— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Captain Berlin versus Hitler

D 2009. R: Jörg Buttgereit. K,S: Thilo Gosejohann. M: Mark Reeder, Peter Synthetic. D: Sandra Steffl, Adolfo Assor, Jürg Plüss, Claudia Steiger.
75 Min. Media Target

Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloß Kottlitz

D 2008. R,B,S: Lasse Nolte. K: David Emmenlauer. M: Tuomas Kantelinen. P: Creative Gap Filmproduktion, Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF), Münchner Filmwerkstatt. D: Daniel Krauss, Götz Burger, Hendrik Martz, Walter Stapper, Kim Bärmann, Oliver Kalkofe, Guido Meyer, Ferdinand Dörfler u.a.
46 Min. Mr. Banker Films ab 9.1.09

Sp: Deutsch (DD 2.0, DD 5.1). Ut: Englisch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: keine.

Private House of the SS Girls

Casa privata per le SS. I 1977. R,B: Bruno Mattei. B: Giacinto Bonacquisti. K: Emilio Giannini. S: Vincenzo Vanni. M: Gianni Marchetti. P: Distribuzione Associate Regionali (DAR). D: Gabriele Carrara, Marina Daunia, Macha Magall, Vassili Karis, Tamara Triffez, Luce Gregory, Walter Brandi,Thomas Rudy u.a.
95 Min. starmedia home entertainment ab 16.5.07

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: keine. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: keine.

U-900

D 2008. R: Sven Unterwaldt jr. B: Michael Gantenberg, Oliver Ziegenbalg. K: Stephan Schuh. S: Stefan Essl. M: Karim Sebastian Elias. P: Wiedemann & Berg Filmproduktion. D: Atze Schröder, Oliver K. Wnuk, Yvonne Catterfeld, Götz Otto, Jürgen Schornagel, Christian Kahrmann, Maxim Mehmet u.a.
95 Min. Warner Home Video ab 3.4.09

Sp: Deutsch (DD 5.1). Ut: keine. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: keine.

Operation Walküre

Valkyrie. USA 2008. R: Bryan Singer. B: Christopher McQuarrie, Nathan Alexander. K: Newton Thomas Sigel. S,M: John Ottman. P: United Artists, Achte Babelsberg Film, Bad Hat Harry Productions u.a. D: Tom Cruise, Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Carice van Houten, Thomas Kretschmann, Terence Stamp, Eddie Izzard u.a.
117 Min. Twentieth Century Fox Home Entertainment ab 20.7.09

Sp: Deutsch, Englisch, Türkisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Türkisch, Englisch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Audiokommentar, Making of, Featurette.

Braun ist das neue Pink

Neues vom Nazitrash auf DVD

Von Carsten Tritt Die Frage, ob man über das Dritte Reich Witze machen kann, ist inzwischen geklärt, und die Antwort lautet: Zum Beispiel Dani Levy kann das nicht, was nach seinem bisher nicht gerade von Spritzigkeit zeugenden Œuvre eigentlich schon zu vermuten war, und vor zwei Jahren dann von ihm endgültig mit einem Film, der zu allem Überfluß auch noch Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler hieß, bewiesen wurde. Mit dem Problem, gute Naziwitze zu machen, steht aber das von Levy repräsentierte Bildungsbürgertum nicht alleine da. Atze Schröder, jene Kunstfigur, deren Spaßpotential grundsätzlich schon vorhanden ist, wenn auch nur in einem klar umschränkten Rahmen, betrifft dieses Problem ebenfalls. Auch zum Kinostart seines U-900 gab es noch mal zarte Ansätze einer Debatte, ob der an sich gefundene Konsens, daß man über Nazis lachen dürfe, denn nun auch für Trivialkomödien gelte, bzw. natürlich für deutsche Trivialkomödien, denn das Klaus-Barbie-Museum aus Rat Race war ja schon Jahre vorher ein Liebling des Feuilletons. Diese sogenannte Debatte bei U-900 wurde dann auch eher von Schröder und seiner Marketingabteilung selbst angeregt, wohl um sich dann doch ein wenig ob des heiklen Themas abzusichern und zu betonen, daß U-900 im wesentlichen ein Abenteuerfilm sei; letztlich erwies sich der Film sowieso von einer solchen Harmlosigkeit und Bißlosigkeit, daß das Ergebnis nicht interessiert.

