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Lucky Number Slevin

USA 2006. R: Paul McGuigan. B: Jason Smilovic. K: Peter Sova. S: Andrew Hulme. M: Joshua Ralph. P: FilmEngine, Ascendant Pictures u.a. D: Josh Hartnett, Bruce Willis, Lucy Liu, Morgan Freeman u.a.
109 Min. Highlight ab 25.1.07

Sp: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1). Ut: Deutsch für Hörgeschädigte. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Making of, Deleted Scenes, Alternatives Ende, Interviews, Darstellerinfos.

Kein Anschluß unter dieser Nummer

Von Martin Thomson Als Quentin Tarantino Mitte der 1990er Jahre seine postmodernen Gangster-Possen auf die Filmwelt losließ, wußte keiner so recht, was diese vergnügliche Verquickung aus Filmhistorie und zeitgenössischer Respektlosigkeit einmal hervorbringen würde. Knapp zehn Jahre später schmückt ein Film wie Paul McGuigans Lucky Number Slevin das Videothekenregal und weckt im geneigten Zuschauer die Hoffnung, daß es viel zu lange nach Lock, Stock and Two Smoking Barrels vielleicht doch noch einem Tarantino-Nachzügler gelingt, ein ähnliches Amüsement über eigentümliche Anti-Figuren in banalen Grenzsituationen entstehen zu lassen. Da stört es auch wenig, darum zu wissen, daß »Lucky Number Slevin« in Deutschland nur eine Existenz als digitale Scheibe vergönnt war, nachdem er trotz namhafter Stars wie Bruce Willis, Josh Hartnett, Morgan Freeman und Ben Kingsley in den USA finanziell Schiffbruch erlitt. Immer mehr aufwendig produzierte Großprojekte verirren sich nach vergeblicher Verleihsuche oder aufgrund desaströser Einspielergebnisse in die Niederungen der schändlichen »Direct to DVD«-Vermarktung – doch seit geraumer Zeit lassen sich unter den Verstoßenen auch Perlen lokalisieren.

Nachdem ein paar Minuten Laufzeit von Lucky Number Slevin verstrichen sind, bestätigt sich jedoch zweierlei: erstens, daß, selbst nach über zehn Jahren, die seit Pulp Fiction ins Land gegangen sind, zu viele Regisseure immer noch der folgenschweren Gewißheit verfallen, ein lässiger Gangsterfilm ließe sich durch exorbitanten Kulissenkitsch, Dialoge über Belanglosigkeiten und eine nicht-chronologische Montage mühelos zusammenklauben, und zweitens, daß es nach wie vor riskant ist, seine Vorurteile über DVD-Veröffentlichungen, die zu erfolglos für die Leinwand waren, zu überdenken. Die größtenteils peinlichen, weil vollständig ausgeleuchteten Kulissen erscheinen nicht weniger plakativ arrangiert wie die aus nachmittäglichen Telenovelas, während die Kameraarbeit von Peter Sova unentschlossen zwischen extremen Auf- und Untersichten hin- und herlamentiert. Richtiggehend skandalös wird es allerdings im Hinblick auf die Montage von Andrew Hulme. Statt die obskuren Blickwinkel, die hier zum Einsatz kommen, zumindest wirken zu lassen, pappt er sie im Sekundentakt aneinander.

Der Eindruck, daß das Budget immer nur ausreichte um einen prominenten Akteur so viel Zeit am Set einzuberaumen, daß jener nicht auf die Idee kam, sich aus dem Projekt herauszuklagen, mag indes der Grund dafür sein, daß Morgan Freeman und Ben Kingsley immer nur in ein und dem selben Zimmer anzutreffen sind und Bruce Willis' Darbietung darauf beschränkt bleibt, den Raum zu betreten, um eine weitere, vollkommen gleichgültige Figur niederzuschießen. Mitunter ließe sich diese Haltung als konsequentes Zugeständnis an alle Bruce-Willis-Begeisterten lesen, die ohnehin nie etwas anderes von ihm erwartet haben, als daß er grimmig dreinschaut und kurzen Prozeß macht. Andererseits verwundert dann der Umstand, warum McGuigan die meiste Zeit sein Interesse an jenem blassen Pärchen verschwendet, das, bestehend aus dem überforderten Josh Hartnett und der auf ihr gutes Aussehen beschränkten Lucy Liu, zwei Drittel des Films in ausgiebiger Weise über Unsinn schwatzt. Vielleicht, weil er wußte, daß sein unsägliches Machwerk nur in ihrer Gesprächsagenda Platz finden würde. 1970-01-01 01:00

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