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Das Leben ist ein Wunder

Zivot je cudo. F/YU 2004. R,B,M: Emir Kusturica. B: Ranko Bozic. K: Michel Amathieu. S: Svetolik Mica Zajc. M: Dejan Sparavalo. P: Les Films de Alain Sarde, Cabiria Films u.a. D: Slavko Stimac, Natasa Solak, Vesna Trivalic, Vuk Kostic u.a.
146 Min. Concorde ab 11.1.06

Sp: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1, DD 2.0), Serbisch (DD 5.1). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Making Of, Trailer u.a.

Märchenhafter Krieg

Von Stefan Höltgen Nach Underground (1995) ist Das Leben ist ein Wunder ein weiterer Film Emir Kusturicas, der den Bürgerkrieg in Jugoslawien auf seine ganze eigene Weise aufarbeitet. Weniger »surreal« als in Underground und doch ebenso traumtänzerisch leicht, humorvoll und mit einem unverschämt-liebenswerten Hang zum Kitsch packt Kusturica eines der traurigsten Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte in seinen Film.

Erzählt wird die Geschichte des serbischen Bahn-Enthusiasten Luka, der – kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahre 1990 – eine Eisenbahnverbindung zwischen Serbien und Bosnien baut. Selbst als die Gefechte näherrücken, bleibt der Lauf der Dinge im kleinen Örtchen davon unbeeinflußt und der Held weiterhin allein seinem Projekt verpflichtet. Mit Einzug seines Sohnes Milos in den Krieg und dem Verlust seiner Frau Jadranka, die mit einem ungarischen Musiker durchbrennt, kommt die Kriegsrealität auch endlich zu ihm. Nachdem der Sohn von den Bosniern gefangen genommen wurde, wird die vermeintliche bosnische Reichen-Tochter Sabaha gekidnappt und als Austausch-Geisel gefangen gehalten. Natürlich verliebt sich der alleingelassene Bahnwärter in das Mädchen, und beide versuchen, in den Kriegswirren zueinanderzuhalten. Nichts kann sie trennen: weder die Bomben noch die zurückgekehrte Ehefrau noch das Wissen, daß das Mädchen eigentlich nur eine Krankenschwester und als Austauschgeisel gar nicht zu verwenden ist. Erst der Einsatz der UNFOR-Truppen setzt ihrer Liebe schließlich ein Ende.

Mit unglaublichem Humor, großartigen Figuren (und ebensolchen Schauspielern) und einem wie gewohnt aberwitzigem (stets diegetischen) Soundtrack rekonstruiert Kusturica die Leidensgeschichte seines Landes als Beziehungsmärchen. Die Allegorese entblättert sich dem Zuschauer zwar recht schnell, jedoch dominiert sie zu keiner Zeit den Plot – der bleibt seiner Liebes-Erzählung zwischen Krieg und Frieden voll verhaftet. Und anders als es vielleicht im wahren Leben ist, findet hier jedes Element des Dramas zu einem glücklichen Ende. Das kennzeichnete schon den auf dieselbe Weise märchenhaften Underground. Das Leben ist ein Wunder ist damit einerseits ein recht kitschiges Märchen, das sich andererseits jedoch als Hoffnung auf ein guten Ende in der Wirklichkeit entpuppt. Daß es im Leben nicht immer so wunderbar wie in Kusturicas Film(en) zugeht, versteht sich von selbst. Er nutzt die Kunstform Film jedoch, um gegen das Bollwerk »Realität« anzukämpfen.

EuroVideo bringt die DVD mit deutscher und serbischer Tonspur und optionalen deutschen Untertiteln heraus. Bild (1,85:1 – 16:9 anamorph) und Ton (DD 5.1) des 146 Minuten langen Films lassen keine Wünsche offen. Allein die Ausstattung der DVD, die neben dem Hauptfilm nur ein paar Trailer des EuroVideo-Programms enthält, ist etwas spartanisch ausgefallen. 1970-01-01 01:00

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