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Firefly

USA 2002-2003. R,B: Joss Whedon, Tim Minear. R: Vern Gillum, James A. Contner u.a. B: Ben Edlund, Jose Molina. K: David Boyd. S: Sunny Hodge, Lisa Lassek, John Peter Bernardo, M: Greg Edmonson. P: Mutant Enemy, 20th Century Fox Television, Fox Television Network. D: Nathan Fillion, Gina Torres, Alan Tudyk, Morena Baccarin, Adam Baldwin, Jewel Staite, Sean Maher, Summer Glau, u.a.
625 Min. 20th Century Fox ab 14.11.05

Sp: Deutsch (DD 2.0 DS), Englisch (DD 2.0 DS). Ut: Englisch für Hörgeschädigte. Bf: 1.78:1 anamorph. Ex: Audiokommentare, Featurettes, Deleted Scenes, Gag Reel, Probeaufnahmen, Easter Egg.

Cowboys in Space

Von Daniel Bickermann Einen komischen Hybrid hat man sich da angelacht: Zuerst argwöhnt man Probleme mit dem DVD-Player, weil die Serie mit einer ungewöhnlichen Plötzlichkeit mitten im unübersichtlichen Getümmel startet. Nachdem man dann meint, sich im Szenario des futuristischen Schmugglergewerbes halbwegs akklimatisiert zu haben, untermalen plötzlich Banjo-Klänge und andere Wildwest-Melodien diese hochtechnisierte SciFi-Welt! Was auf eine absurde Art auch wieder logisch erscheint, wo doch alle Charaktere Revolvergurte tragen, Eisenbahnen ausrauben und mit ihrem Raumschiff Kuhherden zwischen den Planeten herumtransportieren. Cowboys in Space? Das soll eine der meistverkauften DVD-Boxen der Geschichte sein?

Joss Whedons »Firefly« geht mit einer Menge Vorschußlorbeeren ins Rennen. Der Amerikaner hat bereits eine erstaunliche Liste von Erfolgen vorzuweisen, sowohl im Filmbereich (wo er für das Drehbuch zu Toy Story verantwortlich zeichnete) als auch bei seinen bisherigen Fernsehserien (wo er vor allem für seine brillanten Sonderepisoden von »Buffy« und »Angel« berühmt wurde). Und auch »Firefly« selbst hat schon eigenen Ruhm erlangt: Als die Serie nach wenigen Folgen vom Studio abgesetzt wurde, erhob eine wütende Horde von Fans medialen Einspruch, kaufte die Ladenregale der DVD-Box leer und veranlaßte schließlich Universal, den Kinofilm Serenity in Auftrag zu geben, der die Geschichte der Raumschiff-Crew fortführen sollte. Und nachdem Kinofilm und Serien-DVD in Deutschland praktisch gleichzeitig auf den Markt kamen, weiß der eine oder andere DVD-Freund schon vor dem Einlegen der ersten Scheibe, daß Whedon im Kinofilm später einen erstaunlich großen Teil der Crew einfach niedermetzeln läßt.

Worum also all der Radau? Ist es die übliche Geschichte von einem spröden Kunstprodukt, das wieder einmal von einem ignoranten TV-Sender und/oder Hollywoodstudio einfach nicht verstanden und deshalb ungerechtfertigt in die Tonne geworfen wurde? Nicht ganz. Während bei den bisherigen Beispielen für solche sabotierten Liebhaber-Projekte wenigstens die kommerziellen Gründe für das Handeln der Geldgeber offensichtlich waren (zu komplex, zu kontrovers etc.), bleibt die Absetzung von »Firefly« tatsächlich ein Rätsel. Nicht, weil es so brillant geschrieben oder bahnbrechend inszeniert wäre, sondern weil es eigentlich der feuchte Traum jedes Fernsehproduzenten sein müßte: Unbekannte, aber durchaus inspirierte Schauspieler; rasante Spezialeffekte, die nicht immer wichtig für die Handlung sind, aber toll aussehen; unterhaltsame Charaktere, die viel zu gut und außerdem vorhersehbar sind, aber auf eine irgendwie angenehme Weise. Kurz: Es ist die Art von Serie, in der man, wenn man von einem interplanetaren Drogenboß gefangengenommen und gefoltert wird, noch unter Stromschlägen schlagfertigen Dialogwitz beweist.

Für solche Art der Unterhaltung gibt es einen Begriff: »Guilty Pleasure«. Wer mit diesem Konzept etwas anfangen kann, wer schon immer Han Solo den coolsten »Star Wars«-Charakter fand, wer sich heimlich auch mal gerne Mainstream-Filme anschaut, die inhaltlich kindisch und handwerklich routiniert, aber trotzdem herrlich unterhaltsam sind (Fluch der Karibik, Lethal Weapon, Indiana Jones), der wird bei »Firefly« voll auf seine Kosten kommen. 1970-01-01 01:00

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