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Die Abenteuer von Oswald dem glücklichen Hasen

Oswald the Rabbit. USA 1928. R: Walt Disney. M: Robert Israel.
172 Min. Walt Disney Studios Home Entertainment ab 2.4.09

Sp: Englisch (DD 2.0, DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Engl. f. Hörg., Finnisch, Isländisch, Norwegisch, Schwedisch. Bf: 1.33:1 anamorph. Ex: Intro, Kurzfilme, Audiokommentar, Featurettes, Bildergalerien.

Donald im Wandel der Zeit Vol. 3

Walt Disney Treasures: Chronological Donald. USA 1934-1950. R: Walt Disney.
626 Min. Walt Disney Studios Home Entertainment ab 24.9.09

Sp: Deutsch, Englisch, Spanisch (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Engl. f. Hörg. Bf: 1.33:1 anamorph. Ex: keine.

Hasensaison/Entensaison

Von Carsten Tritt Dagobert Duck wäre nie die reichste Ente der Welt geworden, hätte er nicht auch im kleinen gespart. Eine einzelne DVD etwa kostet in der Produktion vermutlich bis zu 50 Kreuzer. Wohl vor diesem Hintergrund hat der Ducksche Walt-Disney-Konzern entschieden, nur die jeweils ersten DVDs der beiden Doppel-DVD-Sets von Oswald und Donald im Wandel der Zeit Vol. 3 als Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen und so ja sicher auch einen ganzen Taler gespart. Dummerweise wollen die beiden DVD-Editionen allerdings jeweils die Entwicklung der Figuren »Oswald« bzw. »Donald Duck« dokumentieren. Da Disney dem Rezensenten nur die Hälfte dieser Entwicklung zukommen läßt, muß ich um Verständnis bitten, daß die Rezension hierzu nur eingeschränkte Aussagen treffen kann; gerade beim kurzlebigen Oswald wäre es sicher von Interesse gewesen, ob hier noch eine Variation der Figur auf der zweiten DVD erfolgt wäre, was herauszufinden nun Privileg des Käufers der gesamten Doppel-DVD bleiben wird.

Aber zunächst zu den Donald-Cartoons. Dies ist nun schon die dritte Sammlung von Donald-Duck-Cartoons, bereits erschienen sind schon zwei Mickey-Mouse-Kompilationen und je eine Doppel-DVD mit Silly Symphonies- und Pluto-Filmen. Im Gegensatz zu einigen anderen DVDs der Disney Kostbarkeiten-Reihe scheint die dritte Donald-Zusammenstellung auch wieder der US-DVD zu entsprechen, nachdem auf den anderen DVDs der Reihe für den deutschen Markt gelegentlich einige Filme entfernt wurden, vermutlich, um eine FSK-0-Freigabe zu erhalten.

Donald 3 umfaßt die Kurzfilme aus den Jahren 1947-1950. Die Qualitäten, aber auch die Probleme der bisherigen Donald-Duck-Cartoons setzen sich hierbei fort. Anders als Disneys Hauptkonkurrenz von Warner (Looney Tunes) oder MGM (Tom & Jerry, Droopy) mit deren Perfektion des Timings und deren hoher Geschwindigkeit wirkt der Disneysche Humor aus heutiger Sicht schon recht bieder und brav. Zwar hat der Schwiegermutterliebling Mickey Mouse, den man mit gutem Grund auch als den Florian Silbereisen des Zeichentricks bezeichnen könnte, bewiesen, daß es noch deutlich schlimmer geht. Dennoch bleibt die Schlagkraft der Witzigkeit auch bei Donald eher gemächlich. Die handwerkliche, zeichnerische Qualität hingegen ist wieder beeindruckend, auch wenn die Disney-Cartoons weiterhin ihrem eher naturalistischen Stil verhaftet bleiben, so daß im Vergleich die Warner-Cartoons aus derselben Zeit mit ihren beginnenden Abstraktionen auch aus heutiger Sicht moderner wirken.

