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Entuziazm

Entuziazm: Simfonija Donbassa. SU 1930. R,S: Dziga Vertov. K: Boris Zeitlin. M: Nikolai Timofeyev, Dmitri Shostakovich. P: Ukrainfilm.
65 Min. Edition Filmmuseum ab 17.2.06

Sp: Russisch (DD 2.0 Mono). Ut: Deutsch, Englisch. Bf: 1.33:1 Vollbild. Ex: Dokumentationen, Featurettes u.a.

Archivmaterial

Von Gerd Naumann Mit der »edition filmmuseum« liegt eine neue DVD-Reihe vor, die ihren Schwerpunkt auf die Veröffentlichung von Material diverser Filmarchive setzt. Den Anfang macht die Kollektion mit Dziga Vertovs »Entuziazm«, einem Klassiker des sowjetischen Kinos. Der in Polen geborene Vertov siedelte kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges nach Rußland um. Dort wirkte er bei »Kinodedelja« mit, einem der ersten Kinomagazine der UdSSR. Dem kreativen Einfluß Kuleshovs ist es wohl zu verdanken, daß sich auch Vertov an der Re-Editierung vorhandener Filmaufnahmen versuchte. Die Experimente mit dem filmischen Material führten ebenso wie seine Arbeiten für andere Regisseure zum Entschluß, selbst Regie zu führen. Ganz im Geiste der russischen Revolution, deren Höhepunkte sich auf den Oktober 1917 konzentrierten, drehte er Dokumentationen wie »Shestaya chast mira« ("Ein Sechstel der Erde") oder auch die dialektische Zuspitzung »Tri pesni o Lenine« ("Drei Lieder über Lenin"). Als sein Hauptwerk wird allgemein »Chelovek s kinoapparatom« ("Der Mann mit der Kamera") angesehen, der als ein Höhepunkt der russischen Montagetechnik gilt.

Vertov war nicht nur ein Meister der Montage, vielmehr kann er auch als Vorläufer der filmisch-auditiven Ebene angesehen werden. Der durch die »edition filmmuseum« veröffentlichte »Entuziazm« ist dafür ein gutes Beispiel. Der Film, unter anderem verehrt von Charles Chaplin, ist eine auch für heutige Maßstäbe atemberaubende Dokumentation audio-visueller Gestaltungsmittel. Erschienen ist der Film als Doppel-DVD. Auf der ersten DVD aufgespielt ist der Film in jener Fassung, die einst der sowjetische Gosfilmofond erstellt hatte. Bei der Sichtung des Materials fiel dem Österreichischen Filmmuseum auf, daß es diverse Unstimmigkeiten der Bilder mit der Tonspur gab. Das konnte nicht die Originalfassung Vertovs gewesen sein. Bild und Ton, Einstellung und Klang ergeben in der alten Fassung keine rhythmische Einheit. Der Restaurator Peter Kubelka rekonstruierte eine annäherungsweise stimmige Neufassung des Films. Während der Schnitt derselbe blieb, wurde die Tonfassung durch Feinstarbeit beinahe originalgetreu wieder hergestellt. Diese Version findet sich auf der zweiten DVD. Anschaulich wird hier im Zusatzmaterial durch Peter Kubelka persönlich der diffizile Prozeß der Rekonstruktion erläutert.

Mit »Entuziazm« ist der »edition filmmuseum« eine herausragende Veröffentlichung gelungen, die nicht nur Filminteressierte ansprechen dürfte. Anschaulich zeigt diese DVD, wie aktuell gerade die älteren Bestände aus Filmarchiven sein können. Die einzig universelle Sprache scheint die Filmsprache, die sich durch Montage und auch den Ton zu einer Gesamtheit zusammenfügt. Als nächste DVD ist »Friedrich Schiller – Eine Dichterjugend« von Curt Goetz in Planung. Man darf also gespannt sein. 1970-01-01 01:00

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