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Das Leben kennt keine Gnade

La Grande strada azzurra. I/F/D 1957. R,B: Gillo Pontecorvo. R: Maleno Malenott. K: Mario Montuori. S: Eraldo Da Roma. M: Carlo Franci. P: Eichberg-Film, G.E.S.I. Cinematografica, Play Art, Triglav Film. D: Yves Montand, Terence Hill, Alida Valli , Francisco Rabal, Umberto Spadaro, Stane Potokar, Giorgio Kuru, Josip Batistic u.a.
90 Min. KSM (WGF) ab 9.10.08

Sp: Deutsch (DD 1.0). Ut: keine. Bf: 1.33:1 . Ex: keine.

Etikettenschwindel

Von Dietrich Brüggemann Daß das Leben keine Gnade kennt, kann man schon an genau diesem Titel ablesen. Im Original heißt dieser Film von 1957 nämlich La grande strada azzurra, und der Klang dieser Worte paßt auch viel besser zu dem neorealistischen Drama mit sozialkritischen Untertönen, das er ist. Yves Montand spielt den armen Fischer Giovanni, der jeden Tag aufs Neue hinausfährt, um seine Familie zu ernähren, der stets zu wenig fängt und hilflos mit ansehen muß, wie der örtliche Großkapitalist, Besitzer des einzigen Kühlhauses, die Preise diktiert. Einige Fischer fügen sich in ihr Schicksal, andere wollen sich organisieren, doch Giovanni sieht keinen anderen Ausweg, als es mit neuen Fangmethoden zu versuchen. Unter Lebensgefahr bastelt er Sprengsätze aus alten Granaten und fischt mit Dynamit – das ist nicht nur verboten, das bringt auch die anderen Fischer gegen ihn auf und treibt ihn in ein Spiel, das er auf Dauer nicht gewinnen kann.

»Die große blaue Straße«, wie man ihn besser nennen sollte, ist ein wenig bekanntes Meisterwerk des italienischen Neorealismus. In klaren, unaufgeregten, sonnengesättigten Bildern entführt er uns in eine fremde Zeit und eine archaische Welt, die von unserer so weit entfernt zu sein scheint, daß er gar nicht mehr so wirklich neorealistisch, sondern eher schon nostalgisch wirkt. Doch wie die Geschichte sich entfaltet, so gleichermaßen zwangsläufig wie beiläufig, das ist schon ziemlich zeitloses Kino – allein das Frauenbild des Films ist so ziemlich aus der Zeit gefallen.

Ausgesprochen kurios ist im übrigen die Aufmachung der deutschen DVD. Ein gewisser Mario Girotti, der hier eine Nebenrolle spielt, wurde später sehr bekannt unter seinem Pseudonym Terence Hill, also prangt sein Name in großen Lettern auf der Hülle. Darunter sieht man ein in voller Fahrt explodierendes Auto und einen Hubschrauber, an dem ein Mensch hängt, und dahinter die Golden Gate Bridge. Nichts davon kommt im Film vor, aber weil das Leben keine Gnade kennt, mußte dieser schöne Film anscheinend so verunstaltet werden. Das Ganze ist aber in seiner 80er-Jahre-Naivität schon wieder so unschuldig, daß man fast nostalgische Gefühle bekommt an goldene Kindertage, an denen auch der Schund irgendwie schön war.
2009-05-29 10:30

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