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My Boy Jack

UK/IRL 2007. R: Brian Kirk. B: Daniel Haig. K: David Odd. S: Tim Murrell. M: Adrian Johnston. P: Ecosse Films, WGBH/Boston Production für ITV. D: Daniel Haig, Daniel Radcliffe, Kim Cattrall, Carey Mulligan u.a.
93 Min. NewKSM ab 13.11.08

Sp: Deutsch (DD 5.0, 2.0), Englisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.78:1 anamorph, Ex: Deleted Scenes, Interviews u.a.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Von Bettina Schuler Was ist man bereit, für seine Werte und Ideale aufs Spiel zu setzen? Diese Frage muß sich auch der »Dschungelbuch«-Autor Rudyard Kipling stellen, der durch den Ersten Weltkrieg die Stellung seines geliebten British Empire bedroht sieht. Selbst zu alt und zu geschwächt, um in den Krieg zu ziehen, übt er einen immensen Druck auf seinen Ältesten aus, sich als Freiwilliger für den Kriegeinsatz zu melden. Doch der wird zunächst von der Armee abgelehnt, weil seine schlechten Augen eine Gefahr für sich und seine Kameraden darstellen. Doch Kipling Senior gibt nicht auf und läßt seinen Einfluß so lange spielen, bis sein Sohn Jack zur Armee zugelassen wird, mit fatalen Folgen für die ganze Familie: Denn bereits während seines ersten Einsatzes kommt der gerade mal18Jährige ums Leben.

Es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt, daß Daniel Radcliffe hier ausnahmsweise keinen Zauberstab oder Nimbus 2000 in den Händen hält, sondern sich wie jeder andere Offizier mit einem banalen Gewehr zur Wehr setzt. Doch Radcliffe, der in diesem Film immer noch wahnsinnig jung ausschaut und dem man so manchen ernsten Satz, den ihm der Drehbuchautor und Kipling-Darsteller Daniel Haig in den Mund legt, nicht so recht abnimmt, hält sich wacker. Insbesondere während der Kampfszenen, in denen es Radcliffe wirklich überaus gut gelingt, das falsch verstandene Ehr- und Pflichtgefühl darzustellen, das viele Soldaten in den Tod trieb. Ebenso wacker schlägt sich Kim Catrall, die man eigentlich nur als nymphomanische Presseagentin aus Sex and the City kennt, und die in My Boy Jack in einer völlig konträren Rolle als Jacks Mutter zu sehen ist und der es hier fernab ihres sexy Images gelingt, eine sehr bescheidene Ehefrau zu mimen, die sich ganz dem Urteil ihres Mannes unterwirft und ihm erst widerspricht, als es bereits zu spät ist.

Regisseur Brian Kirk, den man vor allem durch seine Fernseharbeiten wie der Serie The Tudors kennt, setzt bei seiner Inszenierung von My Boy Jack auf Opulenz und Hochglanz: aufwendige Settings, ausschweifende Kamerafahrten und teilweise zu perfekte Ausstattung lassen den Film zunächst sehr glatt wirken. Doch wenn er mit der Kamera sehr dicht an seine Figuren herangeht, gelingt es ihm, trotz des TV-Event-Charakters im Verlauf des Films die Düsternis und das Grauen des Krieges einzufangen. Auch wenn er das ganz dem Klischee entsprechend vor allem durch die Figur der Mutter tut, die sich wie eine Besessene an jedes Fünkchen Hoffnung klammert, daß ihr Sohn doch noch leben könnte. Alles in allem ein solider Fernsehfilm, der sich den Literaturnobelpreisträger Kipling als Beispiel für die weit verbreitete Kriegseuphorie im Ersten Weltkrieg nimmt, die manch einer sogar über die Liebe zu seiner Familie stellte. Und der auf die Frage, warum ein so junger Mensch so sinnlos sterben mußte, nur einen Vers von Kipling selbst zuläßt: »If any questions why we died, tell them, because our fathers lied«. 2008-11-10 17:46

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