, wie sie für die nächste Verfolgungsjagd oder Schießerei weichen muß, emotionale Anknüpfungspunkte werden für grellbunte Schauwerte leichtfertig und gerne über Bord geworfen, bis das eigentlich ansatzweise berührende Schicksal der Helden, insbesondere von Cassie, letztlich total egal erscheint.

Der Showdown findet schließlich genrekonform auf einer gigantischen Baustelle statt, deren Gerüste so schön spektakulär einstürzen können, aber dieses Motiv hat Push wie etwa Spider-Man 3 eher geschadet denn genutzt, offenbart es doch im übertragenen Sinn einmal mehr all jene Lücken und Leerstellen des Films. 2009-12-11 10:38

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap