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Flutsch und weg

Flushed Away. USA/GB 2006. R: David Bowers, Sam Fell. B: Dick Clement, Ian La Frenais. S: John H. Venzon. M: Harry Gregson-Williams. P: DreamWorks Feature Animation, Aardman Animations.
84 Min. Paramount ab 24.5.07

Sp: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1). Ut: Deutsch, Englisch, Türkisch. Bf: 1.85:1 anamorph. Ex: Featurettes, Soundtrack, Spiele.

Computer-Knete

Von Ines Schneider »The best of both worlds« wollten Cecil Kramer und Peter Lord von der britischen Produktionsfirma Aardman Animations vereinen, als sie mit dem Disney-erprobten Produzenten Jeffrey Katzenberg von der US-amerikanischen Firma Dreamworks Animation Flutsch und weg verwirklichten. Was sie als das Beste aus beiden Welten betrachteten waren britische Filmtradition, eine Maus auf einem Flußdampfer, rasante, die Realität weit hinter sich lassende Verfolgsjagden und CGI-Technik. Die weichen Gesichtszüge, die Röllchen, die die Haarschöpfe der Figuren bilden, und die Nacktschnecken, die als Randfiguren durch das Geschehen kriechen, erinnern zwar noch an die Knetfiguren, die Aardman berühmt gemacht haben, doch Flutsch und weg ist der erste komplett computeranimierte Trickfilm der Firma. »The best of both worlds« ist ein weitaus klügerer Ansatz, als der, jede neue Technik als Untergang der Kinokultur zu verdammen. Nicht jede Geschichte kann mit Hilfe von Plastilin erzählt werden, und nicht jede Handlung gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit, daß in schwer nachspielbare Szenen mehr oder weniger brillante Computeranimationen eingesetzt werden. Es liegt nicht unbedingt an der Tricktechnik, daß Flutsch und weg sich trotzdem nicht mit den anderen Werken messen kann, die Aardman bisher hervorgebracht hat.

Dabei ist den Regisseuren David Bowers und Sam Fell ein durchaus unterhaltsamer Film gelungen. In Flutsch und weg wird nicht mit liebevoll gestalteten Einzelheiten gegeizt. Die Mäuse bewohnen ein unterirdisches Mini-London aus weggeworfenen Alltagsgegenständen, die allgegenwärtigen Schnecken kommentieren die Handlung mit improvisierten Songs. Die ironischen Seitenhiebe auf andere Filme, die Shrek, den größten Erfolg von Dreamworks, so amüsant machen, fehlen auch hier nicht. Roddy gibt einen passablen James Bond ab und begegnet in Londons Kanalisation einem kleinen Goldfisch, der seinen Vater sucht und voraussichtlich in einer Snackbude als die erste Hälfte von Fish and Chips enden wird.

Diese Anspielungen sind in der Tat witzig, doch es kommt nie zu dem anarchischen Humor, der viele andere Produktionen aus dem Hause Aardman auszeichnet. Zugegeben, die selbst in den vergleichsweise respektlosen Dreamworks-Werken wie Shrek oder Over the Hedge so gern beschworenen Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Aufrichtigkeit bleiben dem Zuschauer hier erspart. Die beiden Mäuse Kenny und Rita bekämpfen zwar im Alleingang den finsteren Kröterich Toad und vereiteln seinen Plan, die unterirdische Mäusestadt zu fluten, doch Bewegung kommt in die Handlung vor allem durch Ritas Bestrebungen, einen Edelstein zu klauen. Verglichen mit den Charakteren der Serie »Rex the Runt«, an der Peter Lord und Sam Fell ebenfalls beteiligt waren, wirken die kriminellen Tierchen aus Flutsch und weg jedoch wie das leblose Spielzeug, mit dem Roddy sich am Anfang des Films die Zeit vertreibt. Die Hunde, die in »Rex« von einer irrsinnigen Situation in die nächste geraten, leiden schon mal an den Folgen der Überzüchtung, wie der debile Vince, genannt »The Inbred«, oder werden läufig, wie die Hündin Wendy. Solche nicht immer ganz stubenreine Aspekte des Hundedaseins verkneifen sich die Macher zwar bei Wallace and Gromit, doch auch in den Geschichten um den schicksalsergebenen Hund und sein exzentrisches Herrchen ist eine Lust an wahnwitzigen Szenarien zu spüren, die einfach mitreißend wirkt.

Zu den fröhlich absurden Geschichten trägt das altmodische Stop-Motion-Verfahren seinen Teil bei. Die Farben und der Schimmer der Knetmasse, die Fingerabdrücke auf den Oberflächen und der Mythos um die britische Plastilinfabrik, die dank der Aardman Studios ein gesichertes Auskommen hat, verstärken die Freude des Zuschauers am Widerstand gegen die glatten, massentauglichen Mainstreamprodukte. Die Verbindung zweier Techniken muß den Charme der Aardman-Filme nicht zerstören, wie in Chicken Run bewiesen wurde. Doch der Vorsatz, das Beste aus zwei Welten zu verbinden, ist in Flutsch und weg nicht verwirklicht worden. Die Bemühungen, US-amerikanische Computertechnik und britisches Handwerk zu verbinden, könnte auf der technischen Ebene noch als gelungen betrachtet werden, doch der »clean family fun« der Dreamworks-Produktionen verdrängt den ungebändigten Witz der britischen Stop-Motion-Filme. Zum Besten aus beiden Welten zählt offenbar auch das US-amerikanische Publikum.

Ähnlich leicht verträglich ist das umfangreiche Zusatzmaterial zu Flutsch und weg. Auf einer Kommentarspur sind Bowers und Fell zu hören, deren Unterhaltung sich jedoch an keiner Stelle zu einer Art Werkstattgespräch entwickelt, sondern um die begabten Menschen kreist, die hier einen rundum gelungenen Film geschaffen haben und dabei stets bester Laune waren. Dennoch ist es unterhaltsam, den beiden zuzuhören, nicht zuletzt, weil sie immer wieder die Aufmerksamkeit auf Details lenken, die man in der Fülle von Einzelheiten vielleicht übersehen hätte. Da die Arbeit eines Programmierers kein geeigneter Stoff für ein klassisches »Making of« ist, wird in den meisten Beiträgen die Arbeit an der Synchronisation und an den Soundeffekten erläutert. In diesem Zusammenhang haben die begabten Schnecken ihren großen Auftritt. Und da Kinder anwesend sind, gibt es auch einige kleine Spielchen (während es auf der DVD von »Rex the Runt« sexy Fotos von Wendy zu sehen gibt, die in ihrer rosa Plastilinhaut ohnehin schon nackter als nackt wirkt). 1970-01-01 01:00

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