Wesentlich lustiger fand zumindest der Rezensent Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat. Offenbar ursprünglich als ernsthafter Politthriller angedacht unterhielt der Film viel mehr durch seinen unbeholfenen Umgang mit sich ständig wiederholenden Klischees des Genrekinos. Wobei die notwendige Fallhöhe, um statt Fremdschämeffekte und Langeweile tatsächliche Lacher zu erzeugen, sicherlich auch durch das eigentlich ernste und tragische Thema erzielt wurde, welches in der fiktionalen Umsetzung von Regisseur Bryan Singer komplett verbraten wurde. So versucht Operation Walküre zum Beispiel stets dadurch Spannung aufzubauen, daß die Erzählung kurz vor dem Anstehen bedeutsamer Ereignisse künstlich gestreckt wird: Das unmittelbare Bevorstehen eines entscheidenden Moments ist also für den Zuschauer ersichtlich, er soll von ihm gebannt erwartet werden, und diese Spannung wird zumindest in der Theorie durch Verzögerung verlängert und verstärkt: ein Beispiel ist der Weg Stauffenbergs mit den Bombenkoffern zur Baracke, der sich ewig zieht und nahezu in voller Länge zelebriert wird. Solche Methoden kann man durchaus mal einsetzen, nur scheint diese Art des Spannungsaufbaus die einzige zu sein, die Singer kennt, und hieraus gewinnt der Film dann statt Spannung vor allem unfreiwillige Komik. Ständig wird irgendwo hingegangen, ganz selten auch mal gefahren. Das ständige Herumlatschen der Protagonisten wird sogar noch genutzt, um nebenbei ein wenig Production Value zu demonstrieren, wenn der Weg zu einer wichtigen Besprechung ausgerechnet durch die Kantine führen muß, in der justament hundertnochwas Statisten in maßgeschneiderten authentischen Uniformen ihr Mittagsmahl einnehmen. Wenn in Operation Walküre telefoniert wird, muß natürlich erst mal jemand zum Apparat gehen, fragen, für wen der Anruf ist, sodann zu dem Bertreffenden gehen, damit dieser dann wieder zum Telefon spazieren und den Anruf entgegennehmen kann. Schöner als in Operation Walküre wurde wohl noch nie gezeigt, woher die Redewendung »ans Telefon gehen« kommt. Seinen humoristischen Höhepunkt findet der Film, wenn Otto Ernst Remer (Thomas Kretschmann) von Joseph Goebbels (Harvey Friedman) überzeugt wird, daß Hitler (David Bamber) den Anschlag überlebt hat. Alleine schon die Inszenierung der Distanz in Goebbels riesigem Büro, die Kretschmann nach Stichwort Friedmans zu durchschreiten hat: Schulbuchmäßiger kann man eine Pointe eigentlich nicht aufbauen, besser kann man sie nicht versenken, als Bambers deutschen Synchronsprecher (Peter Faerber) aus der Hörmuschel plärren zu lassen: „Ärkännen Sie maine Schtimmä?“ Da mag noch so oft behauptet werden, das Gezeigte möge historisch akkurat sein – in dieser Inszenierung ist das einfach saukomisch.

Womit wir auch den Bereich der eigentlichen Nazikomödie schon verlassen haben und somit bei der Königsdisziplin des schlechten Geschmacks gelandet sind: dem Nazitrash. Zu diesem Subgenre möchte sich eigentlich auch Der Goldene Nazivampir von Absam 2 – Das Geheimnis von Schloß Kottlitz zählen, eine 45minütige und dennoch äußerst langatmige Diplomarbeit des Münchner Filmschülers Lasse Nolte. Wie der Titel schon andeutet, versucht der Film, witzig zu sein. Captain William Blazkowitz, Brillenträger und Nerd, soll 1942 für den US-Geheimdienst seltsame Vorgänge in jenem im Filmtitel genannten Schloß untersuchen, und was da auf ihn zukommt, verrät der Filmtitel eigentlich ebenfalls schon. Es gehört schon eine hohe Kunst dazu, jene Art von Komik des Trashfilms bewußt zu erzeugen, denn hierzu ist nicht nur das Verständnis vonnöten, wie ein Genre funktioniert, sondern man muß diese Instrumentarien des Genres auch noch so besonnen falsch anwenden, daß es mindestens amüsant ist, ohne aufgesetzt zu wirken. Lasse Nolte scheitert daran, worüber man eigentlich den Mantel des Schweigens legen könnte, wenn nicht ein DVD-Vertreiber das Werk auch noch einem weiten Publikum angeboten hätte, weswegen es nun also verrissen werden muß: Der Goldene Nazivampir hat bereits das Problem, daß das Drehbuch zu keinem Zeitpunkt witzig ist und man selbst in Sat.1-Sketchsendungen bessere und mehr Pointen erlebt, zudem fehlt dem Film jegliches Gespür von komödiantischem Timing. Es ist möglich, Lacher dadurch zu erzielen, daß eine Figur mit einem aus zwei Bockwürsten gefertigten Kruzifix zwischen Vampiren herumläuft – Polanski hat sowas ähnliches in Tanz der Vampire ja auch hingekriegt und das sogar ganz ohne Bockwürste. Doch bei Nolte bleibt dies nur eine von vielen vergebenen Chancen, die an einem ratlosen, achselzuckenden Rezensenten vorübergezogen sind.

