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Blissfully Yours

Sud sanaeha. TH/F 2002. R,B: Apichatpong Weerasethakul. K: Sayombhu Mukdeeprom. S: Lee Chatametikool. P: Kick the Machine, La-ong Dao, Anna Sanders Film. D: Kanokporn Tongaram, Min Oo, Jenjira Pongpas u.a.
125 Min. Filmgalerie 451 ab 18.7.08

Sp: Thailändisch & Burmesisch (DD 2.0) Ut: Deutsch. Bf: 16:9. Ex: Keine.

Ein Hauch von Nichts

Von Werner Busch In Thailand, als tief buddhistisch geprägtes Land, ist das Nichts – das Nirvana – etwas, das man nicht beschreiben, sondern lediglich erleben und erfahren kann. Vielleicht hat der aufgeschlossene Zuschauer nach Blissfully Yours einen Hauch hiervon erfahren. Apichatpong Weerasethakuls zweiter Langspielfilm aus dem Jahre 2002 ebnete dem 1970 geborenen thailändischen Filmemacher den Weg zu einer beachtlichen Karriere. Mit Blissfully Yours konnte Weerasethakul in Cannes den Prix Un Certain Regard gewinnen, und auch in den Folgejahren waren die Filmfestspiele von Cannes für Weerasethakul der entscheidende Karrieremotor: 2004 Gewinner des Jurypreises mit Tropical Malady und folgerichtig 2008 nun Mitglied der Jury neben einer ganzen Reihe klangvoller Namen. Gleichzeitig entwickelte sich Weerasethakuls Produktionsfirma »Kick the Machine« zu einer der bedeutendsten Instanzen in der aufstrebenden thailändischen Filmwirtschaft.

Dies alles erscheint dem geneigten Zuschauer umso erstaunlicher, wenn er schließlich beim Abspann des Ausgangspunktes dieser Erfolgsgeschichte angekommen ist. Blissfully Yours ist ein in vielfacher Hinsicht ungewöhnlicher Film. Er fokussiert auf eine höchst eigene Art Alltägliches und Banales in ausgedehnt langen Einstellungen, die nicht das große Bild suchen, sondern häufig willkürlich und nur selten bildkompositorisch gewählt erscheinen. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Paares, sie Fabrikarbeiterin, er illegaler Einwanderer aus Burma, der an einer – für den Zuschauer kaum sichtbaren – Hautkrankheit leidet. Beide verbringen einen Nachmittag im Dschungel und treffen dort auf eine gemeinsame Freundin.

Weder aus diesem Treffen noch aus den anderen Problemen der Figuren wird sich eine dramatische Wendung ergeben, Blissfully Yours ist weit von üblichen Erzählmustern entfernt. Der Film schafft Momente und Stimmungen, die in ungeahnter Langsamkeit am Zuschauer vorbeifließen. 45 Minuten zieht sich das, was man vielleicht als Exposition bezeichnen könnte, hin, bis plötzlich, zum ersten Mal, Musik aus dem Off erschallt, und der Vorspann beginnt. Schlagartig wird der Zuschauer hier noch einmal daran erinnert, sich einen inszenierten Film anzusehen. Etwas, daß er bis hierhin schon vergessen haben könnte.

Blissfully Yours ist eine Meditation über Alltägliches und Belangloses, über Langsamkeit, Konflikte unter der Oberfläche üblichen Handelns, über Krankheit, Tod und den Menschen als Teil einer übermächtigen Natur. Technische Unzulänglichkeiten in Kamera und Ton dürften dem bescheidenen Budget geschuldet sein und stören, ebenso wie die nur durchschnittlich talentierten Laiendarsteller in den Hauptrollen, nicht wesentlich. Für Zuschauer, die die Idee, einen über zwei Stunden langen Film fast ohne Handlung, fernab üblicher Erzählformen des Kinos, mit nur sehr reduziertem Grad an Inszenierung anzusehen, nicht abschreckt, ist Weerasethakuls Film ein unbedingtes Muß. Allen anderen sei der wesentlich zugänglichere und unterhaltsamere Tropical Malady empfohlen.

Einer deutschen DVD-Veröffentlichung muß um ihrer selbst Willen schon Respekt gezollt werden. Und dennoch: Der Umstand, daß das einzige Extra dieser DVD ein auf der Innenseite der Hülle abgedruckter kurzer Text mit Weerasethakuls Gedanken zum Film ist, hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack. Keine englischen oder sonstigen Untertitel, kein Audio-Kommentar, nicht einmal Texttafeln, gar nichts. Zweifellos also eine DVD, bei der Form und Inhalt bedauerlicherweise auf das Harmonischste zusammenfinden. Doch im Gegensatz zum Nirvana muß dies ja kein endgültiger Zustand sein, und vermutend, daß sich der Bekanntheitsgrad Weerasethakuls weiter vergrößern wird, darf man auf weitere, bessere Veröffentlichungen hoffen. 2008-09-08 12:03

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