Die Donald-Duck-Filme haben hingegen andere Stärken, und gerade bei den auf der ersten DVD vertretenen Filmen aus den späten 1940ern wirken die Filme weniger durch Gagfeuerwerke, haben aber meist ein ordentlich ausgearbeitetes Drehbuch, auch wenn in den Filmen natürlich nie die Qualität der Geschichten etwa des Comic-Donalds von Carl Barks erreicht wird und es nicht selten Wiederholungen gibt. So sind zwei enthaltene Filme äußerst selbstreferentiell, als in beiden Filmen Donalds schwer verständliche Quäklaute sich in eine starke, menschliche Stimme wandeln – in einem Film durch Pillen, im anderen durch den altbewährten Schlag auf den Kopf. Und natürlich streitet sich Donald weiterhin und gerne aus nichtigen Gründen, was für ihn zum Filmende dann stets mit einer entsprechenden Demütigung verbunden sein wird, als auf der DVD frühe Begegnungen mit den alsbald populär werdenden Chip 'n' Dale (alias Ahörnchen und Behörnchen bzw. Chip und Chap) enthalten sind. Wirklich herausragend sind leider nur zwei Filme der Zusammenstellung: In Clown of the Jungle (1948) trifft Donald Duck den Arcuna Bird wieder, eine vom Charakter her an den ganz frühen Duffy Duck angelegte Figur, die ursprünglich für den gelungenen Disney-Kompilationsspielfilm Drei Caballeros entwickelt wurde. Insofern ist Clown of the Jungle auch der einzige Film, der tatsächlich mit anarchischem Humor ähnlich der Tex-Avary-Filme von MGM aufwarten kann. Der zweite, allerdings ganz besonders großartige Film ist Bootle Beetle, der seine Geschichte in der Perspektive eines Käfers erzählt, der von Donald Duck – aus Sicht des Käfers natürlich ein Gigant – gejagt wird. Der Film erweist sich alsbald als intelligente Hommage an die damaligen Monsterfilme, quasi mit Donald in der Rolle des Riesenaffen.

Die Oswald-Doppel-DVD führt hingegen zurück zu den Anfängen des Disneyschen Imperiums. Oswald war die zweite erfolgreiche Disneyfigur nach Alice, einem in den Jahren 1923 - 1926 als Realfilm aufgenommenen und in eine Zeichentrickhandlung einkopierten Mädchen (die erste Alice-Darstellerin, Virginia Davis, ist kürzlich, am 15.8.2009 im Alter von 90 Jahren verstorben). Die Oswald-Filme waren im Gegensatz zu den Alice Comedies reine Zeichentrickfilme, und der Hase Oswald war zudem der direkte Vorgänger von Mickey Mouse, dem er, bis auf die Ohren, auch deutlich ähnelte. Als sich Walt Disney 1928 aus seinem Vertrag mit Universal Pictures löste, behielt Universal die Oswald-Figur, so daß Mickey Mouse der für Oswald geschaffene Ersatz ist.

Die Oswald-Filme stammen aus den Jahren 1927 und 1928, und sind zeichnerisch zwar auf deutlich niedrigerem Niveau als das spätere Schaffen der Disney-Studios, sie sind aber gemessen an dem Standard zur Zeit ihrer Entstehung handwerklich deutlich überdurchschnittlich. Oswald ist hierbei freier und frecher als der später immer angepaßter und kinderfreundlicher werdende Disneysche Mäuse-Humor, und natürlich sind die Filme als Stummfilme viel mehr aufs Visuelle sowie auf eine hohe Gagdichte ausgerichtet. Wie damals nicht unüblich wird die Komik gerne durch übertriebene Gewalttätigkeit sowie die nur für eine Zeichentrickfigur mögliche Verformung oder Zweckentfremdung von Körperteilen erzeugt. Auffallend sind zudem perspektivische Spielereien, wenn etwa sich in Richtung des Zuschauers bewegende Figuren die Kamera quasi zu verschlucken scheinen. Auch sind bereits in den damaligen Filmen die Ursprünge einiger späterer Klischees der Disneydrehbücher zu entdecken: Es war z.B. bereits Oswald nicht möglich, auf einem Fluß zu rudern, ohne wie fast alle Disney-Charaktere nach ihm mit plötzlich auftauchenden Wasserfällen Bekanntschaft machen zu müssen.

Einen deutlichen Vorteil haben die Oswald-Filme zudem gegenüber anderen Disney-Produkten, und das ist die hervorragende Musikuntermahlung. Es handelt sich hierbei freilich nicht um die Originalmusik, sondern um Neukompositionen des bewährten Filmkomponisten Robert Israel. Die Originalmusiken der Disneystudios ab den 1930ern, eigentlich bis heute, sind dafür berüchtigt, das im Zeichentrick gezeigte lautmalerisch plump zu doppeln – etwa, wenn sich jemand anschleicht, eine Tonleiter zu spielen, und wenn die Figur hinfällt, einen Tusch. Inzwischen hat sich der Terminus »mickey mousing« sogar als Fachbegriff für diese etwas dümmliche Anwendung von Filmmusik eingebürgert. Israels Kompositionen orientieren sich an Filmkompositionen der 1920er und verzichten aber auf diese Art der Dopplung. Sie zeigen sich auf der Höhe der Zeit als gelungene, unaufdringliche Begleitung der Bilder des jungen Disney bzw. seiner Zeichner. Zwar bleibt das Interesse an den Oswald-Filmen somit immer noch zuvorderst ein filmhistorisches, ist jedoch in dieser Form durchaus mit einigem Vergnügen genießbar. 2009-09-25 13:15

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