Auch die Inszenierung bleibt im wesentlichen konventionell. Zwar hat Nolte versucht, etwa über die Beleuchtung ein wenig Trashcharme zu erzielen. Allerdings ist ein bloßer Schattenwurf bei einer amerikanischen Nacht auch nicht per se witzig, insbesondere, wenn auf HD aufgenommen wird und die Gewolltheit des Effekts so überdeutlich wird. Davon abgesehen ist die Inszenierung von einer Durchschnittlichkeit und Unspontaneität, wie man sie einem Filmstudenten nicht wirklich vorwerfen kann, wie sie aber den Film endgültig scheitern läßt. Aufmerksamkeitspunkte gewinnt Der Goldene Nazivampir daher nur in den ganz wenigen Momenten, in denen die Inszenierung dann doch so unbeholfen wird und die Witze so schlecht, daß dann doch zumindest unfreiwillig Trash entsteht. Hierzu zählt im weiteren Sinne sicher auch eine äußerst fragwürdige Szene, die sich der Film erlaubt, als der Obernazi den Helden darauf hinweist, er solle aufpassen, was er sagt, hier hätten selbst die Lampen Ohren – dann ein Schnitt auf die Schreibtischlampe, die mit menschlicher Haut (einschließlich Ohr) überzogen ist. Diese Verwechslung von Frechheit mit Dümmlichkeit ist dermaßen geschmacklos, daß es einen schon graust – weswegen hier zumindest das Kriterium »Trash« erfüllt ist. Wenn hier jemand schon krampfhaft unangenehm mit Witzen über Holocaustopfer auffallen will, wird es dadurch aber nicht wirklich besser, daß der Witz platt und schlecht getimet ist.

Statt sich mit so was abzugeben, greift man besser gleich zum echten Nazitrash, zum Beispiel zu Private House of the SS-Girls, fabriziert von Altmeister und Filmlegende Bruno Mattei, ein Mann, gegen den Ed Wood fast schon, nun, wie ein Absolvent der Münchener Filmhochschule wirkt. Bruno Matteis Spezialität waren Rip Offs erfolgreicher Produktionen, die er dergestalt kostengünstig produzierte, daß es fast unmöglich war, mit den Filmen keinen Gewinn zu machen. Private House of the SS Girls aus dem Jahr 1977 vereinigt im wesentlichen die Handlungszüge von Pier Paolo Pasolinis Die 120 Tage von Sodom und Tinto Brass’ Salon Kitty (1976): Es gibt ein Schloß auf dem Land (»Schloß Blumenstrauß«), viele perverse und/oder korrupte Nazis, willige Frauen, und als Zückerchen gibt es noch eine kleine Panzerschlacht, wobei es sich bei den Kampfszenen natürlich sämtlichst um eingeschnittenes Archivmaterial aus irgendeinem anderen Kriegsfilm handelt. Diese Dreistigkeit, mit der Mattei sich hier wieder bemüht, seine grob in eine Handlung gequetschte Restesammlung aus anderen Filmen als eigenständiges Werk zu verkaufen, muß jedem Liebhaber des Exploitationkinos zarte Tränen der Rührung in die Augen treten lassen. Zugegeben, im letzten Drittel des Films wird es schon gelegentlich ein wenig langweilig, bevor schließlich aus nicht wirklich relevanten Gründen fast alle Protagonisten beschließen, im Gleichklang zum Untergang des Dritten Reichs Selbstmord zu begehen (da also hatte Eichinger die Idee für Der Untergang her!). Aber dennoch ist diese filmische Absurditätencollage natürlich vollumfänglich sehenswert. Alleine schon die Montagesequenzen, in der unter dem sich stets wiederholenden strengen Blick der Herbergsleitung und zu beschwingter Musik die SS-Girls in die diversen Sexualpraktiken von Doggy Style bis zum Sex mit Schäferhund eingeführt werden, wird jede Trübsal des geneigten Zuschauers sofort vertreiben und ihn in einen Zustand unkontrollierbarer Heiterkeit überführen.

