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Veronica Mars

USA 2004-2007. R,B: Rob Thomas. R: John T. Kretchmer u.a. K: Joaquin Sedillo, Victor Hammer. S: Alan L. Shefland, Jim Gross, Daniel Gabbe. M: Josh Kramon. P: Silver Pictures Television, Stu Segall, Rob Thomas, Warner Bros. Television, Road Rebel, Warner Bros. Pictures. D: Kristen Bell, Percy Daggs III, Jason Dohring, Francis Capra, Enrico Colantoni, Ryan Hansen, Teddy Dunn, Michael Muhney, Tina Majorino u.a.
800, 882, 1000 Min. Warner ab 16.5.08, 15.8.08, 12.12.08

Sp: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 2.0), Französisch (DD 2.0), Spanisch (DD 2.0), Italienisch (DD 2.0), Ungarisch (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch u.a. Ex: Erweiterte Szenen, Outtakes.

Teen Noir with a Vengeance

Von Nils Bothmann Es erfreuen sich unterschiedliche Ermittlerserien aktuell großer Beliebtheit, darunter die actionreiche Terroristenhatz 24, der grobkörnig-rohe Polizeieinsatz The Shield und die analytische Leichenfledderei CSI. Daneben sticht Veronica Mars heraus, spielt die Serie zum einen im High School-Milieu und ist zum anderen dem Genre des Neo Noir, des Erben des Film Noir, zuzuordnen. Dementsprechend führt Titelfigur Veronica, Tochter des geschaßten Ex-Sheriffs und Privatdetektivs Keith Mars, mit Offtexten durch die Serie, die sich ganz klar nach Film Noir anhören.

Rob Thomas' erfrischend andere Serie brach keine Quotenrekorde, brachte es aber auf eine treue Fanbasis, die jedoch nicht verhindern konnte, daß Veronica Mars nach drei Staffeln eingestellt wurde. Zwar paßte man das Konzept angesichts des drohenden Endes ein wenig an, indem man Staffel 3 für Gelegenheitsseher erzählerisch zugänglicher machte, doch es rettete nicht vor der Absetzung. Nachdem in den USA bereits seit einer Weile DVDs erschienen sind, veröffentlicht Warner die Staffeln nach und nach auch in Deutschland. Aus dem Fernsehen ist die Serie hierzulande relativ unbekannt, da das ZDF Veronica Mars mit einer mäßigen Synchronisation und absurden Ausstrahlungszeiten (erst Samstag Mittag, später mitten in der Nacht) zugrunderichtete.

Dabei handelt es sich hier um eines der besten US-Fernsehformate der letzten Jahre, das nicht einfach nur aktuellen Trends hinterherhechelt, sondern ganz eigene Weg geht und mit erzählerischer Komplexität aufwarten kann. In Staffel 1 und 2 gilt es, einen Hauptfall zu lösen (in Staffel 1 z.B. den Mord an Veronicas bester Freundin), in Staffel 3 zwei größere Fälle (ein Zugeständnis an Gelegenheitsseher). Zudem besitzt jede Folge meist noch einen kleineren Fall, den es zu lösen gilt, und bereits da ist das erzählerische Können der Macher zu sehen, denn Veronica Mars schafft es, kleinere Fälle und Ermittlungen im großen Fall wunderbar nebeneinander laufen zu lassen, gelegentlich auch ineinander zu verweben.

Neben der ausgesprochen cleveren, Spannung erzeugenden Struktur und der großartig spielenden Besetzung (allen voran Kristen Bell, Francis Capra und Enrico Colantoni) sind es jedoch vor allem zwei Aspekte, die Veronica Mars so lohnenswert machen. Zum einen der außerordentlich pointierte Sprachwitz, welcher der Serie auch bei ihrem Kriminalanteil einen lockeren Ton verleiht und dabei mit zahlreichen popkulturellen, intermedialen Verweisen aufwartet, von Citizen Kane über The Sixth Sense bis zu House of Wax. Trotzdem schafft es Veronica Mars, nicht verharmlosend zu wirken im Angesicht von Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Kindesmißhandlung. Da ist die Serie ganz Noir und läßt seine Heldin auch tief durch den Schmutz waten, der sich im Handlungsort Neptune angesammelt hat.

Zum anderen sind es vor allem die moralischen Ambivalenzen, die Veronica Mars auszeichnen. Selbst die Heldin ist als notorische Lügnerin, gelegentliche Gesetzesbrecherin und bekennende Vigilantin alles andere als eine strahlende Idealfigur, so edel ihre Motive auch sein mögen, und derartiges findet sich in fast jedem der auftretenden Charaktere wieder, z.B. bei dem kriminellen, aber stets nach eigenen moralischen Prinzipien handelnden Bikerchef Weevil. Auch die Tatsache, daß ein Großteil von Neptunes Schülern aus Millionärskindern besteht, erlaubt Veronica Mars größeren Handlungsspielraum: Mit Papas Knete im Rücken können selbst Highschool-Kids Pläne durchführen, die eines Blofeld würdig wären, wodurch sich noch tiefere moralische Abgründe auftun – wie im Film Noir eben, an den sich auch der visuelle Stil der Serie (vor allem was die Ausleuchtung angeht) anlehnt.

Für all diejenigen, die sich der Faszination von Veronica Mars hingeben wollen, sind in Deutschland bisher die ersten beiden Staffeln jeweils als Komplettbox erschienen, die dritte dürfte in absehbarer Zeit folgen. Die Extras entsprechen denen der US-DVDs und bieten in erster Linie Deleted Scenes als Bonus, die ganz interessant sind. Größter Vorteil ist allerdings die Tatsache, daß man Veronica Mars im englischsprachigen Original genießen kann, das der ausgesprochen mäßigen Synchronisation vorzuziehen ist. 2008-09-01 10:36

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