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Django – Italo-Western-Box

Django - 10.000 blutige Dollar (I 1967), Django - Der Bastard (I 1967), Django - Die Bibel ist kein Kartenspiel (I 1968).
274 Min. Koch Media ab 2.9.05

Sp: Deutsch (DD 2.0), Italienisch (DD 2.0). Ut: Deutsch (forced). Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Soundtrack-CD, Featurette, Trailer, Bildergalerie.

Sartana erzählt aus der Schule

Von Carsten Tritt Die Veröffentlichungen von Koch-Media waren in letzter Zeit durchaus geeignet, den Liebhabern des italienischen Kinos zur Freude zu gereichen: Dem geneigten Verbraucher besonders zu empfehlen sind z.B. die Fernando di Leo-Klassiker Milano Kaliber 9 und Der Teufel führt Regie, aber auch das Italowestern-Programm, u.a. mit …und Santana tötet sie alle oder Blindman – Der Vollstrecker wußte stets zu begeistern.

Nun also eine Django-Box, allerdings ohne Original-Django (der ist auf der »Django Collectors Box« von Kinowelt erschienen, zusammen mit der einzigen offiziellen, aber doofen Fortsetzung Djangos Rückkehr aus den 80ern und dem schönen Django, der Rächer alias Texas Addio). Die Kochsche Django-Box bietet zwei Filme (Django – Die Bibel ist kein Kartenspiel und Django – Der Bastard, letztere nicht zu verwechseln mit Django, il bastardo = Django und die Bande der Bluthunde, kürzlich ebenfalls als Django – Der Bastard auf DVD erschienen), denen der Django-Bezug allein dem damaligen deutschen Filmverleih zu verdanken ist, und einen Film (Django – 10.000 blutige Dollar), der schon im italienischen Original ein Django-Plagiat war. Weil Koch-Media allerdings aufgrund seiner bisherigen Verdienste um das italienische Genre-Kino einen Ruf zu verlieren hätte, veröffentlicht der DVD-Distributeur seine Mogelpackung nicht, ohne gleichzeitig dick und fett darauf hinzuweisen, daß es sich um eine Mogelpackung handelt, insbesondere durch Beifügung eines 22seitigen Booklets, das sich ausführlich mit der Geschichte der Django-Fälschungen beschäftigt.

Dabei sind gerade die ersten beiden Filme der Collection, 10.000 blutige Dollar und Der Bastard auch unter Vernachlässigung des Django-Wirrwarrs ausgesprochen sehenswert. Die beiden Filme stellen die ersten Auftritte Gianni Garkos im Genre des Italo-Westerns dar, jeweils mit Gian Maria Volontés erfolgloserem, aber wie sein Spiel in den zwei Filmen beweist, nicht untalentierten Bruder Claudio Camaso als Gegenpart. Beide Filme sind mit ähnlich besetztem Team entstanden, außer Darstellern, Drehbuchautoren, Fotograph und Komponist ist wohl noch Sergio Martiono zu erwähnen, der bei beiden Filmen die Produktionsleitung übernahm und kurze Zeit später zu einem der interessantesten B-Filmregisseure werden sollte. Neben der ausdrucksstarken Kameraarbeit Zannis fällt – vor allem bei 10.000 blutige Dollar – Garkos herausragendes Spiel mit einer für das Genre völlig atypischen Anlegung der Hauptfigur aus. Vom Drehbuch wohl ähnlich gedacht wie der Original-Django von Sergio Corbucci, dem skrupellosen Bertüger, der ständig seinen Vorteil suchend die Seiten wechselt, legt Garko seinen Helden als gebrochene Figur an, unfähig eine Richtung zu finden, von Selbstzweifel geprägt. Garko, der in den beiden Filmen als »Gary Hudson« gecredited wird, sollte später, sich nunmehr »John Garko« nennend, als Sartana einer der fiesesten und interessantesten Serienhelden des Italowesterns werden. Mit der völlig entgegengesetzten Anlegung seiner Rollen in seinen ersten zwei Italowestern hat er zum Gelingen zweier aufgrund der ungewöhnlichen Charakterzeichnung sehr atypischen italienischen Western beigetragen. Eine gekonnte Inszenierung kommt hinzu, die auch in technischer Qualität die (oft eher niedrigen) Standards des italienischen Westerns weit überbietet und somit die beiden Filme zu kleinen Genre-Perlen werden läßt.

Wie es auch anders geht, zeigt Die Bibel ist kein Kartenspiel, ein Machwerk aus der untersten Schublade, in der sich der gute alte John Richardson durch die Doppelrolle als Django und dessen böser Bruder quälen muß; immerhin wohl der einzige Doppelgänger-Italowestern. Es bleibt zwar das Geheimnis von Koch Media, warum man diese Gurke veröffentlichen mußte, aber zumindest kann diese dritte DVD der Collection wenigstens von filmhistorischem Interesse sein. Selten zuvor hat man wohl einen derartig schlechten und billigen Film in solch liebevoller Aufarbeitung gesehen. So lassen sich im digital sauber aufgearbeiteten Bild (übrigens bei allen drei Filmen sehr gelungen) die verzweifelten Versuche des Editors nachvollziehen, mit jeder Menge Füllmaterial und überlangen Zwischenschnitten die dünne Story noch auf Spielfilmlänge zu bringen. Auch die billigen Kulissen sind in ungekannter Schärfe zu beobachten. Gedreht wurde übrigens in Israel, das Ende der 60er, Anfang der 70er mit nur sehr bescheidenem Erfolg versuchte, gegen die spanischen und jugoslawischen Drehorte als Billig-Konkurrenz aufzutreten. Beim Anschauen von Die Bibel ist kein Kartenspiel sei übrigens nahegelegt, auch in der deutschen Sprachfassung die Untertitel einzuschalten, die wie alle Untertitel der Box auf dem italienischen Originaltext beruhen, und die durchaus interessante Verfälschung der Story durch die Synchronisation nachvollziehbar machen.

Was bleibt, ist eine Box mit zwei sehr guten Filmen, die zudem noch viel zu kurze, aber nichts desto trotz höchst unterhaltsame Interviewschnipsel vor allem von Garko und eine Soundtrack-CD zur Beigabe haben, und einem üblen Trash-Werk, das man als kostenlosen Bonus zu den beiden anderen Filmen begreifen sollte und die Freude über diese schöne Veröffentlichung nicht zu trüben vermag. 1970-01-01 01:00

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