Zuletzt sei noch auf Captain Berlin versus Hitler hingewiesen – die DVD soll demnächst bei Media Target erscheinen, ein Termin scheint jedoch noch nicht festzustehen. Der Film von Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann zeigt jedoch, wie Exploitationfilm zu funktionieren hat. Buttgereit ließ bereits 2006 für das WDR-Hörspiel »Captain Berlin vs. Dracula« den Superhelden aus seinem Kurzfilm Captain Berlin – Retter der Welt (1982) auferstehen und verarbeitete dank öffentlicher Fördergelder dieses Hörspiel zum Theaterstück für das Berliner Hebbel-Theater. Thilo Gosejohann hat das Stück dreimal mitgefilmt, bei einem Durchlauf sogar mit zwei Kameras, dafür aber ohne vernünftige Mikros – und so war ohne jegliches Filmbudget plötzlich Material für einen Film da. Das Überraschende dabei ist, daß das Ganze sogar funktioniert.

Buttgereits Hörspiel/Stück/Film geht dabei mal wieder davon aus, daß Hitler den Krieg überlebt hat, d.h. zwar nicht der ganze Hitler, aber zumindest sein Gehirn, und die wahnsinnige Wissenschaftlerin Ilse von Blitzen (natürlich mit weißem Kittel über dem kurzen Rock) im Berlin der 1970er Jahren versucht, den Führer wiederzubeleben. Zunächst suchen von Blitzen und Hitler die Hilfe von Graf Dracula, der irgendwo in der DDR lebt. Nachdem die Nazis jedoch nicht wirklich mit dem sozialistischen Ostblockvampir zurechtkommen, soll ausgerechnet Captain Berlins Tochter für Hitlers Reinkarnation mißbraucht werden, was natürlich Deutschlands einzigen Superhelden auf den Plan ruft, der ansonsten inzwischen als bieder sozialdemokratischer Lokaljournalist sein Geld verdienen muß. Gosejohann hat hierbei trotz der nicht vorhandenen Mittel Buttgereits Bühnenarbeit über die Probleme und Sorgen der Sozialdemokratie in eine rundum gelungene filmische Sprache gekleidet. Hierbei greift Gosejohann auf modische Spirenzchen zurück, nutzt diese jedoch eben nicht aufdringlich als Selbstzweck, sonder zur Ausbesserung der technischen Unzulänglichkeiten. Etwa werden die seit den Grindhouse-Filmen von Rodriguez und Tarantino beliebten Laufstreifen und Verschmutzungen genutzt, um den filmischeren Look des Videobildes zu stützen, und wenn der Dialog in einer wichtigen Passage unverständlich wird, wird gelegentlich eine Sprechblase mit dem Text eingeblendet, gelegentlich werden zudem digitale Effekte in das statische Bühnenbild eingefügt.

Gosejohann hat dabei genug Gespür, mit seinen billigen Tricks nicht zu übertreiben, sondern diese zu einer wie von Anfang an gewollten Einheit mit der Inszenierung werden zu lassen. Buttgereit und Gosejohann zeigen somit in Captain Berlin versus Hitler, daß sie die ganz große Kunst der Exploitation beherrschen, nämlich ohne vernünftiges Material und ohne Geld ein fertiges Werk irgendwie zusammenzuschustern, das nicht nur überzeugt, sondern vor allem den Eindruck erweckt, es sei von Anfang an alles genau so geplant gewesen, wie es am Ende herauskommt. 2009-09-08 10:59
© 2012, Schnitt Online

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