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M.A.R.K. 13

Hardware. GB 1990. R,B: Richard Stanley. K: Steve Chivers. S: Derek Trigg. M: Simon Boswell. P: BSB, British Screen Productions, Palace Pictures u.a. D: Dylan McDermott, Stacey Travis, John Lynch, William Hootkins, Iggy Pop, Carl McCoy, Mark Northover, Paul McKenzie u.a.
90 Min. CMV-Laservision ab 28.8.09

Sp: Deutsch, Englisch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Original Trailer, Deleted Scenes, umfangreiche Bildergalerie u.a.

This is what you want…

Von Stefan Höltgen …and this is what you get. Das ist die Refrain-Zeile des »Public Image Limited«-Songs, der die Atmosphäre von Richard Stanleys Dystopie M.A.R.K. 13 dominiert und darin durch den Industrial-Soundtrack Simon Boswells und das »Stabat Mater« aus Rossinis gleichnamiger Messe unterstützt wird. Stanleys Film ist in einer postapokalyptischen Welt angesiedelt, in der sich die Künstlerin Jill und ihr Freund Mo ein letztes Refugium von Sicherheit und Wohlstand geschaffen haben. Während Jill in ihrem von Überwachungstechnologie abgeschirmten Hochsicherheitsappartement abstrakte Kunstwerke zusammenschweißt, kämpft sich Mo draußen durch die verstrahlte Welt und muß über Leichen und Bettler steigen, um die Wohnung seiner Freundin zu erreichen. Beider Sicherheitsfiktion bricht zusammen, als ein von Mo mitgebrachter Roboter-Schädel zum Leben erwacht, die Computertechnologie im Appartement zu kontrollieren beginnt und Jagd auf alles Leben in seinem Umkreis macht. Es handelt sich nämlich um den äußerst widerstandsfähigen Schädel eines Kriegsroboters der neuesten Generation. Und noch bevor der Film zuende ist, hat er den Krieg erfolgreich auch in den letzten verbliebenen Winkel des Friedens getragen.

M.A.R.K. 13 ist einer der eindrucksvollsten postapokalyptischen Spielfilme seit George Millers Mad Max. Die Barbarei offenbart sich bei Stanley jedoch nicht in marodierenden Rockerhorden, sondern im Zynismus, mit dem der Zerfall der Zivilisation zur Kenntnis genommen und noch weiter befördert wird. Es ist die Dekadenz des Weltuntergangs, die das Leben nun bestimmt. Die rot getünchten Bilder voller Müll, Zerstörung und Menschenleiber werden unterlegt mit einer Radiosendung, in welcher der Moderator in sarkastischem Stil regelmäßig neue Kriegshandlungen durchgibt, die Bevölkerung in die Sterilisationszentren ruft und laute Heavy-Metal-Musik spielt. M.A.R.K. 13 transponiert das Endzeit-Thema nach dem Ende des Kalten Krieges auf eine radikalere Ebene als dies bei vorherigen Beiträgen des Subgenres zu sehen gewesen ist. Der Film wirkt damit auf allen Ebenen auch wesentlich kunstwerkartiger als seine Vorgänger – was sich bis hin zum Auftritt popkultureller Ikonen wie Iggy Pop (als besagter Radiomoderator »Angry Bob«) oder dem Motörhead-Sänger Lemmy zieht (als Taxifahrer, der seinen Gästen am liebsten Songs seiner eigenen Band vorspielt). M.A.R.K. 13 ist ein brachialer Abgesang auf das Weltzerstörungsgenre der alten Zeit und Vorbote für eine neue Stilistik im Endzeitfilm.

In der Vereinigung von Endzeitmotiven mit Computer- und Roboter-Visionen gelingt es Richard Stanley, die Bedrohung des privaten Lebens in Zeiten der Katastrophe auf die Spitze zu treiben. Der Unterschied zwischen Drinnen und Draußen ist akut; der barrikaden- und maulartige Eingang zu Jills Appartement wird zeitweise zur regelrechten »Schnittstelle« zwischen Sicherheit und Chaos, der Eindringlinge in der Mitte zerteilt. Die Dominanz des Computers drinnen wird der De-Industrialisierung draußen entgegengestellt und wie in der Prophezeiung des titelgebenden 13. Kapitels im Markus-Evangelium bleibt vermittelt durch diesen falschen Propheten des technologischen Zeitalters letztlich kein Stein auf dem anderen. Richard Stanleys Film kokettiert mit solchen Anspielungen und Bedeutungen – sie alle haben jedoch Teil an der kulturellen Gesamtvision des Films, die als Zusammenfassung und Ausblick des Endzeitgenres zu verstehen ist.

Mit Horror- und Splattereffekten spart M.A.R.K. 13 dabei nicht – die waren bislang jedoch nur selten zu sehen. Die jetzt beim Berliner Label cmv erschienene Unrated-DVD, die kein FSK-, wohl aber ein JK-Siegel bekommen hat, enthält endlich wieder alle Sequenzen des Films in hervorragender Qualität und präsentiert darüber hinaus eine Menge Bonusmaterial. Dazu gehören etwa Szenen aus der Rohschnittfassung, entfernte und erweiterte Szenen und sogar Hinweise auf die gekürzten Szenen der vorherigen deutschen Fassung des Films. cmv erweist sich damit einmal mehr als editionsphilologisches Label, das seltene und unterschlagene Werke der Filmgeschichte den deutschen Zuschauern zugänglich macht. 2009-09-01 11:32

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