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Cold Prey – Eiskalter Tod

Fritt Vilt. N 2008. R,B: Roar Uthaug. B: Thomas Moldestad, Martin Sundland. K: Daniel Voldheim. S: Jon Endre Mørk.M: Magnus Beite. P: Fantefilm. D: Ingrid Bolsø Berdal, Rolf Kristian Larsen, Tomas Alf Larsen u.a.
93 Min. Sunfilm ab 7.12.07

Sp: Deutsch (DD 5.1), Norwegisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Making of, Blooper, Trailer, Probeaufnahmen, Kurzfilm »En aften i det grønne«, Kurzfilm »The Axe Killer« (Easteregg).

Skandinavischer Slasher

Von Jens Dehn Es wird viel gerannt in Cold Prey. Durch tiefen Schnee, über verlassene Hotelflure und durch dunkle Keller. Meistens mit einem panischen Blick zurück und der bangen Frage in den weit aufgerissenen Augen: »Ist er schon hinter mir?« Filme, in denen junge, attraktive Menschen vor wahnsinnigen Massenmördern davonlaufen, sind immer gut. Weil sie so ehrlich sind: Sie haben den überschaubaren Anspruch, dem Publikum einen gehörigen Schrecken einzujagen, wollen dabei nicht mehr sein als sie sind, und als Zuschauer weiß man sofort, was man bekommt.

An Ostern brechen die fünf Mittzwanziger Jannicke, Eirik, Ingunn, Mikal und Morten ins verschneite Jotunheim-Gebirge auf, um abseits der Touristengebiete zu snowboarden. Bei der Abfahrt verliert Morten die Kontrolle, stürzt und bricht sich das Bein. Fernab von Zivilisation, dem geparkten Auto und einem Handynetz, finden die fünf Freunde gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit Unterschlupf in einem heruntergekommenen, seit 30 Jahren verlassenen Hotel. Natürlich liegt ein Geheimnis über diesem Ort, und natürlich sind die Fünf nicht wirklich alleine… Was sich anhört wie eine norwegische Kopie der in den letzten Jahren wieder in Mode gekommenen Slasherfilme à la Wrong Turn, House of Wax oder Texas Chainsaw Massacre – ist es auch. Ganz im Stil der genannten Produktionen macht sich ein unheimlicher Killer in der Folgezeit daran, die Gruppe zu dezimieren. Dabei läßt er sich auch von allem hektischen Geschrei der Opfer nicht aus der Ruhe bringen und vollführt sein Tagwerk mit stoischer Gelassenheit. Die Palette der Arbeitswerkzeuge, derer sich irre Massenmörder in Filmen bedienen, wird hierbei um die klassische Spitzhacke erweitert.

Eigentlich ist der Teenie- und Twen-Slasher ja ein ur-amerikanisches Genre, in dem vorzugsweise degenerierte Hillbillies aus dem Süden den Nachwuchs der gutbürgerlichen Mittelschicht meucheln. Doch auch in Europa hat man es mittlerweile gelernt, junge Menschen auf möglichst blutige Art und Weise ihres Lebens zu berauben – mit oftmals überzeugenderem Ergebnis. Der Franzose Alexandre Aja mit High Tension und vor allem The Descent des Briten Neil Marshall sind ihren US-Vorläufern in der Konsequenz ihrer Erzählung überlegen. Nun folgt mit Cold Prey also die norwegische Slasher-Variante. Roar Uthaug, bislang im Video- und Werbeclip-Bereich tätig, orientiert sich bei seinem Regiedebüt ganz unverhohlen an den amerikanischen und europäischen Vorbildern – mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen.

Die Handlung von Cold Prey ist – selbst für ein solches Genre-Stück – doch arg vorhersehbar und setzt sich zusammen wie aus einem Baukasten moderner Horrorfilmstandards. Daß solche Filme nicht jeder Logikprüfung standhalten, ist dabei nichts Neues. Natürlich könnte man sich immerwährend Fragen stellen wie: Warum steht in einer so betont einsamen Gegend ein Hotel? Was macht so ein Psychopath eigentlich, wenn mal keine Leute vorbeikommen? Und vor allem: Wieso zum Teufel bringt der Hausherr überhaupt alles und jeden um, der ihm vor die Spitzhacke läuft? Doch wer sich mit solchen Fragen beschäftigt, ist für diese Art Film wahrscheinlich ohnehin zu intellektuell veranlagt und sollte sich lieber wieder auf die Handlung konzentrieren, bevor er den nächsten Mord verpaßt. Natürlich ist auch ziemlich schnell klar, wer das letzte der fünf kleinen Negerlein sein wird, das es schließlich ganz alleine mit dem übermächtigen Killer aufnehmen muß.

Daß Cold Prey dennoch über dem Durchschnitt gängiger Slasher-Filme liegt, ist in erster Linie seiner guten Besetzung und einer besonnenen Regie zu verdanken, die nicht den Fehler so vieler vergleichbarer Produktionen begeht, sich in immer drastischeren Gewaltdarstellungen zu versuchen. Stattdessen nimmt sich Uthaug verhältnismäßig viel Zeit, seine Charaktere einzuführen und die Zuschauer zu deren Verbündeten zu machen (zudem tut uns der Killer den Gefallen, die größten Nervensägen zuerst zu holen). Ein weiterer Pluspunkt ist das verschneite Setting, das Kameramann Daniel Voldheim edel in Szene setzt. Wie das unerforschte Höhlensystem in The Descent sorgt auch in Cold Prey die natürliche Umgebung für stete Beklemmung und Ausweglosigkeit. Die Wahl des Hotels als Kulisse ist dabei eine fraglos bewußt gewählte Verbindung zu Kubricks The Shining, der es schon vor 27 Jahren verstand, inmitten endloser, schneebedeckter Weiten das Gefühl der Klaustrophobie heraufzubeschwören. Zudem hat der Film – trotz aller Vorhersehbarkeiten – eine gut funktionierende Spannungsdramaturgie, und die kühl gefilterten Farben sorgen für stimmige Atmosphäre. Das alles hat zur Folge, daß Cold Prey durchweg unterhält und keine Langeweile aufkommt. Und das ist schon mal mehr, als man über viele seiner amerikanischen Vorgänger sagen kann.

In Norwegen sahen eine Viertelmillion Menschen Fritt Vilt (Originaltitel) im Kino. Ein überaus beachtenswertes Ergebnis angesichts einer Einwohnerzahl von gerade einmal 4,7 Millionen. Die Konsequenz des Erfolgs ist auch hier die gleiche wie in Amerika: Im Herbst 2008 kommt Fritt Vilt 2 in die Kinos. 2008-01-04 13:06

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