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S.L.C. Punk

USA 1998. R,B: James Merendino. K: Greg Littlewood. S: Esther P. Russel. M: div. D: Matthew Lillard, Michael Goorjian, Til Schweiger, Annabeth Gish u.a.
98 Min. Columbia Tri-Star ab 27.4.07

Sp: Englisch (DD 5.1). Ut: Englisch, Spanisch, Französisch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Original-Comicbuch Präsentation, Audiokommentare, Soundtrack u.a.

Von der Angst, normal zu sein

Von Oliver Baumgarten 1997 war es die riesen Meldung: Til Schweiger spielt neben Chow Yun-fat in einem Hollywood-Actionfilm! Das Ergebnis von Replacement Killers allerdings war, gelinde gesagt, mau und ließ das deutsche Publikum konsequent kalt. Nachdem er angeblich die Chuzpe besessen haben soll, Spielberg für Der Soldat James Ryan abzusagen, wurde es zunächst etwas ruhiger um Schweigers Hollywoodträume. Doch dann startete mit S.L.C. Punk ein kleiner, quirliger Film, der Til Schweigers Auslandskarriere in einem gänzlich anderen, nämlich bescheideneren und überzeugenden Licht zeigt. Im unglaublich temporeichen Generationsporträt von James Merendino spielt er neben dem berühmt-berüchtigt agilen Matthew Lillard (Scream) einen als Vollwaise aufgewachsenen Millionenerben, der aus Einsamkeit kleinere Exzentriken entwickelt, sprich: Er knallt völlig durch. Schweigers Figur, die dieser mit sichtlichem Vergnügen entschieden gegen den Strich spielt, gehört zum an Sonderlingen nicht armen Bekanntenkreis von Punk Stevo. Stevo führt die Zuschauer durch sein Leben, das Mitte der 80er von Sex, Drugs & Rock'n'Roll bestimmt ist, von Parties, Schlägereien, gar seltsamen Vögeln, Individualismus und – Anarchie. Der mit triumphierendem Spaß geführte Kampf gegen die Eltern, der feste Glauben, das einzig wahre Leben zu führen, hemmungslose Exzesse aller Art, Drogen bis der Arzt kommt – all das beherrscht sein atemloses Leben. Irgendwann jedoch gewinnt plötzlich eine gewisse Selbstreflexion die Oberhand, Stevos Kumpanenkreis wird immer kleiner, und über all dem schwebt die Angst, »normal« zu sein.

James Merendino ist mit S.L.C. Punk ein intensiver, schneller und sympathisch verrückter Film gelungen, der auf erstaunlich lockere Art sein Lebensgefühl vermittelt. Chaos und Delirium finden ihren dynamischen Ausdruck im Zusammenspiel flotter Jump Cuts und der herausragend vitalen Kamera Greg Littlewoods. Dieser muß auch Til Schweiger derart imponiert haben, daß er ihn prompt für seinen Thriller Der Eisbär engagierte. Allen übrigens, denen Matthew Lillard bisher zu zappelig war, bietet er in S.L.C. Punk zwar nicht gerade gestische Nulldiät, aber dafür exakt jene energiegeladene Nullbockstimmung, die bisher noch jedes Establishment auf die Barrikaden brachte. Spätestens mit Merendinos Film war es soweit, daß die prätentiöse Generation X sich ausgequasselt hatte. Nun waren die Punks wieder da! 2008-08-29 12:05

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