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Little Britain – Great Box

Little Britain. GB 2003-2005. R: Steve Bendelack u.a. B: Matt Lucas, David Walliams. K: Rob Kitzmann, Katie Swain u.a. S: Mykola Pawluk. M: David Arnold. D: Matt Lucas, David Walliams u.a.
740 Min. Polyband ab 26.9.08

Sp: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Behind-the-Scenes-Dokus, Making-ofs, Deleted Scenes, Interviews, Specials, zuschaltbare Kommentare.

Komplettes aus Kleinbritannien

Von Kyra Scheurer Little Britain auch hierzulande in der Great Box? Um es mit Andy zu sagen: »I want that one!« Darüber schreiben? »Computer says yes«. Aber wie? Für Fans und Kenner dieser einzigartigen britischen Satire-Perle schreiben, für echte »Ladys« also? In diesem Fall sollte zuvorderst erwähnt sein, daß die Box eine fast perfekte Kompilation der Little Britain-Reihe ist: Alle drei Staffeln, »Little Britain Abroad« und das Programm »Little Britain Live« (in ebenfalls erstaunlich guter Bildqualität) sind dabei. Und um den religiösen Grabenkampf gleich vorwegzunehmen: Natürlich ist der englische Originalton großartig, aber auch die deutsche Synchronisation mit den Olivers Kalkofe und Welke als Hauptsprecher, dem über 90jährigen Friedrich Schoenfelder als Off-Kommentator und Gästen wie Hella von Sinnen und Dirk Bach in den Abroad-Episoden kann sich hören lassen. Für das Live-Programm und die Extras fehlt die Synchronisation, Untertitel sind aber komplett zweisprachig vorhanden. Die Extras der insgesamt acht DVDs schließlich bestehen recht erwartbar in Making-Of, Pilotepisode, Deleted Scenes und Interviews. Von der Möglichkeit eines Booklets scheint man hingegen noch nie gehört zu haben, die DVD-Hüllen der Box sind so lieblos gestaltet, als hätte Vicky sie im nächsten Supermarkt besorgt. Egal. Denn besonders hübsch ist, daß man einzelne Charaktere auswählen, also z.B. Lou und Andy gesammelt gucken kann. Lou, Andy, Vicky – wer ist das? Wenn Sie sich das fragen, müssen wir offenbar einen Schritt zurück gehen…

Wenn Monty Python’s Flying Circus einen Nachfolger hätte, wäre das wahrscheinlich Little Britain: Ursprünglich von David Walliams und Matt Lucas, der zuvor schon unter anderem für Da Ali G Show geschrieben hatte, für das Radio entwickelt, gelang der Ansammlung unzusammenhängender Sketche mit festen Stammcharakteren 2003 der Sprung ins Fernsehen. Neben Lucas und Walliams treten weitere britische Schauspieler in den Sketchen auf, beispielsweise Anthony Head in einer wiederkehrenden Rolle als englischer Premierminister. Auch Elton John, Imelda Staunton und Robbie Williams haben Gastauftritte in einzelnen Sketchen. Das Herzstück aber sind die von dem Duo Lucas und Walliams verkörperten konsequent politisch unkorrekten Figuren, deren vom besten britisch-schwarzen Humor lebende Geschichten das Universum von Little Britain bevölkern. Da ist z.B. die übergewichtige Ghetto-Göre Vicky Pollard, die in Konflikten mit Gesetzeshütern, anderen Gangs oder auch befreundeten Jogginghosenträgerinnen gerne in Sprech-Stakkato vom Intimleben ihrer Freundinnen berichtet und ihre Denkpausen mit dem Kult gewordenen Sprachloop »aber nein, aber ja« unauffällig überbrückt. Oder Daffyd Thomas, der sich für den einzigen Schwulen im Dorf hält, und seiner mehr behaupteten als gelebten sexuellen Gesinnung durch extravagante Fetischoutfits Ausdruck verleiht, die leider niemanden zu schockieren scheinen. Sebastian Love dagegen ist jung, schwul, »ausdrucksstark« – und der Assistent des von ihm sklavisch verehrten Premierminister, dessen Termine mit anderen er eifersüchtig zu verhindern, verkürzen oder zu sabotieren versucht, indem er seine Liebe gesteht. Besonders eindrucksvoll gestalten sich auch die Auftritte der bösartigen und dickleibigen Diätkurs-Leiterin Marjorie Dawes, deren »Fat Fighters« von ihr auf alle erdenkliche Arten gedemütigt werden – bis sie in den »Abroad«-Folgen in den USA auf ihre Meisterin trifft und auch einmal einstecken muß. Eher surreal muten die Begegnungen des roboterhaften Kunden Mr. Man an, der im Lädchen von Roy und der konsequent unsichtbar bleibenden Margaret seine diffusen Wünsche (»Haben Sie ein Bild?«) äußert, sich dann aber auf zunehmend absurde Details kapriziert (»Ein Bild von einer depressiven kleinen Katze.«). Und dann sind da natürlich noch der aufopfernde Pfleger Lou und sein (zumindest zeitweise) an den Rollstuhl gefesselter Freund Andy, der etwas zu männlich wirkende Transvestit Emily Howard, der im Laufe der Staffeln noch eine andere »Lady« zur Seite gestellt bekommt – und und und… Beschreiben kann man das alles nur unzulänglich, besser ist selbst ansehen. Oder, um mit Kenny Craig, dem wohl schlechtesten Hypnotiseur der Welt zu schließen: Sieh mir in die Augen, sieh mir in die Augen, direkt in meine Augen, in die Augen, nicht daran vorbei, in die Augen. Du bist in Trance. Du wirst gleich losgehen und die Komplettbox Little Britain kaufen. 2008-11-13 13:10

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