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Detektive

BRD 1969. R: Rudolf Thome. B: Max Zihlmann. K: Hubs Hagen, Niklaus Schilling. S: Jutta Brandstädter. M: Kristian Schultze. P: Eichberg-Film. D: Marquard Bohm, Ulli Lommel, Uschi Obermaier, Iris Berben u.a.
87 Min. Arthaus ab 22.6.07

Sp: Deutsch (DD 2.0 Mono). Ut: Keine. Bf: 2.35:1 anamorph. Ex: Interviews, Trailer, Bildergalerie.

Schöne Frauen und lässige Männer

Von Ralf Heußinger Die Vorzeichen hätten besser sein können: Einer der Hauptdarsteller säuft, das Geld war knapp und der Tonmann auf einem Ohr taub. Doch in diesem heißen Sommer '68 war nichts unmöglich. »Wir hatten das Gefühl, alles tun zu können, die Welt zu verändern«, erinnert sich Ulli Lommel, einer der zwei »Detektive« in Rudolf Thomes gleichnamigen Film. Diese verheißungsvolle Stimmung der freien Möglichkeiten, Thomes Kinofilm-Debüt brachte sie auf den Punkt. Im Juni 1968 begannen die Dreharbeiten in München, nur zwei Monate vorher hatte ein verwirrter junger Mann auf Rudi Dutschke geschossen, die Springer-LKW brannten. Nur: Thome hatte kein Interesse an Gesellschaftskritik, die Filmemacher des Oberhausener Manifests seien für ihn »die Pest« gewesen, erzählt er im detailreichen Interview auf der Bonus-DVD. Stattdessen spiegelt er, einer der Hauptfiguren der damaligen Münchner Szene, die Stimmung jener Zeit, im Hinterkopf nicht nur Godard und Resnais, sondern vor allem die lässigen Filme eines Howard Hawks, die Kühle Alain Delons und die Souveränität Humphrey Bogarts.

Wie selbstverständlich schlendert Ulli Lommel in die Villa eines Auftraggebers und pflanzt sich auf dessen Schreibtischplatte, nimmt buchstäblich dessen Büro in Besitz. Keine Frau ist vor ihm sicher, keine Hausbar, in der – ganz klar – immer Whisky steht. Sein Kompagnon – gespielt von Marquard Bohm – steht ihm in nichts nach, nur der Erfolg bei den Frauen läßt etwas zu wünschen übrig. Ganz unverblümt versucht er es dennoch: »Fahren wir ein bißchen in den Wald da vorn. Ich gefalle Ihnen«, bietet er einer Kundin an, gespielt von der noch nicht ganz 18jährigen Iris Berben. »Ein Film mit vielen schönen Frauen und unheimlich lässigen Männern«, weiß diese heute zu erzählen, die Berben, die Rudolf Thome mit ihrer piepsigen Mädchenstimme überzeugen konnte und in Detektive ganz unbedarft ihren ersten Leinwandauftritt bekam, neben Uschi Obermaier. »Detektive«? Revolverhelden und Taugenichtse trifft es wohl eher. Lommel und Bohm hantieren gewandt mit ihren Waffen, zahlen keine Miete und spielen alle Beteiligten gegeneinander aus. Thome filmt sie auf Augenhöhe, wie die Cowboys von Howard Hawks aus den 1950ern, doch sie sind Helden der neuen Zeit, Diener zweier Herren, wie Clint Eastwood bei Sergio Leone. 1970-01-01 01:00

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