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MPS – Jazzin' The Black Forest

CH 2006. R,B: Elke Baur. K. Jürgen Partzsch. M: Rolf Bütikofer, Albert Mangelsdorf u.a.
107 Min. Monitorpop ab 1.9.06

Sp: Deutsch (DD 2.0). Ut: Deutsch, Englisch. Bf: 1.33:1 Vollbild. Ex: Postkarten-Set.

Filmische Session

Von Gerd Naumann Als im Jahr 2004 Hans-Georg Brunner Schwer durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam, hat die Musikwelt einen Idealisten verloren. Der unter Freunden nur unter dem Kürzel HGBS bekannte Brunner Schwer war Gründer und Leiter des Jazzlabels MPS. »Most Perfect Sound« war gleichsam das Anliegen des Labels, das schon damals unter Musikliebhabern einen legendären Ruf genoß und heute, unter anderem durch Aktivitäten diverser DJs, wiederentdeckt wird.

Mitten im Schwarzwald war das Tonstudio verborgen, und doch waren hier die Großen des Jazz zuhause. Auf Grund der hervorragenden Produktionsqualität und der familiären Atmosphäre fühlten sich die Musiker hier zuhause. So konnte beispielsweise Oscar Peterson kaum glauben, daß er hier zum ersten Male Aufnahmen seines Klaviers hören konnte, wie er sie für richtig hielt. Zwar gab es in den letzten Jahren einige Wiederveröffentlichungen diverser MPS-Titel, doch die meisten Platten warten nach wie vor auf eine Überspielung für das digitale Zeitalter.

Umso wichtiger ist die Dokumentation von Elke Baur. In MPS – Jazzin' The Black Forest nimmt sie die Spuren ehemaliger Mitstreiter und heute noch aktiver Musiker auf. Die Dokumentation beginnt zunächst herkömmlich. Die Aktualität des Labels wird unter anderem durch die Statements des bekannten DJs Rainer Trüby untermauert. Schließlich kommt es auch zu einem Gespräch mit Brunner Schwer persönlich, der leider während der Arbeiten an der Dokumentation verstarb. Bis zu diesem Zeitpunkt lebt der Film zu einem großen Teil von der unbestreitbaren Agilität Brunner Schwers, und es ist interessant zu sehen, wie sich danach der dokumentarische Fokus verschiebt. Von nun an zelebriert Elke Baur das Phänomen MPS noch intensiver. Es scheint, als hätte nun der verjazzte, oftmals ekstatische Rhythmus einer typischen MPS-Produktion auch Einfluß auf den kreativen Prozeß während der Montage genommen.

Es ist wundervoll zu erleben, daß Baur zeitgenössisches Material für sich selber sprechen läßt und sich darüber hinaus auch die Freiheit erlaubt, die Musik als integralen Bestandteil ausgiebig wirken zu lassen. So hat man als Zuschauer teilweise das Gefühl, an einer intimen »Session« zwischen der Filmemacherin und dem Publikum teilzunehmen. MPS – Jazzin' The Black Forest wird ohne Zweifel alle musikinteressierte Zuschauer ansprechen. Diese werden auch an der DVD ihre Freude haben. Neben einigen Interviews, wie etwa mit dem fantastischen Musiker George Duke, gibt es eine Bildergalerie mit einhundert Albencovern des Labels. 1970-01-01 01:00

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