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Ein Haufen verwegener Hunde – Inglorious Bastards

Quel maledetto treno blindato. I 1977. R: Enzo G. Castellari. B: Sandro Continenza, Sergio Grieco, Franco Marotta, Romano Migliorini, Laura Toscano. K: Giovanni Bergamini. S: Gianfranco Amicucci. M: Francesco De Masi. P: Film Concorde. D: Bo Svenson, Peter Hooten, Fred Williamson, Raimund Harmstorf, Ian Bannen, Donal O'Brien u.a.
95 Min. Koch Media ab 8.6.07

Sp: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 2.0), Italienisch (DD 2.0). Ut: Deutsch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Making Of, Booklet u.a.

Die Wundertüte für den Herrn

Von Carsten Tritt Den italienischen Genrefilm der 1960er bis 1980er Jahre zeichnete im Vergleich zu vielen seinerzeit in anderen Ländern entstandenen Produktionen eine ganz besondere Zuneigung zu anarchischen Gesellschaftsstrukturen aus. Angefangen beim Italowestern bis hin zu den Endzeitfilmen der 1980er gewährleistete eine solche Entourage die Vervollkommnung einer sich zuvorderst an Schauwerten orientierenden Dramaturgie, ohne hierin durch Oktroyierungen zivilisatorischer Ordnungsprinzipien verkürzt zu werden. Oder um es anders zu formulieren: Bud Spencer hat stets im Wilden Westen oder im Urwald am schönsten zugehauen, weil dort gar nicht die Gefahr bestand, daß irgendein Spielverderber die Polizei rufen könnte.

Ein Haufen verwegener Hunde – Inglorious Bastards – der deutsche Kinotitel wurde vom DVD-Vertrieb um den etwas bekannteren US-Verleihtitel ergänzt – bietet hier eine Meisterleistung solchen Exploitationkinos. Angesiedelt im Frankreich des Jahres 1944 verfolgen wir die Abenteuer von fünf US-Soldaten, die, wegen diverser Delikte verhaftet, der Militärpolizei entfliehen können und nunmehr gen Schweiz streben. Man ballert sich halt so durch, bis die fünf irgendwann in die Hände einer Resistancegruppe fallen, von der sie mit einem amerikanischen Spezialkommando verwechselt werden. Gezwungenermaßen nehmen die Fahnenflüchtigen den Platz der zuvor versehentlich von ihnen liquidierten Kommandoeinheit ein und greifen mit den Partisanen den im italienischen Originaltitel erwähnten vermaledeiten Panzerzug mit der deutschen Geheimwaffe an.

Wie zu erwarten, verfolgt das Drehbuch alleine den Zweck, seine Protagonisten auf möglichst direktem Weg von einer Actionsequenz zur nächsten zu hieven, und gestaltet somit den Zweiten Weltkrieg um zum bunten Abenteuerspielplatz – legendär alleine schon die Sequenz mit den mit Maschinenpistolen bewaffneten nackten Wehrmachtshelferinnen. Das Werk von Genregröße Enzo Girolami Castellari ist folglich weder etwas für die Anhänger des betroffen machenden Antikriegsfilms noch für Freunde sensibler Charakterzeichnungen. Hat Fred Williamsons Figur z.B. Grund, sich über die rassistischen Äußerungen seines Kameraden zu echauffieren, drückt sie Peter Hooten einfach eine entsicherte Granate in die Hand und bereinigt so den zwischenmenschlichen Konflikt. Das ist geradlinigstes Actionkino, wie man es in heutiger Produktion vergeblich sucht – selbst ambitioniertes Retrokino wie Live Free or Die Hard mag da allenfalls pyrotechnisch, keinesfalls jedoch atmosphärisch an solche Wetteiferungen in Sachen Coolness heranreichen. Mit seiner Verabschiedung von jeglichem inhaltlichen Gehalt bei höchster dramaturgischer Konzentration schafft Ein Haufen verwegener Hunde perfektes sinnloses Kino – und erfüllt somit die italienische Genrevariation des Begriffs von l'art pour l'art. Mit seinem enormen Unterhaltungswert könnte man das Ganze demnach auch die formvollendete cineastische Arschbombe nennen. 1970-01-01 01:00

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