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Planet Erde

Planet Earth. GB 2006. R: Andy Byatt, Alastair Fothergill. B: David Attenborough. K: Michael Kelem, Andrew Shillabeer, Mike Madden. S: Thom Sulek, Andy Netley. M: George Fenton, Sam Watts. P: BBC, BR, WDR.
650 Min. Polyband ab 25.1.08

BD. Sp: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 5.1). Ut: Englisch. Bf: 1.78:1 anamorph, 1080p. Ex: Zwei Bonus-Dokumentationen.

Im Großen & Ganzen

»Planet Erde« ist jüngst auf Blu-ray erschienen und belegt eindrucksvoll die Kapazitäten des Mediums

Von Stefan Höltgen Gelegentlich liest man vor allem in cineastisch orientierten Texten, daß es derzeit noch nicht relevant sei, zwischen der alten DVD und dem neuen Format (Blu-ray) zu unterscheiden. Das ist jedoch keineswegs richtig. Beim Einsatz von HD-Auflösung voll unterstütztender Wiedergabetechnologie bekommt man ein vielfach (genau genommen: fünffach) so scharfes Bild geboten wie bei der DVD. Daß dieser Sprung in der Bild- und Tonqualität (Blu-ray Discs lassen aufgrund höherer Speicherkapazität den Heimeinsatz unkomprimierter Mehrkanal-Tonspuren zu) nicht bloß ein technologischer Gimmick ist, sondern seinen Sinn auch in neu entwickelten Filmästhetiken findet, zeigt eindrucksvoll die Dokumentarfilmserie »Planet Erde«, die zeitgleich auf DVD, Blu-ray und dessen mittlerweile vom Markt verdrängten Konkurrenten HD-DVD erschienen ist.

Für das Entstehen der 13 jeweils 50minütigen Episoden haben 40 Kamerateams innerhalb von fünf Jahren Produktionszeit insgesamt 200 Drehorte besucht. Die Filme, die dabei unter Einsatz modernster Kameratechnologien entstanden, sind grob thematisch gebündelt: »Von Pol zu Pol«, »Meereswelten« oder »Waldwelten« heißen sie etwa. Was in den einzelnen Episoden geboten wird, ist weniger der traditionelle, naturfilmerische Einblick als vielmehr der Versuch, einen kursorischen Überblick über Lebensräume zu geben. Der Akzent der Gesamtserie liegt auf dem Schauwert. Dieser ist in der Dokumentarfilmgeschichte zwar auch immer bedient worden, jedoch selten derart ins Zentrum gerückt. Dabei sind es doch aber gerade die Bilder, die den Film bestimmen und die in einer Zeit, in der über die meisten Naturfilm-Sujets schon unzählige Beiträge existieren, vielleicht noch Interesse beim Zuschauer wecken können. Was »Planet Erde« in dieser Hinsicht zu bieten hat, ist allemal sehenswert.

Der elaborierten Technologie ist es zu danken, daß hier völlig neue Anblicke geboten werden: Herdenzüge aus größter Höhe gefilmt, Flüge über Gebirgsketten, in die kleinsten und engsten Winkel des Urwalds, Sanddünen entlang, in Eiswüsten hinein. Extreme Verlangsamung oder Beschleunigung von Bewegungen ohne Qualitätsverlust. Dieser Überblick verliert jedoch nie das Detail aus dem Auge, sondern macht es im Gegenteil in seinem großen Zusammenhang erkennbar, was den besonderen Reiz von »Planet Erde« ausmacht. Die High-Definition-Medien kommen dieser spezifischen Ästhetik, die Erhabenheit und Schönheit verbindet, weitestgehend entgegen. Bei großen Bilddiagonalen offenbart sich diese Ästhetik und gewinnt über den Einsatz eines HD-fähigen Videobeamers noch atemberaubendere Züge. »Planet Erde« wirbt damit, »das ultimative Porträt unseres Planeten« zu sein. Versteht man in dieser Werbezeile die Betonung des Porträthaften, das hier in einen Dokumentarismus des Hyperrealen eingeht, dann läßt sich dem nur zustimmen: So, wie »Planet Erde« den Planeten Erde zeigt, hat man ihn vorher noch nicht gesehen. 2008-06-30 14:08

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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