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Die Sunshine Boys

The Sunshine Boys. USA 1995. R: John Erman. B: Neil Simon. K: Tony Imi. S: Jack Wheeler. M: Irwin Fischer. P: Hallmark Entertainment, Metropolitan Productions, RHI Entertainment. D: Woody Allen, Peter Falk, Sarah Jessica Parker, Whoopi Goldberg, Liev Schreiber, Jennifer Esposito, Edie Falco, Andy Taylor u.a
85 Min. KNM Media ab 14.9.07

Sp: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.33:1. Ex: Trailer, Sideshow.

Kekse für Columbo

Von Daniel Bickermann Einen zweiten Aufguß herauszubringen, noch dazu ein amerikanisches TV-Remake eines vierfach oscarnominierten Films, kann sich ein deutscher DVD-Verleiher nur dann leisten, wenn es das Original gar nicht erst so richtig an unsere Gestade geschafft hat. So geschehen mit Herbert Ross’ The Sunshine Boys nach einem Theatererfolg von Neil Simon, der hierzulande 1975 unter dem unerklärlichen Titel Die Sunny-Boys durch die Kinos zog und trotz Meisterleistungen von Walter Matthau und George Burns bis heute auf eine deutsche DVD-Veröffentlichung wartet. Statt dessen kriegt das hiesige Publikum Die Sunshine Boys vorgesetzt, besagtes TV-Remake aus dem Jahr 1995, entstanden unter dem TV-Routinier John Erman, dafür immerhin mit Woody Allen und Peter Falk in den Hauptrollen.

Trotzdem: Es ist ein unglücklicher Tausch. Schon die Drehbuchadaption, die die Broadway-Legende Neil Simon selbst anfertigte, wirkt bei aller Schlagfertigkeit ein wenig altbacken und blutleer. Simon, der mit seinen Vorlagen zu The Odd Couple und Barefoot in the Park weltweite Berühmtheit erlangte, kriegt seinen spürbar in den 70ern verankerten Stoff, in dem melancholisch die 50er reflektiert werden, nicht dazu, in den 90ern melancholisch die 70er zu reflektieren.

Hauptschuld trifft aber Regisseur Erman, der hier den perfekten Bügelfilm geschaffen hat: Durchaus amüsant, mit behäbiger Geschwindigkeit, vielen wortlosen Laufszenen und Verabschiedungen und Abschweifungen bei gemütlichem Big Band-Jazz, und auf der Bildebene passiert wirklich überhaupt nichts. Der Geschichte um das gealterte Komikerduo, das sich zehn Jahre nach seiner Trennung im Streit für einen letzten großen Filmauftritt nochmal zusammenraufen muß, kann man recht leicht folgen, und auch als Hörspiel beim Zimmersäubern, Blumengießen oder eben Bügeln verliert der Film nicht spürbar an Qualität.

Das liegt auch an den Schauspielern, die zwar sympathisch bleiben und überzeugen können, aber eben auch nie so richtig gefordert werden. Gerade der ewige »slouch« Peter Falk, der hier ein deutliches Übergewicht an Szenen hat, hatte 1995 eigentlich nur noch einen einzigen Gesichtsausdruck: Wie ein Corleone der Comedy, wie ein Don Vito des Vaudeville ächzt er seine Dialoge mit italienischem Einschlag durch sein unbeweglich grinsendes Bulldoggengesicht. Daß man ihm selbst dabei tagelang zuschauen könnte wie einem alten Freund, unterstreicht zwar die große Herzlichkeit und Wärme, die Falk seit jeher ausstrahlte, spricht aber auch nicht unbedingt für den Film. Woody Allen hängt derweil in der Couchgarnitur herum und macht seinen üblich-nervösen Schtick, nur nicht ganz so bissig wie sonst und diesmal eben im Sitzen – wie gesagt, alles sehr gemütlich.

Und so tröpfeln die leicht antiquiert wirkenden Oneliner und Komikroutinen vor sich hin, die jüngeren Nebendarstellerinnen Sarah Jessica Parker und Edie Falco passen sich gerne der gemächlichen Geschwindigkeit von Kollegen und Regie an, und die drei oder vier Standardroutinen werden variiert und neu variiert, bis sie ein bißchen ausgeleiert wirken. Im Vergleich jedenfalls zu den inhaltlich verwandten, aber energetischen und turbulenten Matthau-und-Lemon-Spätwerken, in denen auch mal böse die Fetzen fliegen durften, ist das hier eine ausgesprochen milde Männer-amour fou.

So bleibt Die Sunshine Boys ein kleiner Film, durchaus humorig und streckenweise auch sehr unterhaltsam, aber ein Nebenwerk, eine kleine Kuriosität, mehr nicht. »Diese Kekse darf ich essen«, knurrt Falk einmal. »Die sind so alt, damals gab es noch gar kein Cholesterin.« Er hat recht: Wer nichts gegen ein etwas staubiges Gefühl und einen schalen Beigeschmack hat, der wird auch keinen Schaden nehmen, wenn er diese alte Keksdose öffnet. 2008-08-04 11:36

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