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Tex Avery's Droopy: Die komplette Collection

USA 1943-1959. R,B: Tex Avery, Dick Lundy, Michael Lah. P: Hanna Barbera.
157 Min. Warner ab 23.11.07

Sp: Deutsch (DD 1.0), Englisch (DD 1.0), Französisch (DD 1.0). Ut: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Französisch. Bf: 1.33:1 Vollbild. Ex: Dokumentation "Droopy und seine Freunde", Erweiterte Szenen.

Zack, die Enten

Von Carsten Tritt Die alten Disney-Cartoons beeindrucken selbst heute noch mit ihrer detailliert räumlichen Animation. Allerdings bleibt es auch bei der Faszination des Technischen, denn ansonsten sind die Filme nur harmlos und bieder. Als Schlesinger/Warner seine Versuche beendete, die familienfreundliche Disney-Ware zu imitieren, begann hingegen der unterhaltsamste Teil der Geschichte des US-Animationsfilms. Der Che Guevara dieser Revolte gegen Disneys Vorherrschaft hieß Tex Avery.

Friz Freling und Chuck Jones, die besten Regisseure der Warner Animation, führen ihr Verständnis von Pointierung und Timing unmittelbar auf ihn zurück. Averys Filme sind Inbegriff des komödiantischen Timings, und Avery schreckte dafür sogar nicht vor dem zurück, was Editoren heute »Framefucking« nennen: Er sezierte am Einzelbild die Dauer einzelner Gags, nahm sich selbst fertige Filme noch mal vor, nur um hier oder dort noch einen einzelnen Frame herauszuschneiden.

1942 wechselte der Regisseur von Warner zur MGM und schuf dort alsbald seine Figur Droopy Dog. In der soeben erschienenen Doppel-DVD »Droopy – Die komplette Collection« sind die 24 für das Kino erstellten Droopy-Cartoons veröffentlicht, davon 16 aus der Hand von Avery. Droopy stellt dabei eine Abweichung zu den überdrehten Avery-Schöpfungen wie Daffy Duck oder Screwball Squirrel dar. Er kontrapunktiert bereits im ersten Film Dumb-Hounded (1943) das für Avery typisch hohe Tempo, wenn der Film mit jedem Auftauchen Droopys abrupt zum Stillstand kommt. Dumb-Hounded spielt größtenteils in der Perspektive eines Gefängnisausbrechers (der böse und sexgeile Wolf u.a. aus Averys The Blitz Wolf von 1942), der feststellen muß, daß Wachhund Droopy an jedem seiner Fluchtverstecke schon auf ihn wartet – Droopy tritt hier vor allem als Running Gag auf (wobei der Begriff nicht wirklich paßt – der einzige, der rennt, ist ja der Wolf). Avery absurdiert Naturgesetze wie auch sogar filmische Gesetzbarkeiten, wenn etwa der Wolf in einer scharfen Linkskurve nicht nur von der Straße, sondern gleich aus dem Filmstreifen herausrutscht. Er überhöht in seinen Filmen Sex- und Gewaltdarstellung ins Skurrile oder überrascht in Three Little Pups (1953) sogar mit feinstem trockenen Humor, wenn der dortige neue Südstaaten-Wolf sämtliche ihm zugefügte Qualen mit der selben Lakonie erduldet, mit der Droopy sie ihm zufügt. Wenn auch einige von Averys Gags heute vorhersehbar sind – schließlich wurden sie inzwischen schon unzählige Male geklaut, und auch Avery selbst recycelte gerne sogar ganze Storylines – wirken seine Arbeiten heute immer noch so frisch, daß sie nicht nur Dokument eines wichtigen Teils der Film- wie Humorgeschichte sind, sondern vor allem sinnfreies filmisches Vergnügen höchsten Niveaus. 2008-02-11 10:40

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #49.
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