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Nightmare Detective

Akumu tantei. J 2006. R,B,K,S: Shinya Tsukamoto. M: Chu Ishikawa, Tadashi Ishikawa. P: Kaijyu Theater, Movie-Eye Entertainment. D: Hitomi, Ryuhei Matsuda, Shinya Tsukamoto, Masanobu Ando u.a.
101 Min. Sunfilm ab 27.7.07

Sp: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Japanisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Interviews, Einführung, Publikumsgespräch, Fotogalerie, Making of u.a.

Bei Anruf Selbstmord

Von Dietrich Brüggemann Die Zeiten, als man Hollywood als »Traumfabrik« bezeichnete, liegen auch schon wieder etwas zurück. Ganz zutreffend war der Begriff nicht, denn um Träume ging es im großen Kino nie so wirklich. Es war eher ein kleiner, randständiger Bereich des Kinos, der sich der Logik und der Welt des Traums öffnete. Dabei sollte das Reich der Träume mit der Befreiung von den Zwängen der Realität eigentlich ein Traum für jeden Filmemacher sein, könnte man denken, aber der letzte kommerzielle Film, der zu einem erheblichen Teil in den Träumen seiner Helden spielte, war möglicherweise Nightmare On Elm Street.

Jetzt kommt aus Japan ein Horrorfilm auf DVD zu uns, der sich mit Träumen beschäftigt. Shinya Tsukamoto, der Ende der 1980er mit Tetsuo einen Underground-Klassiker geschaffen hat, hat Nigthmare Detective geschrieben und inszeniert. Eine junge Polizistin verfolgt eine Serie von rätselhaften Selbstmorden und kommt dahinter, daß alle Opfer vor ihrem Tod dieselbe Nummer gewählt haben. Sie entwickelt eine gewagte These: Geht in den Träumen möglicherweise ein Killer um? Ja, das klingt wie Nightmare On Elm Street, und es klingt außerdem nach einem geradlinigen Horrorfilm, der gekonnt mit unseren Urängsten jongliert.

Nun ist es ja so eine Sache mit den DVD-Premieren. Einerseits beklagt man, daß immer weniger innovative Filme es hierzulande in die Kinos schaffen, die wahren Meisterwerke werden wie Geheimtips unter der Hand weitergereicht, und manchmal ist auch ein echter Meilenstein darunter wie z.B. Donnie Darko, der sich auf DVD völlig zu recht zum Kultfilm entwickelte. Andererseits sind es dann doch oft Filme, die einfach nicht so richtig gelungen sind, wo man dann die Zurückhaltung der deutschen Verleiher wieder verstehen kann. Mir ging es ja sogar kürzlich mit einem Film so, der gemeinhin als Klassiker gilt, nämlich Ring. Die Geschichte ergab keinen erkennbaren Sinn, Angst hatte ich nirgends, mir war stattdessen langweilig und meiner Freundin auch.

Mit Nightmare Detective ist es leider ähnlich. Die Alpträume sehen nicht anders aus als die kalte, glatte Großstadt, in der der Film sowieso spielt, furchteinflößende Atmosphäre soll mit entfesselter Kamera und überbordendem Sounddesign erzeugt werden, aber es wirkt einfach nur wie eine Hochschulübung in entfesselter Kamera und überbordendem Sounddesign. Es fließt eine ganze Menge Blut, aber auch das ist irgendwie egal. Legt man darüber hinaus noch die üblichen filmischen Kriterien an, dann kommt auch nicht besonders viel dabei heraus. Die Figuren sind austauschbar, man empfindet nichts für niemanden, und die emotionale Beteiligung, die manchen Horrorfilm über den Horror hinaus zum Film macht, kann sich nirgends einstellen. Die Kamera ist elegant, die Bilder fließen schön, doch das sind Sekundärtugenden, die den Film leider nicht retten. Mag sein, daß Genre-Aficionados hier Dinge finden werden, die an mir komplett vorbeigehen, aber aus Sicht des durchschnittlichen Normalcineasten ist leider wenig zu holen. 1970-01-01 01:00

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