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Cadillac Records

USA 2008. R,B: Darnell Martin. K: Anastas M. Michos. S: Peter C. Frank. M: Terence Blanchard. P: Parkwood Pictures. D: Adrien Brody, Jeffrey Wright, Gabrielle Union, Columbus Short, Eamonn Walker, Mos Def, Tim Bellow, Tony Bentley u.a.
104 Min. Sony Pictures ab 1.10.09

Sp: Deutsch, Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Türkisch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, Deleted Scenes, Making of, Trailer u.a.

Im langsamen Trab durch die wilde Wüste

Von Kristina Schilke Ein Mann beginnt ein neues Leben. Seine ärmliche Ursprungsgegend – am besten angesiedelt im Süden der USA – verläßt er mit nur einem Koffer, einem alten, abgewetzten, und macht sich auf, das Abenteuer zu suchen. Die große Welt wird ihm zu Füßen liegen. Ja, er wird es schaffen. Auf dem Weg dorthin will er sich jedoch nicht verirren und geht deshalb an alten Bahngleisen entlang. Inmitten einer menschenleeren Landschaft, der untergehenden Sonne entgegen. Dabei schwenkt die Kamera langsam nach oben, und man darf noch kurz ebenjene untergehende Sonne betrachten, bevor zur nächsten Szene, dieses Mal schon in der Stadt, übergeblendet wird. Dieser Mann ist Muddy Waters, und der untergehenden Sonne geht er in einer der ersten Szenen des Musikfilms Cadillac Records entgegen.

Diese Szene und alles, was der Bahngleisgang repräsentiert, ist das Problem dieses Films. »Cadillac Records« ist der Kosename einer Plattenfirma in den 1950ern, die abseits vom herrschenden Rassedenken mit ihrem Chef und Gründer Leonard Chess auf Ungleichheiten pfeift und mit Bluesmusikern wie Howlin' Wolf, Etta James, Chuck Berry und allen voran Muddy Waters die Musikszene revolutioniert.

Leider ist daraus weder ein abartig schlechter Film geworden, bei dem sich die Komik besonders unfreiwillig aufgedrängt hätte, noch ein grandioser Film, zu dem es vor lauter Staunen nichts mehr zu sagen gäbe. Es ist viel schlimmer: Cadillac Records ist ein erschreckend mittelmäßiger Film. Ein Werk ohne Dringlichkeit. Eben nur irgendein Film, ganz gut geeignet für irgendeinen Filmabend zu zweit oder unter Freunden, völlig gleichgültig.

So dampfen die klischierten Baukastensätze konventioneller Filme hier aus jeder Pore. Ja, der komponierte Soundtrack unterstreicht jede auch nur annähernd Emotionen transportierende Szene noch zusätzlich mit Streichern, obwohl der nackte, verruchte Blues vollends gereicht hätte. Angesexte Momente fristen ihr Dasein ohne erkennbare Motivation. Liebesszenen vor dem Kamin werden leider nicht gemieden. Und letztendlich ist schon der bloße Aufbau an sich ein kolossaler Fehler. Denn an dem naiven Wunsch, zwei Jahrzehnte Bluesgeschichte mit sämtlichen agierenden Hauptakteuren sowie ihren Lastern und Vorzügen in zwei Stunden Film zu zeigen, kann man nur scheitern.

Beinahe! Fairerweise sollte man hinzufügen: »aus beinahe jeder Pore«, denn: Der seiner Zeit vorauseilende, vor Besessenheit bellende Blues zwickt einen an den Ohren und zwingt zum Zuhören. Und wenn Beyoncé Knowles aus voller Kehle »At Last« singt, und man sich ärgert, weil Beyoncé im Grunde nur ein unfaßbar stimmbegabter, aber persönlichkeitsloser und langweiliger Poproboter ist, bekommt man so oder so eine Gänsehaut, auch wenn man sich wehrt. Und wenn die Rede von Beyoncé Knowles als kratzbürstige Gossendiva Etta James ist, dann ist auch automatisch die Rede von diesem zweiten »Beinahe«, den Schauspielern. Von Charakterkopf Adrien Brody bis zum Viel- und Qualitätsspieler Jeffrey Wright und der intellektuellen HipHop-Ikone Mos Def wurden durchwegs Herzblutakteure verpflichtet. Die können jedoch mit ihrem schön grellen Spiel letztendlich nicht gegen die vor Blaßheit erstarrte Machart des Films ankommen. 2009-11-30 11:10

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