— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Peter Greenaway – Frühe Filme 1 & 2

The Falls (1980), Vertical Feature Remake (GB 1978), A Walk Through H (GB 1978), Dear Phone (GB 1977), Windows (GB 1975), Water Wrackets (GB 1975), H is for House (GB 1973), Intervals (GB 1969).
318 Min. absolut Medien 21.3.05

Sp: Englisch (DD 2.0), Ut: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Italienisch. Bf: 1.33:1 Vollbild. Ex: Filmeinführungen, Galerien.

Zwischen Bild und Text

Von Sascha Seiler Eine der schwierigsten Aufgaben für den Cineasten dürfte es darstellen, Filme des im Grunde ja nicht völlig unbekannten britischen Regisseurs Peter Greenaway auf DVD zu bekommen. Daß jetzt gerade die experimentellen Frühwerke und nicht die relativ erfolgreichen Filme der 80er Jahre veröffentlicht werden, mag seltsam anmuten, ist aber eine notwendige Entscheidung, sind diese Filme doch für viele das Zentrum des reichen Œuvres Peter Greenaways.

Hier von Kurzfilmen zu sprechen wäre übrigens nur teilweise richtig, da der letzte Film auf dieser Doppel-DVD, »The Falls«, eine Länge von 181 Minuten hat, andere, wie »Vertical feature Remake« und »A Walk Through H« überschreiten die magische 45 Minuten-Grenze. Dann wiederum dauert »Windows« nur 4 Minuten und die meisten anderen pendeln sich ebenfalls bei einer Länge um 10 Minuten ein.

Im Gegensatz zu den Spielfilmen steht der visuelle Aspekt beim Frühwerk weniger im Vordergrund als das Verhältnis zwischen Bild und Text, wobei der Text die prädominante Rolle einnimmt und die Aufnahmen in vielen Fällen nur dazu dienen, den Text kontrapunktisch zu untermalen, ergo zu verfremden.

Eine dritte Ebene stellt in »A Walk Through H«, dem gelungensten der Filme, die Malerei Peter Greenaways dar: Man hört einen Off-Sprecher, der erzählt, wie er ein fiktives Land durchwandert hat, anhand von 92 Landkarten, die, als Gemälde Greenaways, von der Kamera abgefilmt werden. Meistens berichtet er über die Wanderung und wie er an das jeweilige Bild gelangte: durch Einkauf, Diebstahl, Auktionen, usw. Einige haben sich nach dem Durchwandern als Fälschungen herausgestellt, das macht sich dadurch bemerkbar, daß echte Karten nach dem Durchschreiten verschwinden, bis lediglich ein kleines rotes Kreuz übrig bleibt. Bei Fälschungen ist dieses Kreuz nicht zu sehen. Am Ende steht eine Auflösung, die aber im Verlauf der Geschichte redundant geworden ist, so zumindest der Sprecher.

»The Falls«, Greenaways persönlicher Favorit, operiert ähnlich kummulativ: Es werden von einem Off-Sprecher die Schicksale von 92 Menschen abgehandelt, deren Nachnamen alle mit den Buchstaben F-A-L-L beginnen und die durch ein nicht näher erläutertes »great unknown event« verbunden sind. Dieses »event« änderte bei einigen die Sprachfähigkeit, andere konnten plötzlich fiktive Fremdsprachen sprechen, andere wiederum fühlten sich Vögeln verwandt. Es dauert dann drei Stunden, bis alle Personen abgehandelt sind. Dazu sieht man meist Landschaftsaufnahmen, viele Vögel und bisweilen auch mal einen Statisten.

Auf diese Art funktionieren all diese Filme: Sie folgen einer gewissen numerischen Ordnung, die Ausarbeitung der Plots erfolgt immer symmetrisch oder kummulativ, Vögel sind omnipräsent, so auch Greenaways Lieblingsberufsgattung, der Ornithologe. Und Tulse Luper. Aber das ist eine andere Geschichte. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap